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906_Ausdruckstanz_B7732_42 Ausdruckstanz

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Der in Deutschland ab den zehner Jahren des 20. Jahrhunderts von Rudolf von Laban und später Mary Wigman entwickelte Ausdruckstanz trägt im Ausland auch die Bezeichnung German Dance oder German Expressionist Dance. In Anlehnung an den deutschen Expressionismus in Malerei und Dichtung entstanden, wandte sich der A. gegen die als zu eng empfundene Tanzdefinition des Klassischen Balletts. „Jeder Mensch ist ein Tänzer“, proklamierte Laban, und jede Bewegung könne eine tänzerische Bewegungsein. Tanz solle Ausdruck innerer Bewegtheit sein.

Durch seinen neuen Freiheitsbegriff schuf der A. eine bis dahin unbekannte Massenbewegung und versuchte auf den Deutschen Tänzerkongressen die soziale Situation für den Tanz zu verbessern.

 

Zu den Protagonisten des A. zählen neben Laban und Wigman u.a. Gret Palucca, Yvonne Georgi und Harald Kreutzberg. Zu einer späten choreographischen Blüte verhalf Dore Hoyer dem A. Besondere Früchte trug die Arbeit des Laban-Schülers Kurt Jooss an der Essener Folkwangschule, aus der einige der bedeutendsten Protagonistinnen des Tanztheaters hervorgingen.

 

 

(Norbert Servos)

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Institutionen:

Deutsches Tanzarchiv Köln

Tanzarchiv Leipzig

903_Bildende-Kunst-Lexikon_01 Bildende Kunst und Tanz

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903_Bildende-Kunst-Lexikon_01
Gerade in der Entwicklung des modernen Tanzes in Deutschland erwies sich die Kooperation von Bildenden Künstlern und Choreographen immer wieder als äußerst fruchtbar. So prägte zum Beispiel die Zusammenarbeit von Gret Palucca und Paul Klee sowie von Kurt Joos und Hein Heckroth das Erscheinungsbild des Ausdruckstanzes.

 

Heckroth, von Beruf Bühnenausstatter, verlieh zahlreichen Stücken von Jooss das zeitgemäße expressionistische Aussehen aus einer malerischen Sicht. Oskar Schlemmer entwickelte am Bauhaus seine Choreographien abstrakter Formen aus der Perspektive des Malers. Mary Wigman ließ sich u.a. von Emil Nolde inspirieren. Auch in der späteren Bewegung des Tanztheaters suchten Choreographen die Auseinandersetzung mit Bildenden Künstlern, so etwa Gerhard Bohner mit Robert Schad, Johann Kresnik zu Gottfried Helnwein oder Susanne Linke zu VA Wölfl.

 

Gerade in den jüngeren Entwicklungen, die sich in Richtung Performance Art bewegen, kommt der Inszenierung der Räume eine immer größere eigenständige Bedeutung zu. So steht etwa die Gruppe Neuer Tanz mit VA Wölfl unter der Leitung eines Bildenden Künstlers. Aber auch in zahlreichen Stücken von William Forsythe erlangt die Gestaltung des Bühnenraumes eine skulpturale Bedeutung.

 

 

(Norbert Servos)

900_Tanztheater-Lexikon_B6086_01 Deutsches Tanztheater

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Ab etwa Mitte der sechziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts begannen Choreographen in Deutschland, nach neuen Ausdrucksmitteln zu suchen. Es war vor allem die Aufbruchsstimmung der Studentenbewegung mit ihrer kritischen Befragung von Politik und Gesellschaft, die auch die Choreographen inspirierte, in ihrer Kunstform neue Wege zu erproben.

 

1968 übernahm Johann Kresnik die Leitung des Balletts in Bremen und provozierte mit seinen gesellschaftskritischen Politrevuen. 1973 übernahm Pina Bausch die Leitung des Tanztheaters Wuppertal und sorgte mit ihren poetischen Grenzüberschreitungen zwischen Tanz und Schauspiel für große Aufmerksamkeit. 1978 ging Reinhild Hoffmann nach Bremen und etablierte ihre Version eines mehr tanzorientierten, bildkräftigen Tanztheaters. Mit dem Folkwang Tanzstudioentwickelte Susanne Linke ihre ersten, in ihrer Reduktion beeindruckenden Arbeiten.

 

Die neue Form, die Poesie mit gesellschaftlichem Bewusstsein verband, verzeichnete ab Ende der siebziger Jahre zunehmende Erfolge und hat inzwischen Weltgeltung erreicht. Das Tanztheater hat weltweit eine Emanzipation des Tanzes initiiert und zahlreiche Choreographen zu eigenen Entwicklungen angeregt.

 

 

(Norbert Servos)

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Personen:

Bausch, Pina

Bohner, Gerhard

Dietrich, Urs

Goldin, Daniel 

Hoffmann, Reinhild 

Horn, Henrietta 

Kresnik, Johann

Linke, Susanne

Pauls, Irina

Schlömer, Joachim


Institutionen:

Bremer Tanztheater

Folkwang Tanzstudio, Essen


Bühnenwerke / Videoclips:

Bilder einer Ausstellung | G. Bohner, 1981

Blauzeit | H. Horn, 2006

Callas | R. Hoffmann, 1983

Die Dinge in meiner Hand | G. Bohner, 1979

Familiendialog | J. Kresnik, 1979

Föhn | R. Hoffmann, 1985

Freigang | H. Horn, 2007

Im Bade wannen | S. Linke, 1980

Persona | U. Dietrich, 2003

Solo mit Sofa | R. Hoffmann, 1977

Ulrike Meinhof | J. Kresnik, 1990

Wendewut | J. Kresnik, 1993

Chor. Avantgarde | U. Dietrich

Chor. Avantgarde | D. Goldin

Chor. Avantgarde | H. Horn

Chor. Avantgarde | J. Schlömer

897_Tanz-und-neue-Medien-Lexikon_01 Tanz und Medien

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897_Tanz-und-neue-Medien-Lexikon_01
Von jeher wird die Tanzentwicklung in Deutschland sowohl von der regionalen als auch von der überregionalen Presse kritisch begleitet. Besondere Bedeutung erlangten dabei Kritiker wie Eva-Elisabeth Fischer (Süddeutsche Zeitung), Horst Kögler (Stuttgarter Zeitung), Rolf Michaelis (Die Zeit), Hartmut Regitz (u.a. Stuttgarter Nachrichten), Jochen Schmidt (Frankfurter Allgemeine Zeitung) und Norbert Servos (u.a. Ballett International).

 

Gerade der internationale Erfolg des Tanztheaters stimulierte in den achtziger Jahren die Tanzpublizistik in Deutschland und sorgte für zahlreiche Neuerscheinungen auch auf dem Buchmarkt, von denen viele im Florian Noetzel Verlag in Wilhelmshaven erschienen. In letzter Zeit profiliert sich vor allem der Klaus Kieser Verlag in München mit seinen sorgfältig edierten Tanzbüchern. Eine Zeitlang begleitete das Zweite Deutsche Fernsehen (ZDF) die Tanzentwicklung in seiner Reihe „Das Internationale Tanztheater“. Inzwischen informiert das „Tele-Tanzjournal“ über die Entwicklung. Eine besondere Bedeutung erlangte die Tanzfilmreihe des europäischen Kulturkanals Arte, mit dem zahlreiche deutsche Fernsehsender kooperieren.

 

Zu den wichtigen Tanzmagazinen zählen „Tanz Journal“ aus München unter redaktioneller Leitung von Katja Schneider, einer Fusion aus „Tanzdrama“ und „Ballett-Journal“, sowie „Ballettanz“ aus Berlin unter redaktioneller Leitung von Hartmut Regitz und Arnd Wesemann, einer Fusion aus „Ballett International“ und „Tanz aktuell“. Aufgrund wirtschaftlicher Probleme hat jedoch ein großer Teil der Tageszeitungen die Tanzberichterstattung in den letzten Jahren erheblich reduziert.

(Norbert Servos)

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Personen:

Forsythe, William