Biographien

In Memoriam - Gedenkveranstaltung im Kulturni Dom Bleiburg/Pliberk. Foto: Kirsten Tiedemann In Memoriam JOHANN KRESNIK (1939-2019)
Beisetzung und Gedenkveranstaltung in Bleiburg/Kärnten am 4. und 5. Oktober
Biographien Bleiburg, Kärnten Österreich 3. und 4. Oktober 2019

 

Am 27. Juli 2019 ist der weltbekannte Choreograph Johann Kresnik verstorben.

 

“Johann Kresnik hat mit seinem Choreographischen Theater Tanzgeschichte geschrieben und damit auch das Theater insgesamt verändert. Immer fühlte er sich dem Auftrag  des politischen Künstlers verpflichtet, aus dem dieser – um es mit Heiner Müller zu sagen: solange es Herren und Sklaven gibt, nicht entlassen ist. In Kärnten geboren zog er wie ein Peer Gynt in die Theaterwelt hinaus. 2009 setzte Hans Kresnik in seiner Heimat Bleiburg ein Zeichen: “Auf uns kommt es an!” ist der Titel unseres Stücke und Auftrag an uns weiterhin.”

Christoph Klimke

 

Am Samstag, 5. Oktober 2019 findet in Kresniks Heimat Bleiburg/Pliberk die Gedenkveranstaltung „In Memoriam-Johann Kresnik“ statt.

 

Um 16.00 Uhr wird im Werner Berg Museum im ersten Obergeschoss eine Kabinett-Ausstellung mit zahlreichen Zeichnungen und choreographischen Skizzen von Johann Kresnik, sowie eine Dokumentation des 2009 in Bleiburg uraufgeführten Kresnik-Stückes „Jura Soyfer – Auf uns kommt es an“ eröffnet.

 

Der in der Ausstellung gezeigte Kurzfilm von Lisa Huber portraitiert Johann Kresnik in seinem Heimatort St. Margarethen bei Bleiburg.

 

Zur Ausstellungseröffnung spricht Gottfried Helnwein, langjähriger künstlerischer Wegbegleiter und Freund von Hans Kresnik.

 

Musik: Janez Gregorič / Arthur Ottowitz
Moderation: Raimund Grilc

Eröffnet wird die Ausstellung von Landeshauptmann Dr. Peter Kaiser.

 

Im direkten Anschluss an die Ausstellungseröffnung findet ab 18 Uhr in Zusammenarbeit mit dem CCB – Center for Choreography im Kulturni Dom Bleiburg/Pliberk  die offizielle Gedenkfeier mit einer Tanzperformance von Ismael Ivo sowie Beiträgen u.a. von Anna Hein, Christoph Klimke, Zdravko Haderlap, MoPZ Foltej Hartman, Thomas Nečemer  sowie ImpulsTanz Festival Wien statt.

 

Das Deutsche Tanzfilminstitut Bremen nimmt gemeinsam mit WegbegleiterInnen aus Bremen in Gedenken an den herausragenden Theatermann Hans Kresnik an der Gedenkveranstaltung teil.

 

Hans Kresnik in Bremen 1977/78 Spagat und Kommunismus – Nachruf auf Hans Krensik von Moritz Rinke [Weser-Kurier]
Der Choreograf und Regisseur Johann Kresnik wurde am 4. Oktober in Bleiburg/Kärnten bestattet. Moritz Rinke erinnert sich im Weser-Kurier an ihn. Wir zitieren seinen Beitrag hier.
Biographien Ergänzende Bestände Weser-Kurier Bremen, Bleiburg/Kärnten Österreich D 4.10.2019

“Als ich Kind war, hielten die meisten meiner Freunde Bud Spencer für den stärksten Mann der Welt. Manchmal fiel noch der Name Supermann oder Pippi Langstrumpf, aber für mich gab es nur einen, einen Freund meiner Mutter, der hieß Hans, eigentlich Johann, Johann Kresnik.

 

Johann Kresnik war kein Filmheld, sondern Tanztheatermann. In der Küche hängt immer noch ein Bild, auf dem er als Tänzer im Grand Jeté, einem atemberaubenden Spagatsprung, durch die Luft fliegt, wie Supermann. Sein Oberkörper ist dabei fast viereckig vor lauter Muskeln.

 

„Sie sind ja ein Berg!“, so hatte ihn meine Mutter im Theater des Intendanten Kurt Hübner in Bremen angesprochen, wo Kresnik ab 1968 als Choreograf zusammen mit Regisseuren wie Zadek oder Fassbinder ein anderes Theater machte. „Ich komme auch aus den Bergen!“, hatte er mit kräftiger Stimme geantwortet. Er war auch der erste Kommunist, den ich kannte. Ich wusste zwar nicht, was das ist, verband aber seit Kindertagen einen Kommunisten mit Stärke, mit Grands Jetés, sogar bei uns im Garten, und immer neuen Liebesfreundinnen.

 

Einmal besuchten ihn mein Vater und ich in den Theaterferien in St. Margareten in Kärnten, wo Kresnik geboren worden war und jetzt auch beerdigt wird. Er zeigte uns den Platz vor dem Haus, wo slowenische Partisanen vor seinen Augen seinen Vater erschossen hatten. Zum ersten Mal hörte ich den Berg ganz leise sprechen, und mir fiel auf, wie klein er war, er war kein großwüchsiger Mann. Er saß still auf einer Achse eines Anhängers, er wirkte plötzlich wie ein Kind, und ich konnte mir nicht vorstellen, dass man so etwas erlebt. Und ich verstand auch, was er eine Zeit lang in der heilen Traumwelt des Balletts gesucht hatte, auch wenn er immer behauptete, er sei Tänzer geworden, um den Frauen nahe zu sein.

 

Diese Tragik. Sein Vater war gerade zur Wehrmacht eingezogen worden, er war auch Kommunist gewesen, wie die Partisanen der slowenischen Befreiungsfront, die mit roten fünfzackigen Sternen auf ihrer Kopfbedeckung gegen die Besatzungsmächte Deutschland und Italien kämpften.

Kresnik hatte in seiner ganzen späteren Theaterarbeit mit großer Wut gegen diese grausame Kriegsszene vor dem Haus seiner Kindheit angekämpft: „Kriegsanleitung für Jedermann“, „Die Nibelungen“ „Paradies?“„Ein Stück über das Attentat auf Rudi Dutschke“, „PIGasUS“, „Familiendialoge“, später Titel wie „Macbeth“, „Ernst Jünger“, „Gründgens“. Ich sah fast alle seine Stücke und ihn dabei immer traurig auf der Achse des Anhängers vor dem Haus sitzen. Jahre später änderte sich unser Verhältnis, ich wollte jetzt selbst zum Theater und assistierte bei ihm. Ich glaube, er fand es schade, dass ich nicht mehr das Kind aus dem Garten war, sondern jetzt, etwas zu breitbeinig auf dem Stuhl sitzend, wie er empfand, Kommentare über seine Proben abgab. Vielleicht war es das, ich fand sein Theater zu kämpferisch, zu eindeutig, zu agitierend. Wir entfernten uns.

 

Zwei Wochen nach seinem Tod saß ich nun bei den Salzburger Festspielen im Publikum, wo er als Österreicher nun einmal inszenieren durfte („Peer Gynt“). Um mich herum saßen zurechtgepuderte und verschönte Menschen, wie ich es in der Übertriebenheit noch nie gesehen habe. Überall Protz, Gehabe, Geld, Geld, Geld, die Kunst wirkte nur noch wie ein Anlass für die eigentliche Show. Ich rutschte immer mehr auf meinem Sitz zusammen und bekam Sehnsucht nach jener Kärntner Kraft, nach diesem kämpferischen Mann, nach diesem Kommunisten, der im Grand Jeté durch unseren Garten bis ins Gewissen dieser Salzburgmenschen springt.”

 

Moritz Rinke

 

Der Autor

wurde 1967 in Worpswede geboren und lebt als freier Autor in Berlin. Er schreibt Theaterstücke und Romane. In seinem Bestseller „Der Mann, der durch das Jahrhundert fiel“ befasste er sich mit der NS-Vergangenheit Worpswedes. Johann Kresnik lernte er bereits als Kind kennen.”

 

Quelle: Weser-Kurier 04.10.2019, Seite 24

Dr. Nele Lipp und Heide-Marie Härtel (von links nach rechts) Laudatio auf Heide-Marie Härtel zur Ehrenmitgliedschaft bei KOÏNZI-Dance von Dr. Nele Lipp
Auf der Suche nach der verlorenen Zeit - des Tanzes. Das Deutsche Tanzfilminstitut Bremen in seinem Kontext.
Biographien KOÏNZI-Dance Hamburg D 25.04.2019

Die Position des Deutschen Tanzfilminstituts Bremen ist offensichtlich im Bereich einer über die deutschen Grenzen hinausgreifenden „Kulturgeografie“ nicht unbedingt im Bewusstsein der nationalen und internationalen Tanzszene. Um dieses Defizit zu beheben, soll hier eine Positionsbestimmung versucht werden.

 

1988 gründete Heidemarie Härtel, ehemalige Solotänzerin bei dem österreichischen Choreografen und Regisseur Johann Kresnik, zusammen mit Susanne Schlicher, die allerdings kurz danach wieder ausstieg, das Deutsche Tanzfilminstitut Bremen als gemeinnützigen Verein. In diesem Institut, in dem mit wechselnden Mitarbeitern im Laufe von inzwischen mehr als dreißig Jahren das größte Tanzfilmarchiv der Welt aufgebaut wurde, geht es nicht um Tanzfilme im Sinne von Spielfilmen, sondern um Videotapes und digitale Dokumente künstlerischen Tanzes, also des Bühnentanzes. Dabei ist es das einzige Tanzfilmarchiv, das nicht nur sammelt, sondern auch selbst produziert. Härtel hat, – auch darin weitgehend solistisch, mit Entwicklung und Supervision der Aufgabenbereiche ein gigantisches Werk entfaltet, dessen Anerkennung bis 2019 noch nicht in der Verleihung des renommierten Deutschen Tanzpreises gipfeln konnte, obgleich es dessen schon lange würdig ist. Es fehlte der einfache, aber offensichtlich schwer zu denkende Gedanke, dass zumindest die Arbeit der meisten der bisherigen Träger des Tanzpreises ohne Härtels dokumentierende und archivarische Arbeit gar nicht hätten entsprechend wahrgenommen werden können.

 

Ihre Leistungen sollen hier aber nicht im Einzelnen benannt und beschrieben werden, denn jene findet jeder im Internet, sondern sie und ihr Institut sollen endlich in den Zusammenhang gestellt werden, in dem sie gesehen werden müssen, um ihren kulturellen Stellenwert einschätzen zu können.

 

Unter Auslassung einer Spur im Dunkeln, die zu sehr frühen und kaum zugänglichen Filmdokumenten über die Music-Hall-Tänzerinnen Saharet und Cléo de Mérode führt und die von der französischen Filmpionierin Alice Guy-Blanché stammen, soll zunächst fünfzig Jahre vor die Gründung des Instituts zurück geblickt und dazu ein wenig ausgeholt werden:

Der inzwischen zu Unrecht fast vergessene französisch-jüdische Publizist, Literaturkritiker, Opern- und Ballettimpresario René Blum war nicht nur ein Bruder von Leon Blum, dem ersten sozialistischen Premierminister Frankreichs, sondern ein Freund des Schriftstellers Marcel Proust, den Blum – der ein großer Beweger war – veranlasste, dem Verleger Bernard Grasset seinen ersten Band von À la recherche du temps perdu (Suche nach der Verlorenen Zeit) vorzulegen, damit er diesen endlich publiziere, was Proust auch tat – allerdings auf seine eigenen, nicht auf des Verlegers Kosten. Die Recherche ist eine Allegorie der Suche nach Wahrheit der Erinnerung – die nur als Suche, nicht als wirklich gefundene Erinnerung funktioniert – und zugleich ein Bemühen darum darstellt, die Vergangenheit im Kunstwerk zu bewahren.

 

Unter dem Aspekt des Wertes der Mühen um kulturelles Gedächtnis war Blum, nicht nur im Bezug auf das Werk Prousts, wohl auch der erste, der die ungeheure Wichtigkeit der Rolle des Films für den Tanz erkannte: Etwa Mitte der Dreißiger Jahre des vorigen Jahrhunderts, als er gemeinsam mit dem Tänzer und Choreografen Leonide Massine die Ballets Russes de Monte Carlo, eine der Nachfolgegruppen der Ballets Russes des Serge Diaghilev leitete, empfahl Blum Massine, Filmaufnahmen von seinen Probearbeiten zu machen, was dieser auch tat und bald darauf kooperierte er dann auch schon mit den Warner Brothers, die 1938, in einer Zeit, als diese noch Zeichentrick- und Abenteuerfilme produzierten, für eine Filmadaption seiner Choreografie Gaîté Pairisienne (Pariser Fröhlichkeit). Massine hatte anschließend mit dem Film eine längere Liäson, die 1948 in der bekannten Tanzfilm-Adaption von Hans Christian Andersens Die Roten Schuhe gipfelte.

 

Seit Mitte der Dreißiger Jahre also existiert überhaupt der Gedanke daran, filmische Dokumente künstlerischen Tanzes und seiner Entstehung im Probenprozess herzustellen. – Wo aber blieben diese? – Und wieso kam der zweite Aspekt, der des Sammelns, Ordnens, haltbar Machens und Archivierens in Deutschland erst mehr als fünfzig Jahre später hinzu? – Immerhin gab es ja schon die 1944 von dem US-amerikanischen Tänzer und Choreografen Jerome Robbins gegründete Dance Division der New York Library, jedoch nichts Vergleichbares in Europa und – selbst nicht in Paris.

 

Offensichtlich braucht es dazu Besessene und entsprechende Brutstätten. Und diese sind einfach nicht immer mit der Entstehung eines neuen Mediums oder Bereiches sofort zur Stelle.

 

Wenden wir uns aber zunächst noch der allgemeinen Filmgeschichte zu. Wie war es da mit den Archiven, und wie war es mit den Initialzündungen zu diesen?

 

Der deutsche Drehbuchautor, Dramaturg und Filmhistoriker Gerhard Lamprecht, (fast der gleiche Jahrgang wie Massine) der ab 1920 auch eigene Filme produzierte – die bekanntesten darunter waren wohl die Nachkriegsfilme Irgendwo in Berlin und Emil und die Detektive – hatte schon in seiner Schulzeit angefangen, filmgeschichtliche Dokumente zu sammeln, und das, als sie als Werkzeuge einer Wissenskultur des Erinnerns und so auch der Filmwissenschaft noch kein Desiderat waren. Im Laufe der Zeit sammelte er alles, was mit dem Film zu tun hatte, wie Fotos, Plakate, Programmhefte, Rezensionen, Drehbücher, Filme, filmarchitektonische Modelle, Kameras und Projektoren. Im Jahr 1963 erwarb glücklicherweise das Land Berlin diese Sammlung und machte eine Institution daraus. Mit Lamprecht als Gründungsdirektor konnte die DEUTSCHE KINEMATHEK jetzt ihre Arbeit aufnehmen. Seitdem wird dort alles archiviert, was mit Geschichte und Technik des Films zu tun hat. Weitere Sammlungen und Nachlässe kamen im Lauf der Zeit hinzu. Im Jahr 2000, siebenunddreißig Jahre nach ihrer Gründung, erhielt die Kinemathek zusätzlich öffentliche Ausstellungsräume und konnte ihren Arbeitsbereich durch Kooperationen und Publikationen erweitern.
Das alles gründete in dem Traum eines besessenen Schuljungen.

 

Ein kleiner Blick auf die parallelen Zeitachsen belegt die Entwicklung im Film

 

Zeitleiste FILM -Archive - TANZFILM  (Rechte Nele Lipp)

 

Um 1895 wurden die ersten Filme überhaupt gedreht (zum Beispiel von Georges Méliès – Frankreich), um 1920 setzten mit den Schriften Sergej Eisensteins und Bela Balaczs erste filmwissenschaftliche Untersuchungen ein, 1963 wurde das erste Deutsche Filmarchiv, die Deutsche Kinemathek, in Berlin gegründet.

 

Die Entwicklung im Tanzfilm
1896 drehten die Brüder Lumière kurze Filmsequenzen von Loïe Fullers Serpentinentanz, um 1905 wurden Tanzfilm-Aufnahmen von A. Guy-Blanché gemacht, um 1935 begannen systematischere Tanz-Filmdokumentationen durch L. Massine, 1985 wurde das Deutsche Tanzfilminstitut gegründet und 2013 setzten mit Claudia Rosinys Publikation Beziehungen zwischen Mediengeschichte und moderner Tanzgeschichte erste tanzfilmwissenschaftliche Untersuchungen ein.

 

Im Bereich der Sparte Tanzfilm dauerte es also nicht ganz so lange, bis sich jemand fand, der das jeweils neue Medium als sammlungs- und in diesem Zusammenhang auch wissenschaftswürdig erkannte und damit startete, derartig exzessiv zu sammeln, dass sich aus dem persönlichem Engagement nach und nach eine Institution entwickeln konnte. Lamprecht war Filmemacher, Härtel Tänzerin. Beide verbindet ein je ganz persönliches und vor allem ein unbürokratisches Engagement, sowie ein lebenslanger und existenzieller Einsatz für die Sache.

 

Es soll hier auch noch eine dritte Sammlerpersönlichkeit in Relation gesetzt werden, um der Beobachtung, dass offensichtlich nur ein besonderes, in der eigenen Biografie begründetes Engagement derartige Archive ins Leben zu rufen imstande ist, zusätzliches Gewicht zu verleihen. Es handelt sich um das Beispiel des litauisch-amerikanischen Filmregisseurs, Autors und Archivars Jonas Mekas. Aus verzweifelter Leidenschaft für das Tagebuchschreiben während seiner elfjährigen Odysse, in der er von den Nationalsozialisten interniert und anschließend als „displaced person“ durch Deutschland geschleust wurde, entwickelte er, schließlich in die USA transportiert, das so genannte „Tagebuchfilmen“. Dies machte ihn zu einem Pionier des amerikanischen Avantgardekinos und aus seiner persönlichen Sammlung der Motive endloser Tage banalen Geschehens und aus der darin verborgenen Suche nach Lebenssinn wurde – vergleichbar der Recherche von Marcel Proust – ab den frühen 1960er Jahren schuf er ein zunächst privates Filmarchiv, in dem er bald nicht nur seine, sondern tausende experimenteller Kunstfilme amerikanischer Outsider, die – jenseits des Hollywoodkinos mit ihrer gefälligen Unterhaltung – subtile Erfahrungen, Wahrnehmungen und Ideen außerhalb des kommerziellen Mainstreams dokumentieren.
1970 gründete Mekas unter anderem zusammen mit Peter Kubelka, dem experimentierenden Filmemacher und Kodirektor des österreichischen Filmmuseums, sowie dem US-amerikanischen Kurzfilmregisseur Stan Brackage in New York die Anthology Film Archives, aus denen die weltgrößte Sammlung von Avantgarde-Filmen hervorging. Bewundernswerter Weise verstand Mekas diese trotz ständiger Geldknappheit zu schützen und bis zu seinem Lebensende in diesem Jahr zu erhalten.

 

Entsprechendes – nur hier im Bereich des künstlerischen Tanzes – findet sich in Heidemarie Härtels Deutschen Tanzfilminstitut, dem jetzt, 34 Jahre nach seiner Gründung, ein der DEUTSCHEN KINEMATHEK entsprechendes neues Zuhause und eine dauerhaft stabile Förderung dringend gewünscht wird, damit ein unvergleichliches kulturelles Erbe bewahrt werden kann.

 

NELE LIPP

 

25. April 2019

 

KOÏNZI-Dance e.V.

Jean Cebron TANZSALON 26: Abschied von Jean Cébron

Biographien Filmvortrag Veranstaltungen Vorträge Deutsches Tanzfilminstitut Bremen Bremen D Sonntag, 10.03.2019, um 20.00 Uhr

Der Tänzer, Choreograf und Pädagoge Jean Cébron verstarb am 1. Februar im Alter von 94 Jahren. Er war nach Kurt Jooss über Jahrzehnte der wohl stilprägendste Tanzpädagoge der Folkwangschule. Zu seinen Schülern zählen so bekannte Tanzpersönlichkeiten wie Reinhild Hoffmann, Susanne Linke, Urs Dietrich und Lutz Förster.

 

Jean Cébron war als Tänzer z.B. in berühmten Ballettstücken von Kurt Jooss tätig und als Choreograf, der in den 70iger Jahren u.a. mit Pina Bausch auftrat. Das Deutsche Tanzfilminstitut verfügt über bisher nicht publiziertes Videomaterial aus dem Unterricht von Jean Cébron, aus Vorstellungen der Folkwangschule aus den 90-er Jahren und aus seiner Arbeit mit dem Bremer Tanztheater aus den 80-er Jahren unter Reinhild Hoffmann.

Wir zeigen Ausschnitte aus den Dreharbeiten und sprechen mit einem seiner Schüler aus den 90-ern, mit Professor Doktor STEPHAN BRINKMANN, der seit Ende letzten Jahres Leiter der Tanzabteilung der Folkwang Universität der Künste ist.

 

Im Anschluss an die Präsentation machen wir Sie gerne mit einer Premiere bekannt, die in der darauf kommenden Woche, am 13.3. in der Schwankhalle zu sehen sein wird: SCHLAFWANDLER 1999 / 2019. Das 1999 von Helge Letonja choreographierte Stück führen die gleichen TänzerInnen 20 Jahre später in einem zweiten Teil fort. Ziv Frenkel und Anne Minetti sind im Tanzsalon anwesend. (Premiere 13.3., weitere Vorstellungen 14. und 16.3.)

 

Der TANZSALON 26 beginnt am Sonntag, 10. März 2019, um 20:00 Uhr im Deutschen Tanzfilminstitut Bremen, Forum am Wall, Am Wall 201, 28195 Bremen. Eingang von der Ostertorstraße aus, links neben Bäckerei. Tel. 0421 240 550   

 

 

 

 

 

Klaus Geitel und Günter Pick im Gespräch 12.12. 2015 TANZSALON 18: ZEUGEN DES TANZES – Günter Pick trifft KLAUS GEITEL (Filmpreview)

Biographien Filmvortrag Veranstaltungen Video-Reihen Deutsches Tanzfilminstitut Bremen Bremen D 10.12.2017 19:30 bis 21.00 Uhr 00:35 h

 

Ein Film von Heide-Marie Härtel und Claudia Henne, 35 Minuten 

 

Eine Produktion des Deutschen Tanzfilminstituts Bremen 

 

Gefördert von TANZFONDS ERBE – Eine Initiative der Kulturstiftung des Bundes 

 

Kurzfristig entschlossen zeigen wir den gerade fertig gewordenen Film über den “Starkritiker” des Tanzes, Klaus Geitel, noch in diesem Jahr. Der langjährige Lebensgefährte von Klaus Geitel, Rodney Geitel, der Interviewpartner Günter Pick und die Autorinnen werden anwesend sein. 
 
Im Anschluss an diese Filmpremiere gibt es die Gelegenheit alle bisherigen Porträts unseres Projekts “ZEUGEN DES TANZES” gleichzeitig an verschiedenen Schauplätzen innerhalb des Tanzfilminstituts noch einmal zu sehen. 
 
 
ZEUGEN DES TANZES: Günter Pick trifft KLAUS GEITEL 
 

Klaus Geitel, geb. am 14. August 1924 in Berlin – Sohn eines Fahnenfabrikanten, preußisch – streng und einer musischen, weltoffenen Mutter. Warum er ein „Abenteurer auf Schnüffelkurs durch die Schönen Künste“, durch Konzertsäle, Opernhäuser, Theater, Museen wurde, das weiß Klaus Geitel auch nicht – es war so von Kindesbeinen an.  

 

Geitel wurde Musik- und Tanzkritiker: 15.000 Kritiken, zehn Bücher, Aufsätze, Radio, Fernsehen, Moderationen. An Geitel kam bald niemand mehr vorbei und seine Wohnung in Berlin Wilmersdorf wurde zu einem beliebten Treffpunkt für die Musik- und Tanzszene. 

Dort haben wir den 91 jährigen am 18. Dezember 2015 besucht. Er hatte sich Günter Pick als Gesprächspartner gewünscht. 

 

Klaus Geitel konnte in seiner Kritik schonunglos sein und trotzdem war er Teil der großen, internationalen Künstlerfamilie und half wo er konnte. Er verstand sich als Vermittler zwischen ihrer Kunst und dem Publikum. Der nachfolgenden Kritikergeneration war diese Nähe suspekt, sie setzte auf analytische Schärfe und blieb lieber auf Abstand. Geitel war „Kritiker aus Liebe.“ Aus Liebe zur Kunst. Sechs Monate nach unserem Besuch starb der Grandseigneur der Kritik, der Weltreisende und Champagnerliebhaber Klaus Geitel im Alter von 91 Jahren – und mit ihm eine Epoche der Ballettkritik. 

Claudia Henne 

 

Gefördert von TANZFONDS ERBE – Eine Initiative der Kulturstiftung des Bundes  

 

 

 

 

 

 

 

19:30 – 21:00 Uhr im Deutschen Tanzfilminstitut Bremen, Forum am Wall, Am Wall 201, 28195 Bremen. Eingang von der Ostertorstraße aus, links neben Bäckerei. Tel. 0421 240 550 

SusanneLinkeSW TANZSALON 14: ZEUGEN DES TANZES – Norbert Servos trifft SUSANNE LINKE (Filmpreview)

Biographien Filmvortrag Veranstaltungen Deutsches Tanzfilminstitut Bremen Bremen D 10.4.2017, 20 Uhr 00:38 h

 

Ein Film von Heide-Marie Härtel und Irmela Kästner, 40 Minuten

Gefördert von TANZFONDS ERBE – Eine Initiative der Kulturstiftung des Bundes 

 

In Anwesenheit von SUSANNE LINKE  

 

Wir freuen uns sehr, Susanne Linke am kommenden Montag im Deutschen Tanzfilminstitut begrüßen zu können. Schauen Sie mit uns die bereits kommentierte Preview-Fassung unserer letzten Produktion, die wir gemeinsam mit mit der Bremer Filmfirma fact und film, Bremen erarbeitet haben.  

 

Susanne Linke leitete von 1994 bis 2000 Bremer Tanztheater, teils in Kooperation mit Urs Dietrich. Mit Soli wie ”Im Bade wannen“, wurde sie seit den 1980er Jahren zu einer der prominentesten Vertreterinnen des Deutschen Tanztheaters.

1944 geboren, studierte sie bei Mary Wigman in Berlin und an der Folkwang Hochschule in Essen. Sie tanzte 1970-73 beim Folkwang Tanzstudio und am Rotterdamse Dans Center. Zusammen mit Reinhild Hoffmann leitete sie von 1975-85 das Folkwang Tanzstudio. Heute leitet sie die Tanztheatercompagnie am Stadttheater Trier und tourt weiter weltweit.  Der Film zeigt Ausschnitte aus ihren ersten Choreographien bis zu ihren jüngsten Produktionen am Stadttheater in Trier.                          

 

20 Uhr im Deutschen Tanzfilminstitut Bremen, Forum am Wall, Am Wall 201, 28195 Bremen. Eingang von der Ostertorstraße aus, links neben Bäckerei. Tel. 0421 240 550  

 

Gefördert von TANZFONDS ERBE – Eine Initiative der Kulturstiftung des Bundes 

Joachim Schlömer | Foto: Bettina Stöß Joachim Schlömer

Biographien

Joachim Schlömer | © Foto Bettina Stöß

Joachim Schlömer, geboren 1962, der ursprünglich vom Tanztheater kam, hat mittlerweile über 80 Choreografien, Opern und Theaterstücke kreiert beziehungsweise inszeniert. Er studierte Architektur und Tanz an der Folkwang Hochschule in Essen, wo er auch zu choreografieren begann.

1988 tanzte er am Theater La Monnaie in Brüssel, Belgien. Zwei Jahre später gründete er eine eigene Compagnie. Von 1991 leitete er das Ballett am Theater Ulm, wechselte 1994 ans Tanztheater Weimar.

Ab 1996 übernahm er die Leitung des Tanztheaters Basel, wo er die Grenzen zwischen Tanz, Oper und Schauspiel aufzulösen begann. Mikhail Baryschnikov beauftragte ihn mit drei Choreografien für sein White Oak Dance Project.

Seit 2001 arbeitet Schlömer freiberuflich als Choreograf und Regisseur – für die Salzburger Festspiele und das Burgtheater Wien, Österreich, für das Staatstheater Köln und für das Opernhaus Stuttgart.

Zu seinen bekanntesten Stücken gehören “Und in der Ferne die Nacht” zu Bachs Goldberg Variationen, “Hochland oder Der Nachhall der Steine” and “La Guerra d’Amore” zu Musik von Claudio Monteverdi.

 

(Gabriele Wittmann)

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Institutionen:

Folkwang Tanzstudio, Essen


Bühnenwerke / Videoclips:

Chor. Avantgarde | Joachim Schlömer

Gisela Peters-Rohse | Foto: Bettina Stöß Gisela Peters-Rohse

Biographien

Gisela Peters-Rohse | Foto © Bettina Stöß

Gisela Peters-Rohse wurde 1938 geboren und erhielt ihre tänzerische Berufsausbildung in der modern ausgerichteten Tanzschule von Lola Rogge in Hamburg. Sie tanzte an mehreren deutschen Stadttheatern und bildete sich parallel dazu europaweit in den verschiedensten Tanztechniken weiter.

Seit 1967 arbeitete sie gemeinsam mit ihrem Ehemann Kurt Peters, dem Begründer des Deutschen Tanzarchivs Köln, als Tanzjournalistin, insbesondere für die monatlich erscheinenden Hefte „Das Tanzarchiv“.

Ab 1970 leitete sie die Abteilung Kinderballett und das Pädagogik-Seminar für Kindertanz an der Rheinischen Musikschule, Konservatorium der Stadt Köln. Von 1986-2001 war sie Dozentin für Labans Raum- und Bewegungslehre, Improvisation und Folkloretanz sowie Kindertanz-Pädagogik am Institut für Bühnentanz der Hochschule für Musik und Tanz Köln.

Über ihr pädagogische Arbeit hinaus wurde sie mit vielen bemerkenswerten Choreografien für Kinder bekannt und entwickelte eine eigene Unterrichtskonzeption und -methodik, die sie seit ca. 10 Jahren auf Einladung verschiedenster Ausbildungsstätten in Peking, Moskau, Leningrad, Singapur, Brasilien und in der Schweiz lehrt.

 

(Pressestelle Peters-Rohse)

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Institutionen:

Deutsches Tanzarchiv Köln

Irina Pauls | Foto: Bettina Stöß Irina Pauls

Biographien

Irina Pauls | Foto © Bettina Stöß

Irina Pauls, geboren 1961 in Leipzig, erhielt ihre Tanzausbildung an der Palucca Schule Dresden. Danach absolvierte sie ein Choreografiestudium an der Theaterhochschule “Hans Otto” in Leipzig. 1985-89 war sie als Ballettmeisterin und Choreografin am Landestheater Altenburg engagiert.

1990 übernahm sie die Leitung des neugegründeten Tanztheaters am Schauspiel Leipzig, für das sie bis zu dessen Auflösung 1998 insgesamt 15 Uraufführungen schuf. Gastchoreografien erarbeitete sie für Kompanien anderer Theater, so z.B. das Schauspiel Essen, das Deutsche Nationaltheater Weimar und das Bayerische Staatsschauspiel München.

1998-99 war sie Direktorin des Tanz Theaters am Staatstheater Oldenburg. Sie schuf auch freie Arbeiten für nicht-theatrale Räume, u. a. für das Grassi-Museum und die Glashalle der Neuen Messe in Leipzig.

Seit der Spielzeit 2000/01 leitet sie die Kompanie TanzTheater Irina Pauls am Theater Heidelberg.

 

(Presseabteilung Pauls)

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Institutionen:

Palucca Schule Dresden

Amanda Miller | Foto: Bettina Stöß Amanda Miller

Biographien

Amanda Miller | Foto © Bettina Stöß

Humorvoll, weitgehend abstrakt, hoch musikalisch und tief verwurzelt in der Philosophie: Ein verzwickt verspieltes postmodernes Vokabular kennzeichnet die Arbeit der Choreografin Amanda Miller, die 1986 aus William Forsythes Frankfurter Ensemble hervorgegangen ist.

Geboren wurde sie 1962 in Chapel Hill, USA, sie studierte klassischen und modernen Tanz in ihrer Heimatregion an der North Carolina School of Arts und später in New York. Anschließend tanzte sie in Compagnien wie dem Chicago Lyrical Ballet. 1980 kam sie wegen eines Engagements an der Deutschen Oper Berlin nach Deutschland. 1984 wechselte sie nach Frankfurt, wo sie nach nur zwei Jahren zur Choreografin in residence avancierte. 1992 gründete sie ihre Compagnie „Pretty Ugly“.

Sie arbeitete freiberuflich bis sie mit ihrer Compagnie 1997 einen Kooperationsvertrag mit dem Staatstheater Freiburg einging – eine Kooperation, die damals als ein Modell für neue Wege in der Tanzproduktion in Deutschland galt.

Mit Arbeiten wie „Four for Nothing“ tourte Miller durch Europa, Amerika, Indien und Japan.

 

(Gabriele Wittmann)

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Personen:

William Forsythe

 

Susanne Linke | Foto: Bettina Stöß Susanne Linke

Biographien

Susanne Linke | Foto © Bettina Stöß

Eine Badewanne umkreisend, den Rand mit der Hand entlang fahrend, den Rücken in weitem Bogen abwechselnd vor und zurück biegend: Mit Soli wie ”Im Bade wannen , wurde Susanne Linke seit den 1980er Jahren zu einer der prominentesten Vertreterinnen des Deutschen Tanztheaters.

1944 geboren, studierte sie bei Mary Wigman in Berlin und an der Folkwang Hochschule in Essen, tanzte 1970-73 beim Folkwang Tanzstudio und am Rotterdamse Dans Center. Zusammen mit Reinhild Hoffmann leitete sie von 1975-85 das Folkwang Tanzstudio.

1970 hatte sie begonnen zu choreographieren und tourte seit 1981 ausgiebig, mit Soloarbeiten wie „Flut“ und mit Gruppenstücken wie „Ruhr-Ort“. Sie choreographierte Stücke für die José Limón Company in New York, für das Ballett der Pariser Oper und für das Nederlands Dans Theater.

Von 1994 bis 2000 leitete sie das Bremer Tanztheater, teils in Kooperation mit Urs Dietrich. 1999 kreierte sie zusammen mit Reinhild Hoffmann das Duett „Über Kreuz“, in dem beide die Ursprünge ihrer jeweiligen Bewegungssprache offen legten. Heute choreographiert und unterrichtet sie freiberuflich in der ganzen Welt.

 

(Gabriele Wittmann)

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Institutionen:

Bremer Tanztheater

Folkwang Tanzstudio, Essen


Themen:

Deutsches Tanztheater


Bühnenwerke / Videoclips:

Im Bade wannen | Chor.: Susanne Linke, 1980

Johann Kresnik | Foto: Bettina Stöß Johann Kresnik

Biographien

Johann Kresnik | Foto © Bettina Stöß

Den Körper in den Kampf werfen: Ein Zitat des italienischen Filmregisseurs Pier Paolo Pasolini erklärte der Choreograph Johann Kresnik zu seinem Motto.

In den 1970ern begann er seine Karriere, stieg mit Arbeiten von hoch symbolischer, politisch motivierter, physisch anspruchsvoller wuchtiger Körpersprache schon bald zu einer der leitenden Choreographen im deutschen Tanztheater auf.

1939 wurde er in Österreich geboren, studierte Theater und Tanz bis zu seinem ersten Engagement in Bremen 1959. 1960 wurde er in Köln als Tänzer engagiert, wo er bis 1968 ein Repertoire von George Balanchine oder John Cranko tanzte. 1968 wurde er zum Direktor des Bremer Tanzensembles ernannt, wo er im Zuge des Krieges in Vietnam Stücke wie “Kriegsanleitung für Jedermann” oder eine eigene Version von “Schwanensee”, angesiedelt in der Welt eines brutalen kapitalistischen Konkurrenzkampfes, kreierte. Ab 1979 leitete er das Tanztheater in Heidelberg, wo er erste Stücke auf der Basis von Biographien, beispielsweise “Sylvia Plath”, choreographierte.

Zurück in Bremen ab 1989, kreierte er dort Meisterwerke wie seine Arbeit über die deutsche Terroristin “Ulrike Meinhof”. 1994 wechselte er an die Volksbühne Berlin. Seit 2003 arbeitet er mit seinem Ensemble am Staatstheater Bonn. Bislang hat er über 30 Choreographien geschaffen.

 

(Gabriele Wittmann)

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Institutionen:

Bremer Tanztheater


Themen:

Deutsches Tanztheater


Bühnenwerke / Videoclips:

Familiendialog | Chor.: Johann Kresnik, 1979

Ulrike Meinhof | Chor.: Johann Kresnik, 1990

Wendewut | Chor.: Johann Kresnik, 1993

 

Anna Huber | Foto: Bettina Stöß Anna Huber

Biographien

Anna Huber | Foto © Bettina Stöß

Seit den 1990er Jahren hat Anna Huber ihre ganz spezifische choreografische Sprache entwickelt. Fragil jedoch mit äußerster Klarheit bewegt sie sich zwischen Ebenen von Bedeutung, bespielsweise in ihrem Stück „in zwischen räumen“.

1965 in Zürich, Schweiz, geboren, studierte sie von 1985 bis 1988 Tanz beim ch-tanztheater. Drei Jahre arbeitete sie als Tänzerin in der Schweiz, in Deutschland und Österreich und für das Tanztheater Cottbus. Später tanzte sie bei Choreografen wie Susanne Linke, Julyen Hamilton, Kazuo Ohno, Mark Tompkins, Saburo Teshigawara, Meg Stuart, Jo Fabian and Helena Waldmann. Heute arbeitet sie in der Schweiz und in Berlin, entwickelt vor allem Soli und Duette wie “Beizeiten”, tanzt mit und gegen die rauhe Steinfassade einer Therme oder trifft auf der Suche nach gemeinsamen und nicht gemeinsamen Orten in “L’autre et moi” den taiwanesischen Tänzer Lin Yuan Shang.

Ihre Stücke wurden in ganz Europa, Asien und Lateinamerika gezeigt. Sie erhielt zahlreiche Preise. 1998 wurde sie von dem Magazin “ballet-tanz” als Nachwuchschoreografin des Jahres genannt und erhielt 2000 den Hans-Reinhart-Ring, die höchste Theaterauszeichnung der Schweiz.

 

(Gabriele Wittmann)

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Bühnenwerke / Videoclips:

Choreografische Avantgarde | Anna Huber

Henrietta Horn | Foto: Bettina Stöß Henrietta Horn

Biographien

Henrietta Horn | Foto © Bettina Stöß

In einer Mischung aus modernem Ausdruckstanz und folkloristischen Elementen vereint die Choreografin Henrietta Horn ein weites Spektrum: Ihr düsteres „Solo“ zeigt die Einsamkeit, Tisch und Stuhl sind die einzigen Partner. Ihr amüsantes „Der Hahn ist tot“ ist eine Revue mit Videomontagen.

Geboren 1968, beinhaltete ihre erste Ausbildung 1987 bis 1992 vor allem den sogenannten „Elementaren Tanz“ an der Sporthochschule in Köln. Aus dem Studium ging eine Tanzgruppe hervor, mit der sie ihre ersten Choreografien erarbeitete. 1992 bis 1996 setzte sie ihr Studium an der Folkwang Hochschule in Essen fort. Währenddessen kreierte sie weiter ihre eigenen Arbeiten. 1999 ernannte man sie zur Co-Direktorin des Folkwang Tanzstudios, zusammen mit Pina Bausch

Sie tourte in Deutschland und international, ließ sich von Ländern wie Indien oder Brasilien inspirieren. Die europäische Folklore bestimmt weitgehend ihr frühes Stück „Diu Vallende Suht”, das sich um den Veitstanz dreht, und die Tänzer in einem Zustand scheinbaren Kontrollverlustes über die Bewegung ihre Glieder zeigt.

Eines ihrer bekanntesten Stücke ist „Auftaucher“, in dem die Tänzer Bewegungen kombinieren und variieren ähnlich den Musikern in einer Jazz-Improvisation.

 

(Gabriele Wittmann)

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Institutionen:

Folkwang Tanzstudio, Essen


Themen:

Deutsches Tanztheater


Bühnenwerke / Videoclips:

Chor. Avantgarde | Henrietta Horn

Reinhild Hoffmann | Foto: Bettina Stöß Reinhild Hoffmann

Biographien

Reinhild Hoffmann | Foto © Bettina Stöß

Der Auftritt in ihrem „Solo mit Sofa“, in einem langen Abendkleid, gefesselt an eine Couch, machte Reinhild Hoffmann 1977 zu einer der bedeutendsten Choreographinnen im deutschen Tanztheater.

Geboren 1943 begann sie 1965 mit dem Studium an der Folkwang Hochschule in Essen. Kurt Jooss und Jean Cébron gehörten zu ihren Lehrern. 1970 tanzte sie im Ensemble von Johann Kresnik am Theater Bremen. 1974 begann sie als Ko-Leiterin des Folkwang Tanzstudios, zusammen mit Susanne Linke, selbst zu choreographieren.

1977 ging sie zum Choreographiestudium nach New York, kehrte im Jahr darauf zurück, um die Leitung des Bremer Tanztheaters, zeitweise zusammen mit Gerhard Bohner, zu übernehmen. Acht Jahre blieb sie in Bremen, choreographierte nebenbei für ihre eigene Kompanie, mit der sie auch auf Tournee ging.

Vier Mal wurde sie während der 1980er Jahre zum bedeutendsten Theaterfestival in Deutschland, dem Berliner Theatertreffen, eingeladen und hatte damit eine Qualität im Tanz erreicht wie bis dahin einzig die berühmte Pina Bausch. Für annähernd eine Dekade ging sie 1986 mit ihrem Ensemble nach Bochum. Zahlreiche Preise wurden ihr für ihre Arbeit verliehen.

Seit 1996 choreographiert und inszeniert sie vornehmlich Opern.

 

(Gabriele Wittmann)

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Institutionen:

Bremer Tanztheater

Folkwang Tanzstudio, Essen


Themen:

Deutsches Tanztheater


Bühnenwerke / Videoclips:

Callas | Chor.: Reinhild Hoffmann, 1983

Föhn | Chor.: Reinhild Hoffmann, 1985

Solo mit Sofa | Chor.: Reinhild Hoffmann, 1977

Daniel Goldin | Foto: Bettina Stöß Daniel Goldin

Biographien

Daniel Goldin | Foto © Bettina Stöß

Nach seiner Ausbildung zum Schauspieler und Tänzer in Buenos Aires und dem Besuch zahlreicher Meisterklassen kam der 1959 geborene Argentinier Daniel Goldin 1987 nach Deutschland. Er wurde Mitglied im Folkwang Tanzstudio und tanzte als Gast beim Tanztheater Wuppertal (unter der Leitung von Pina Bausch).

Zwischen 1993 und 1996 arbeitete Daniel Goldin als freier Tänzer und Choreograph und ist seit der Spielzeit 96/97 Tanztheaterleiter der Städtischen Bühnen Münster. Seine choreographische Laufbahn begann Daniel Goldin 1982.

Goldins Arbeiten weisen ihn als Grenzgänger zwischen den Kulturen aus: seine Choreographien sind beeinflusst von seiner südamerikanischen Herkunft, seiner ukrainisch-jüdischen Vorfahren und seiner Arbeit in Deutschland.

Sein Stil ist wesentlich geprägt durch den Deutschen Ausdruckstanz, den er durch die Mary Wigman-Schülerin Renate Schottelius in Argentinien kennenlernte. Durch die Studien im Folkwang Tanzstudio erweiterte er sein stilistisches Repertoire um den unverkennbaren Folkwang-Stil. Seine Körpersprache hat etwas zutiefst Menschliches, sie drückt Empfindungen und Gemütszustände in aller Natürlichkeit aus.

 

(Presseabteilung Goldin)

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Institutionen:

Folkwang Tanzstudio, Essen


Themen:

Deutsches Tanztheater


Bühnenwerke / Videoclips:

Choreografische Avantgarde | Daniel Goldin

William Forsythe | Foto: Bettina Stöß William Forsythe

Biographien

William Forsythe | Foto © Bettina Stöß

Ein kritischer Anarchist, der das Ballett als technische Orientierung und eher als Parodie denn als kulturelles Paradigma gebraucht. Dennoch hat der Choreograf William Forsythe dieser Kunstform in Deutschland nach 1980 zu einem neuen Höhepunkt verholfen. 1949 in New York geboren studierte er Theaterwissenschaft, bildende Kunst und Mathematik bevor er an der Joffrey Ballet School zum Tänzer ausgebildet wurde. 1973 kam er zum Stuttgarter Ballett, wo er von 1976-81 auch choreografierte. 1984 wurde er Leiter des Ballett Frankfurt, das er mit Stücken wie „Artifact“, „Limb’s Theorem“ oder „Kammer/Kammer“ zu internationalem Ruhm führte. Daneben kreierte er Arbeiten für Ballettcompagnien in Paris, München, San Francisco, New York. Die meisten seiner ingesamt mehr als 100 Choreografien sind komplexe Arbeiten, die Strukturen von Bewegung und Gesellschaft offen legen und dabei Ebenen des Theaters und des Tanzes sowie Fragen über Philosophie, Liebe, Wahrnehmung, Geschlecht, Medien, Film, Literatur – wissenschaftliche und auch Belletristik – Rock ’n’ Roll, Musical und auch wie in „Alie/na(c)tion soziale Belange wie Fremdenhass aufwerfen. Seine fortschreitende Erforschung von Bewegung führt das Ballett immer weiter über eine bisherige Neoklassik oder Laban Einflüsse hinaus.

 

(Gabriele Wittmann)

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Themen:

Tanz und Medien


Bühnenwerke / Videoclips:

Tanz in die Freiheit | William Forsythe in Hellerau

Urs Dietrich | Foto: Bettina Stöß Urs Dietrich

Biographien

Urs Dietrich | Foto © Bettina Stöß

Choreograph, Tänzer. Seine Bewegungen sind physisch inspirierend, seine Themen sind kritische Reflektionen unserer Zeit in einer Bildsprache, die mit zunehmender Verdichtung eine Poesie des Raumes entfaltet. Auf der Basis der Tradition des Tanztheaters und des deutschen Ausdruckstanzes hat Urs Dietrich seit Beginn der 1980er Jahre zahlreiche Solo- und Gruppenstücke kreiert. 

Geboren wurde er 1958 in Visp in der Schweiz, wo er zuerst Textildesign studierte. Von 1981 – 85 studierte er anschließend Tanz an der Folkwang Hochschule in Essen und später dann in New York.

1988 begann er freiberuflich als Tänzer und Choreograph zu arbeiten, tourte dabei durch ganz Europa, Asien, Indien, Nord- und Südamerika. Soloarbeiten wie „Da war plötzlich … Herzkammern“ oder „An der Grenze des Tages“ wurden vom Hebbel Theater Berlin produziert.

Von 1994 – 96 leitete er das Bremer Tanztheater zusammen mit seiner Mentorin Susanne Linke. Von 2000 – 2007 war er alleiniger Leiter der Bremer Compagnie. Er hat zahlreiche Preise gewonnen, wie 2004 den Deutschen Kritiker Preis.

 

(Gabriele Wittmann)

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Institutionen:

Folkwang Tanzstudio, Essen

Bremer Tanztheater


Themen:

Deutsches Tanztheater


Bühnenwerke / Videoclips:

Persona | Chor.: Urs Dietrich, 2003

Choreografische Avantgarde | Urs Dietrich

 

Gerhard Bohner | Foto: Deutsches Tanzarchiv Köln Gerhard Bohner

Biographien

Gerhard Bohner | Foto © Deutsches Tanzarchiv Köln

Tänzer, Choreograph. Als eine der wenigen Persönlichkeiten, die im Nachkriegs-Deutschland noch auf die Grundlagen des deutschen Ausdruckstanzes vertraute, kreuzte der Choreograph Gerhard Bohner diesen mit dem klassischen Tanztraining, das er bei Tatjana Gsovsky kennen gelernt hatte.

1936 in Karlsruhe geboren hatte er dort und später in Berlin im Studio von Mary Wigman Tanz studiert. Nach anfänglichen Engagements in Mannheim und Frankfurt tanzte er 10 Jahre an der Deutschen Oper Berlin, wurde dort 1964 zum Solisten ernannt.

Zur selben Zeit begann er zu choreographieren und machte sich mit Arbeiten wie “Spannen-Abschlaffen” und “Die Folterungen der Beatrice Cenci” unter Mitwirkung von Tänzerinnen wie Sylvia Kesselheim und Marion Cito einen Namen. Daneben widmete er sich der Neuinterpretation des berühmten “Triadischen Balletts” von Bauhaus-Mitglied Oskar Schlemmer, indem er Bewegung und Linie in Frage stellte.

Von 1972-1975 leitete er das Tanztheater in Darmstadt und von 1978-1981, zusammen mit Reinhild Hoffmann, dasBremer Tanztheater.

Ab 1981 arbeitete er freiberuflich in Berlin, wo er 1992 starb. Zweimal wurde ihm der Deutsche Kritikerpreis verliehen.

 

(Gabriele Wittmann)

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Institutionen:

Akademie der Künste Berlin


Themen:

Bildende Kunst und Tanz


Bühnenwerke / Videoclips:

Bilder einer Ausstellung | Chor.: Gerhard Bohner, 1981

Die Dinge in meiner Hand | Chor.: Gerhard Bohner, 1979

Foto: “Pina Bausch” by Frederico Novaro Pina Bausch

Biographien

Pina Bausch | © Frederico Novaro | CC-BY-NC-SA 4.0

Wenn es ein Synonym für das Deutsche Tanztheater gibt, dann ist es der Name Pina Bausch. Seit den 1970ern hat sie mit ihrer berühmten Compagnie mehr als eine Generation von Choreografen mit ihrem besonderen Arbeitsansatz beeinflusst: Sie stellt ihren Tänzern Fragen, um somit emotional aufgeladenes Bewegungsmaterial aus dem alltäglichen Leben zu erhalten.

1940 geboren, studierte sie von 1955 bis 1962 Tanz in den USA und an der Folkwang Schule in Essen. Sechs Jahre tanzte sie anschließend beim Folkwang Ballett unter dem berühmten Choreografen Kurt Jooss. Nachdem sie bereits eigene Arbeiten kreiert hatte, wurde sie 1969 Leiterin des Folkwang Tanzstudios.

Seit 1973 leitet sie nunmehr ihre eigene Compagnie, das Tanztheater Wuppertal, das durch ausgiebige Tourneen weltbekannt geworden ist. Von ihren frühen Stücken sind „Cafe Müller“, in dem sie selbst tanzt, und „Kontakthof“, das sie später mit älteren Laientänzern aus ihrer Heimatstadt rekonstruiert hat, am bekanntesten.

Sie erhielt zahlreiche Preise und hat insgesamt mehr als 50 abendfüllende Stücke kreiert, zuletzt oftmals inspiriert durch eine spezifische fremde Kultur, die sie für eine jeweilige Arbeit vor Ort erforschte.

 

(Gabriele Wittmann)

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Institutionen:

Folkwang Tanzstudio, Essen


Themen:

Deutsches Tanztheater