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Hier finden Sie eine Chronologie über die bisher online erfassten Termine des Instituts.

Tanztraining und analoger Film. Foto: Deutsches Tanzfilminstitut Bremen Kommunikation. Von der Depesche bis zum Tweet. Die Bremer Archive und Radio Bremen [Ausstellung]
Ein facettenreiches Bild der technischen, gesellschaftlichen oder sprachlichen Veränderungen unserer Kommunikation aus der Sicht Bremer Archive.
Ausstellungsbeteiligung Arbeitskreis Bremer Archive Untere Rathaushalle; Eröffnung am 3.3.2020 um 17.00 Uhr D Vom 4.3. bis 12.3.2020 täglich 11.00 bis 19.00 Uhr

“Die Bremer Archive präsentieren Schätze aus ihren Beständen: Briefe, Fotos, Filme, Interviews, Langspielplatten, Plakate, Radiomitschnitte, Telegramme und unterschiedlichste Exponate zum Thema „Kommunikation“. Das Spektrum reicht vom US-amerikanischen Sender AFN, Kirchenfunk und Campusradio über den Künstler und Musiker John Cage bis zu Werder TV und hin zu Satelliten in der Raumfahrt. Wie in einem Kaleidoskop entsteht ein facettenreiches Bild der technischen, gesellschaftlichen oder sprachlichen Veränderungen unserer Kommunikation in den vergangenen 100 bis 200 Jahren.

 

Die Ausstellung richtet einen besonderen Blick auf das kulturelle Erbe der Stadt und des Landes Bremen. Sie wird ergänzt durch überregionale und internationale Themen. Der Erhalt und die Verfügbarmachung des Kulturgutes zählen zu den wesentlichen Aufgaben der vielfältigen und vielschichtigen Archivlandschaft im Bundesland Bremen.

Hierbei bezieht der Arbeitskreis Bremer Archive auch Initiativen und Sammlungen mit ein, deren Bestand und fachlicher Gehalt von wissenschaftlichen Einrichtungen noch kaum wahrgenommen und bearbeitet wurde. Die Ausstellung ist somit auch ein Angebot für neue Ideen und Vorhaben.”

 

Ein abwechslungsreiches Veranstaltungsprogramm rahmt die Schau.

 

Arbeitskreis Bremer Archive

 

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“Tanz und Film – Symbiose zweier Genres” titelt der Ausstellungsbeitrag des Deutsche Tanzfilminstituts Bremen. Illustriert wird Heide-Marie Härtels Beitrag zu Enstehungszusammenhang und Entwicklung des Tanzfilms und der gegenseitigen Durchdringung von Tanz und Film durch Fotos, Filmausschnitte und historische Kostüme sowie filmtechnisches Equipment aus dem umfangreichen Bestand unseres produzierenden Archivs.

 

Vorschau:
Der Tanzsalon 29 zeigt ” Das Tanzfilminstitut im Umbruch”. Die Veranstaltung beginnt am 10. März 2020 um 20.00 Uhr im Rahmen der Ausstellung und zeigt den kommenden Schritt für Europas größtes produzierendes Tanzfilmarchiv auf.

Giants Probenfoto © Marianne Menke On the shoulders of giants.
Von Helge Letonja / of curious nature.
Dreharbeiten Theater Bremen, Kleines Haus Bremen D Premiere, 27.2.2020 um 20:00 Uhr

“If I have seen further, it is by standing on the shoulders of giants.”
(Isaac Newton)

 

Im Rahmen des von TANZPAKT Stadt-Land-Bund geförderten zweijährigen Projektes TanzRAUM Nord kooperiert das Theater Bremen mit dem Ensemble Of Curious Nature, einer neuen 10-köpfigen Kompanie unter der künstlerischen Leitung der Choreografen Helge Letonja (Bremen) und Felix Landerer (Hannover). Das Projekt versteht sich als Stärkung der freien Tanzszene im Nordwesten und möchte in der gemeinsamen künstlerischen Arbeit zwischen Bremen und Hannover neue Impulse und Dynamiken erzeugen. Ausgehend von dem kulturgeschichtlichen Gleichnis der Zwerge auf den Schultern von Riesen setzen sich Helge Letonja und Of Curious Nature in der ersten Produktion des neuen Ensembles mit der Fortentwicklung von Gesellschaften auseinander. Wie bewusst sind uns die Verbindungslinien zwischen Gegenwart und Vergangenheit, zwischen aktuellem Kulturschaffen und den Erfahrungen und Traditionen, auf denen diese fußen? Liegt der Schlüssel zur Weitsicht in der Wertschätzung und Bewusstwerdung der Fundamente und Errungenschaften auf denen wir aufbauen? Wie sehr schränken uns diese im Denken und Handeln ein? Gemeinsam richtet das Ensemble den Blick auf persönliche Wahrnehmungen, Umwelt und Gesellschaft. Zu Kompositionen von Simon Goff und Lynn Wright und mit körperlicher Vehemenz und Wandlungsfähigkeit entsteht ein künstlerischer Referenzraum über die moderne Verfasstheit einer komplexen Welt.

 

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Das Team des Deutschen Tanzfilminstitut Bremen freut sich, die Premiere gemeinsam mit Médoune Seck filmisch zu dokumentieren.

 

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Gefördert von TANZPAKT Stadt-Land-Bund aus Mitteln der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien, Niedersächsisches Ministerium für Wissenschaft und Kultur, Kulturbüro der Landeshauptstadt Hannover, Stiftung Niedersachsen, Senator für Kultur Bremen, Theater Bremen, Karin und Uwe Hollweg Stiftung.

Foto: Arne Gutknecht TANZSALON 28: TanzRAUM Nord mit dem neu gegründeten Ensemble “of curious nature”
Anlässlich des Bühnendebüts von „of curious nature“ sind Helge Letonja, Felix Landerer und Tänzer*innen der Produktion zu Gast und berichten über Ziele, Ideen und Visionen des neuen Ensembles und die Zusammenarbeit.
Veranstaltung Deutsches Tanzfilminstitut Bremen Bremen D 10. Februar 2020 um 20.00 Uhr

Ein Tanzentwicklungskonzept für den Nordwesten

 

Das durch TANZPAKT Stadt-Land-Bund geförderte, bundesländerübergreifende
Tanzentwicklungskonzept TanzRAUM Nord unter künstlerischer Leitung der international etablierten Choreografen Helge Letonja (Bremen) und Felix Landerer (Hannover, Niedersachsen) setzt sich die Stärkung des Tanzes als Ensemblekunst und der lokalen Tanzszenen in Bremen und Hannover zum Ziel.

 

Im Produktionsverbund mit dem Theater Bremen und dem Schauspielhaus Hannover sowie zahlreicher weiterer freier sowie städtischer Partner und Bühnen entsteht ein breitgefächertes Netzwerk dem Tanz zugewandter Akteure.

 

Herzstück des Gesamtprojektes ist das neu gegründete Ensemble of curious nature, das mit Projektauftakt die Bühne der zeitgenössischen Tanzszene betritt. OCN – of curious nature vereint 10 herausragende Tänzerpersönlichkeiten, die im Aufeinandertreffen und der gemeinsamen künstlerischen Arbeit neue Impulse und Dynamik zwischen Bremen und Hannover entfalten.

 

Über die Spielzeiten 2019-2021 entstehen insgesamt acht abendfüllende Produktionen, die in Bremen, Hannover und weiteren Städten der Region gezeigt werden. Dabei wird das Ensemble sowohl mit den künstlerischen Leitern, als auch mit lokalen und internationalen Gastchoreograf*innen in einen gemeinsamen Schaffensprozess treten.

 

Die erste Uraufführung und das damit einhergehende Bühnendebüt des Ensembles wird am 27. Februar 2020 im Theater Bremen, Kleines Haus zu sehen sein: On the shoulders of giants in der Choreografie von Helge Letonja.

 

Ein umfassendes Tanzvermittlungsprogramm ist fester Bestandteil des Gesamtkonzeptes zur Stärkung des Tanzraums Nordwest. Bühnenformate und Vermittlungsprogramme werden für verschiedene Kontexte, Spielstätten und diverse Zielgruppen in und jenseits der Metropolen entwickelt und adaptiert mit besonderem Augenmerk auf Publikumsentwicklung.

TanzRAUM Nord läd dazu ein, die zeitgenössische Tanzkunst hautnah zu erleben. Neben den Bühnenproduktionen entstehen im Projektverlauf verschiedene Formate, die das Publikum und diverse Zielgruppen zum Entdecken, Austauschen und Mitmachen anregen/animieren.

 

Gefördert von TANZPAKT Stadt-Land-Bund aus Mitteln der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien, Niedersächsisches Ministerium für Wissenschaft und Kultur, Der Senator für Kultur Bremen, Landeshauptstadt Hannover Kulturbüro, Stiftung Niedersachsen, Theater Bremen, Karin und Uwe Hollweg Stiftung. Unterstützt von: Wirtschaftsförderung Bremen.

 

Tanzsalon # 28: TanzRAUM Nord mit dem Ensemble „of curious nature“
Einmal im Monat lädt das Deutsche Tanzfilminstitut Bremen zum Tanzsalon ein, um über Neuigkeiten aus der lokalen und überregionalen Tanzszene zu berichten.

 

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Der TANZSALON 28 beginnt am Sonntag, 10. Februar 2020, um 20:00 Uhr im Deutschen Tanzfilminstitut Bremen, im Forum am Wall, Am Wall 201, 28195 Bremen. Eingang von der Ostertorstraße aus, links neben Bäckerei. Tel. 0421 240 550

Foto Tim Gerhards TURRITOPSIS DOHRNII
Ein choreografisch-gesellschaftlicher Diskurs.
Dreharbeiten etage°, Bremen Herdentorsteinweg 37 D 8. Februar 2020 um 20 Uhr

 

“Marion und Ziv sind in einer besonderen Situation. Sie haben einst als Tänzer:innen des deutschen Tanztheaters die Kunstwelt geprägt. Sie waren die Avantgarde. Heute hat sich das Tanztheater gewandelt und auch sie haben sich verändert: Sie sind alt geworden. Das geht schnell bei Tänzer:innen; ihre Karrieren sind aufgrund der hohen physischen Anforderungen in der Regel kurz.

 

Turritopsis Dohrnii ist eine Parabel für ein gesamtgesellschaftliches Problem. Alle wollen und müssen jung sein. Wer diese Vorgabe nicht (mehr) erfüllen kann, fällt durch das Raster. Allein die Quallenart Turritopsis Dohrnii hat die Fähigkeit, ihren biologischen Lebenszyklus umzudrehen und sich quasi zu verjüngen. Marion und Ziv betreiben eine performative Studie über das Altwerden. Sie reflektieren Vergangenes und Gegenwärtiges. Sie bringen die Gegenwart in die Vergangenheit und ihre Jugend ins Heute.”

 

Premiere am 8.2.2020 um 20 Uhr in der etage°
Weitere Vorstellungen:
13.3.2020 um 20.00 Uhr im Theater Bremen, Ballettsaal
29.3.2020 Festival RAW Spezial – Fechtclub Bremen-Nord

 

Von und mit: Marion Amschwand, Ziv Frenkel
Choreografie: Tim Gerhards

 

Infos und Ticket: timgerhards.de/turritopsisdohrnii

 

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Das Team des Deutschen Tanzfilminstituts Bremen dokumentiert die Premiere.

Foto: Daniela Buchholz >>made in Deutschland – BauHaus<< G. Grollitsch / F. Aimar
Tanz - präsentiert von steptext dance project in Koproduktion mit tanzbar_bremen
Dreharbeiten Schwankhalle - Bremen D 31.1.2020 um 20 Uhr

“In unseren Häusern, in Dingen des täglichen Lebens, in unserer Gesellschaft hat die Bauhausschule nachhaltig Eindrücke hinterlassen.
›Wie werden wir wohnen, wie werden wir siedeln, welche Formen des Gemeinwesens wollen wir erstreben?‹ (Walter Gropius, 1924)

Welche Antworten finden wir heute auf diese Fragen? Sind ungewohnte künstlerische und gesellschaftliche Positionen aktuell akzeptiert? Werden sie aktiv gesucht und unterstützt? Wie können neue Ideen und Impulse aus Kunst, Kultur und Gesellschaft Anstoß für Veränderung politischer Systeme bringen? Mit einer Suche nach wandelbaren Formen macht sich ›gemeinsam BauHaus‹ (AT) auf den Weg, diesen Geist in soziale Körper des 21. Jahrhunderts zu tragen.”

 

PREMIERE
am FR 31.01. um 20.00 Uhr
weitere Vorstellungen
SA 01.02. + DO 06.02. + FR 07.02.
jeweils 20 Uhr

 

Produktion: steptext dance project in Koproduktion mit tanzbar_bremen e.V. Gefördert von Aktion Mensch.

 

Mit freundlicher Unterstützung durch die Waldemar Koch Stiftung und die Stiftung Sparda-Bank Hannover.

 

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Das Team des Deutschen Tanzfilminstituts Bremen freut sich, die Produktion filmisch zu dokumentieren.

 

Foto: Julia Scha╠êfer die apokalyptischen tänzer*innen >Banana Island<
Performance
Dreharbeiten Bremen, Schwankhalle D 16.1.2020 um 20.00 Uhr

›Während wir langsam beginnen zu schälen, entblößen wir das Spannungsfeld zwischen Popkultur und Gewaltherrschaft.‹

 

Die Banane ist eines der wichtigsten und beliebtesten Lebensmittel weltweit. Sie ist Protagonistin kolonialer und neo-kolonialer Verbrechen sowie rassistischer und sexistischer Zuschreibungen. Gleichzeitig ist sie Filmstar, Comedian, Kunst und politische Waffe. In ›Banana Island‹ befragt das Kollektiv die apokalyptischen tänzer*innen die glamouröse Erscheinung der Banane und kontextualisiert die in ihr vereinten Gegensätze.

 

Banana Island ist eine Zukunftserzählung, die Europa und den Westen als Teil, aber nicht als Zentrum einer sich, abseits von wirtschaftlichen Interessen, verbindenden Welt versteht. Für dieses Vorhaben stellen wir die Banane in den Mittelpunkt unserer Erzählung. Eine Frucht, die durch all ihre Widersprüche und, in ihrem Namen verübten, Verbrechen exemplarisch für eine neo- koloniale Welt und für rassistische und sexistische Zuschreibungen und Übergriffe steht, die aber gleichzeitig seit ihrem Auftauchen im Westen auch immer mit Widerstandsbewegungen verknüpft ist. Wir begeben uns auf den Weg zu neuen Narrativen und der Entschlüsselung kolonialer Mechanismen, Dependenzen und der Selbstinszenierung von „White Guilt“.

 

Weitere Informationen unter www.apocalypse.dance

 

CREDITS

Gefördert vom Senator für Kultur Bremen, dem Kulturamt der Stadt Stuttgart, der GLS Treuhand
Koproduktion: Freischwimmen – Plattform für Performance und Theater. In Kooperation mit der Schwankhalle Bremen und Theater Rampe.

 

Begleitend zur Premiere ihrer Performance ›Banana Island‹ laden die apokalyptischen tänzer*innen vom 9.-19.1.2020 zum PROLOG ein.
Gemeinsam mit vielen Gästen vertiefen sie wissenschaftliche, dokumentarische und künstlerische Perspektiven rund um die Banane. Im Fokus stehen Kolonialismus, Welthandel, Rassismen und Repräsentation.

 

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Das Team des Deutschen Tanzfilminstituts Bremen wird die Premiere filmisch dokumentieren.

Gert Weigelt. copyright: Weigelt TANZSALON 27: Tanzpreis 2019 an Gert Weigelt – Ehrungen für Jo Parkes und Isabelle Schad

Veranstaltung Deutsches Tanzfilminstitut Bremen Bremen D 10.12.2019 um 20.00 Uhr

Die Neuorientierung des Deutschen Tanzpreises unter dem Dachverband Tanz Deutschland sorgte für viel Wirbel in der Tanzszene. Hatte sich der Preis unter ihrem verdienstvollen  Erfinder Ulrich Roehm doch zu einem Event der ästhetisch oft allzu gleichen Art entwickelt. Insbesondere die Verdienste von Choreographen und Tänzern im Bereich des klassischen  Tanzes wurden hier ausgezeichnet.    

 

Nach dem Neustart 2018 mit dem Preis an eine der wichtigsten Unterstützerinnen der Freien modernen Tanzszene des Landes, an Nele Hertling von der Akademie der Künste Berlin, wagt sich der Dachverband im zweiten Jahr, den Preis mit einer Tagung zum Thema “Ethik im Tanz” zu  kombinieren, – ein neues Feld der öffentlichen Debattezu einem Thema, das im Dachverband Tanz seit langem  diskutiert und jetzt in den Kontext des Preises gestellt wurde.    

 

Weitere Infos zum diesjährigen Preis sind in dem Beitrag Tanzpreis 2019 an Gert Weigelt auf unserer Homepage zu finden.

 

Das Deutsche Tanzfilminstitut berichtet im Tanzsalon von diesem wichtigen Tanzevent, das es mittlerweile 19 Mal filmisch begleitet hat.

 

Der Tanzsalon findet am Dienstag, 10.12.2019 um 20.00 Uhr
im Deutsches Tanzfilminstitut Bremen statt.
Am Wall 201 / Forum am Wall
Eingang Ostertorstraße links neben der Bäckerei.

 

Ikarus. Foto: Marianne Menke YOUNG ARTISTS: IKARUS – Flying High
Fr. 6.12. (UA), Sa 7.12. + DI 10.12., jeweils 20 Uhr sowie Mo 09.12. + Mi 11.12., jeweils 11 Uhr, Schulvorstellungen
Dreharbeiten young artists / steptext dance project Bremen, Schwankhalle D 6.12.2019 um 20.00 Uhr

In ihrer neuen Produktion nehmen die young artists unter der künstlerischen Leitung von Augusto Jaramillo Pineda den Mythos des Ikarus in den Blick. Wie weit spiegeln die Motive des jugendlichen Helden, der seinen Höhenflug mit dem Leben bezahlt, heutige Wirklichkeiten? Wo enden mutige Risikobereitschaft, vitale Neugier, ungebremste Abenteuerlust und wo beginnen gefährliche Überschreitungen sinnvoller Grenzen? Ob die Suche nach dem ultimativen Kick oder Anerkennung oder spontaner, überschäumender Leichtsinn – das junge Ensemble spürt vielfältigen Inspirationen nach und verknüpft sie mit Bewegungsimpulsen aus dem Parkour-Sport zu energiegeladenem Tanztheater.

 

Das Team des Deutschen Tanzfilminstituts Bremen freut sich, die Produktion von young artists filmisch zu dokumentieren.

TANZ – Archiv – FILM. Lecture für NaturKultur e.V. Erasmus +

Seminar Deutsches Tanzfilminstitut Bremen Bremen D 29.11.2019

“The stage is yours!” ist ein Theater-Film Seminar organisiert von NaturKultur e.V., in dem junge Erwachsenen aus Europa, die Norddeutschland für ein freiwilliges kulturelles Jahr besuchen, vielfältige Erfahrungen machen können. 36 junge Menschen aus Griechenland, Kroatien, Spanien und Deutschland bearbeiten in dem Sieben-Tage-Workshop mit den Methoden der darstellenden Künste, Performance und Film (Kameraführung und Schnitt), die Themen Diskriminierungserfahrungen und Self-Identity. Die Ergebnisse werden in einer Vorstellung präsentiert.
Dieses intensive Programm erfährt Ergänzung durch eine Videolecture im Deutschen Tanzfilminstitut Bremen, in der die künstlerische Leiterin Heide-Marie Härtel das Themenfeld von TANZ und FILM mit der Schnittstelle Archiv entfaltet. Künstlerischer Tanz, dokumentarischer Film, Filmkunst – es wird ein weites Feld umrissen. Im Anschluss entwickelt sich ein intensiver Austausch über die Bedeutung des Bewahrens flüchtiger künstlerischer Momente, wie sie besonders im künstlerischen Bühnentanz vorzufinden sind, durch das Medium Film.

Bombe spricht. Foto: bodytalk Bombe spricht – bodytalk + Kaet Dance Ensemble
Von Yoshiko Waki und Rolf Baumgart
Dreharbeiten bodytalk Münster, Pumpenhaus D 27.10.2019

Was, wenn Granaten ein Gewissen hätten? Sich entscheiden könnten, nicht zu explodieren?

 

BOMBE SPRICHT geht von einem realen Anschlag aus. 1970, auf dem Flughafen München, wurde der Transitbus einer israelischen El-Al-Maschine attackiert. Passagier Arie Katzenstein warf sich schützend auf eine der Handgranaten. Und rettete mit dem eigenen Tod das Leben vieler anderer. Dieses Tanztheaterstück mit Live-Musik spürt dem selbstlosen suicide bomber nach – und erzählt die Geschehnisse aus der Perspektive der Mordwaffe. Es dehnt sich die Sekunde, die vom Ziehen des Abzugs bis zur Detonation vergeht. Zur explosiven Ewigkeit.

 

Das Münsteraner Ensemble bodytalk kooperiert hier erstmals mit der Jerusalemer Gruppe Between Heaven and Earth. Die besteht ausschließlich aus orthodoxen Tänzern. Und begeisterte das Publikum jüngst beim Festival „Flurstücke“. Gemeinsam fragt das deutsch-israelische Team, ob eine Bombe sich ihrer Bestimmung entziehen kann. Und vielleicht als Vorbild taugt.

 

Von / mit Chanania Schwarz, Charlotte Goesaert, Erik Zarcone, Eyal Ogen, Kornelia Maria Lech, Lukas Zerbst, Yuval Azoulay, Ziv Frenkel, Angelika Fink, Lara Hohmann, Lennart Aufenvenne, Momoko Baumgart, Rolf Baumgart , Ronen Izhaki, Yoshiko Waki Koproduktion mit dem Theater im Pumpenhaus (Münster), Machol Shalem Dance House (Jerusalem), Asphalt Festival (Düsseldorf) Gefördert durch das Ministerium für Kultur und Wissenschaft NRW, die Kunststiftung NRW, das Kulturamt der Stadt Münster, Pathos (München), Generalkonsulat des Staates Israel in München

 

Das Team des Deutschen Tanzfilminstituts Bremen freut sich sehr, dieses Tanztheaterstück filmisch zu dokumentieren.

Deutscher Tanzpreis 2019.  PACT Zollverein - Isabelle Schad ©Raduenzel Tanzpreis 2019 an Gert Weigelt
Tanzfotograf Gert Weigelt ausgezeichnet/ Ehrungen für Jo Parkes und Isabelle Schad
Dreharbeiten Dachverband Tanz Deutschland Essen - Aalto-Theater und PACT Zollverein D 18. und 19.10.2019

 

Der Deutsche Tanzpreis 2019 ging in diesem Jahr an den weltweit bekannten Tanzfotografen Gert Weigelt. Die Verleihung des ebenso traditionsreichen wie auf Innovation bedachten Preises fand am 19. Oktober im Rahmen einer hochkarätigen Tanz-Gala im Aalto-Theater Essen statt. Für ihr Schaffen geehrt wurden zudem die Tanz- und Videokünstlerin Jo Parkes sowie die Tänzerin und Choreografin Isabelle Schad, die bereits am Vorabend auf PACT Zollverein im Rahmen der Tagung POSITIONEN: TANZ ihre Urkunden entgegennehmen konnten.

 

Die Gala nahm – wie es bereits in den letzten Jahrzehnten Markenzeichen des Preises war – künstlerische Beiträge unter Bezugnahme auf die Arbeit der Preisträger*innen in den Fokus und bot dem Publikum ein gefeiertes Programm mit internationalen Gästen.

 

Mit dem Staatsballett Berlin, mit den Essener Philharmonikern, dem Ballett am Rhein Düsseldorf-Duisburg, Het Nationale Ballet Amsterdam und dem Bayerischen Junior Ballett München, mit Lutz Förster, Marlúcia do Amaral, Iana Salenko und Daniil Simkin wurden Kompanien und Tänzerpersönlichkeiten von Weltrang präsentiert und mit Choreografien und Arbeiten von George Balanchine, Pina Bausch, Sharon Eyal, Laurent Goldring , Hans van Manen, Jo Parkes, Isabelle Schad, Martin Schläpfer und Xin Peng Wang wurde der Bogen von der Neoklassik über Tanztheater und Moderne bis zum freien zeitgenössischen Tanz und partizipativen Projekten geschlagen.

 

Das Deutsche Tanzfilminstitut Bremen freut sich, die Veranstaltung mit ihrer hochkarätigen Tanz-Gala zu dokumentieren.

In Memoriam - Gedenkveranstaltung im Kulturni Dom Bleiburg/Pliberk. Foto: Kirsten Tiedemann In Memoriam JOHANN KRESNIK (1939-2019)
Beisetzung und Gedenkveranstaltung in Bleiburg/Kärnten am 4. und 5. Oktober
Veranstaltung Bleiburg, Kärnten Österreich 3. und 4. Oktober 2019

 

Am 27. Juli 2019 ist der weltbekannte Choreograph Johann Kresnik verstorben.

 

“Johann Kresnik hat mit seinem Choreographischen Theater Tanzgeschichte geschrieben und damit auch das Theater insgesamt verändert. Immer fühlte er sich dem Auftrag  des politischen Künstlers verpflichtet, aus dem dieser – um es mit Heiner Müller zu sagen: solange es Herren und Sklaven gibt, nicht entlassen ist. In Kärnten geboren zog er wie ein Peer Gynt in die Theaterwelt hinaus. 2009 setzte Hans Kresnik in seiner Heimat Bleiburg ein Zeichen: “Auf uns kommt es an!” ist der Titel unseres Stücke und Auftrag an uns weiterhin.”

Christoph Klimke

 

Am Samstag, 5. Oktober 2019 findet in Kresniks Heimat Bleiburg/Pliberk die Gedenkveranstaltung „In Memoriam-Johann Kresnik“ statt.

 

Um 16.00 Uhr wird im Werner Berg Museum im ersten Obergeschoss eine Kabinett-Ausstellung mit zahlreichen Zeichnungen und choreographischen Skizzen von Johann Kresnik, sowie eine Dokumentation des 2009 in Bleiburg uraufgeführten Kresnik-Stückes „Jura Soyfer – Auf uns kommt es an“ eröffnet.

 

Der in der Ausstellung gezeigte Kurzfilm von Lisa Huber portraitiert Johann Kresnik in seinem Heimatort St. Margarethen bei Bleiburg.

 

Zur Ausstellungseröffnung spricht Gottfried Helnwein, langjähriger künstlerischer Wegbegleiter und Freund von Hans Kresnik.

 

Musik: Janez Gregorič / Arthur Ottowitz
Moderation: Raimund Grilc

Eröffnet wird die Ausstellung von Landeshauptmann Dr. Peter Kaiser.

 

Im direkten Anschluss an die Ausstellungseröffnung findet ab 18 Uhr in Zusammenarbeit mit dem CCB – Center for Choreography im Kulturni Dom Bleiburg/Pliberk  die offizielle Gedenkfeier mit einer Tanzperformance von Ismael Ivo sowie Beiträgen u.a. von Anna Hein, Christoph Klimke, Zdravko Haderlap, MoPZ Foltej Hartman, Thomas Nečemer  sowie ImpulsTanz Festival Wien statt.

 

Das Deutsche Tanzfilminstitut Bremen nimmt gemeinsam mit WegbegleiterInnen aus Bremen in Gedenken an den herausragenden Theatermann Hans Kresnik an der Gedenkveranstaltung teil.

 

Hans Kresnik in Bremen 1977/78 Spagat und Kommunismus – Nachruf auf Hans Krensik von Moritz Rinke [Weser-Kurier]
Der Choreograf und Regisseur Johann Kresnik wurde am 4. Oktober in Bleiburg/Kärnten bestattet. Moritz Rinke erinnert sich im Weser-Kurier an ihn. Wir zitieren seinen Beitrag hier.
Tafi-Info Weser-Kurier Bremen, Bleiburg/Kärnten Österreich D 4.10.2019

“Als ich Kind war, hielten die meisten meiner Freunde Bud Spencer für den stärksten Mann der Welt. Manchmal fiel noch der Name Supermann oder Pippi Langstrumpf, aber für mich gab es nur einen, einen Freund meiner Mutter, der hieß Hans, eigentlich Johann, Johann Kresnik.

 

Johann Kresnik war kein Filmheld, sondern Tanztheatermann. In der Küche hängt immer noch ein Bild, auf dem er als Tänzer im Grand Jeté, einem atemberaubenden Spagatsprung, durch die Luft fliegt, wie Supermann. Sein Oberkörper ist dabei fast viereckig vor lauter Muskeln.

 

„Sie sind ja ein Berg!“, so hatte ihn meine Mutter im Theater des Intendanten Kurt Hübner in Bremen angesprochen, wo Kresnik ab 1968 als Choreograf zusammen mit Regisseuren wie Zadek oder Fassbinder ein anderes Theater machte. „Ich komme auch aus den Bergen!“, hatte er mit kräftiger Stimme geantwortet. Er war auch der erste Kommunist, den ich kannte. Ich wusste zwar nicht, was das ist, verband aber seit Kindertagen einen Kommunisten mit Stärke, mit Grands Jetés, sogar bei uns im Garten, und immer neuen Liebesfreundinnen.

 

Einmal besuchten ihn mein Vater und ich in den Theaterferien in St. Margareten in Kärnten, wo Kresnik geboren worden war und jetzt auch beerdigt wird. Er zeigte uns den Platz vor dem Haus, wo slowenische Partisanen vor seinen Augen seinen Vater erschossen hatten. Zum ersten Mal hörte ich den Berg ganz leise sprechen, und mir fiel auf, wie klein er war, er war kein großwüchsiger Mann. Er saß still auf einer Achse eines Anhängers, er wirkte plötzlich wie ein Kind, und ich konnte mir nicht vorstellen, dass man so etwas erlebt. Und ich verstand auch, was er eine Zeit lang in der heilen Traumwelt des Balletts gesucht hatte, auch wenn er immer behauptete, er sei Tänzer geworden, um den Frauen nahe zu sein.

 

Diese Tragik. Sein Vater war gerade zur Wehrmacht eingezogen worden, er war auch Kommunist gewesen, wie die Partisanen der slowenischen Befreiungsfront, die mit roten fünfzackigen Sternen auf ihrer Kopfbedeckung gegen die Besatzungsmächte Deutschland und Italien kämpften.

Kresnik hatte in seiner ganzen späteren Theaterarbeit mit großer Wut gegen diese grausame Kriegsszene vor dem Haus seiner Kindheit angekämpft: „Kriegsanleitung für Jedermann“, „Die Nibelungen“ „Paradies?“„Ein Stück über das Attentat auf Rudi Dutschke“, „PIGasUS“, „Familiendialoge“, später Titel wie „Macbeth“, „Ernst Jünger“, „Gründgens“. Ich sah fast alle seine Stücke und ihn dabei immer traurig auf der Achse des Anhängers vor dem Haus sitzen. Jahre später änderte sich unser Verhältnis, ich wollte jetzt selbst zum Theater und assistierte bei ihm. Ich glaube, er fand es schade, dass ich nicht mehr das Kind aus dem Garten war, sondern jetzt, etwas zu breitbeinig auf dem Stuhl sitzend, wie er empfand, Kommentare über seine Proben abgab. Vielleicht war es das, ich fand sein Theater zu kämpferisch, zu eindeutig, zu agitierend. Wir entfernten uns.

 

Zwei Wochen nach seinem Tod saß ich nun bei den Salzburger Festspielen im Publikum, wo er als Österreicher nun einmal inszenieren durfte („Peer Gynt“). Um mich herum saßen zurechtgepuderte und verschönte Menschen, wie ich es in der Übertriebenheit noch nie gesehen habe. Überall Protz, Gehabe, Geld, Geld, Geld, die Kunst wirkte nur noch wie ein Anlass für die eigentliche Show. Ich rutschte immer mehr auf meinem Sitz zusammen und bekam Sehnsucht nach jener Kärntner Kraft, nach diesem kämpferischen Mann, nach diesem Kommunisten, der im Grand Jeté durch unseren Garten bis ins Gewissen dieser Salzburgmenschen springt.”

 

Moritz Rinke

 

Der Autor

wurde 1967 in Worpswede geboren und lebt als freier Autor in Berlin. Er schreibt Theaterstücke und Romane. In seinem Bestseller „Der Mann, der durch das Jahrhundert fiel“ befasste er sich mit der NS-Vergangenheit Worpswedes. Johann Kresnik lernte er bereits als Kind kennen.”

 

Quelle: Weser-Kurier 04.10.2019, Seite 24

tanz, Oktober 2019 (Titelausschnitt) Urgestein und Solitär – Erinnerung an Hans Kresnik in der Zeitschrift tanz
Die Zeitschrift für Ballett, Tanz und Performance, widmet sich in ihrer Oktober-Ausgabe dem Abschied von Hans Krensik. Eva Elisabeth Fischer, Penelope Wehrli, Christoph Klimke und Yoshiko Waki sowie Heide-Marie Härtel erinnern sich. Hier geben wir den Beitrag von Heide-Marie Härtel wieder.
Tafi-Info Der Theaterverlag Berlin D Oktober 2019

“Die zunehmende Komplexität der Globalisierung entsprach nicht Johann Kresniks Denkschablonen. Die Katastrophen von Welt und Individuen trafen ihn fast filterlos. Seine Reaktionen darauf waren impulsiv bis schonungslos, selten analytisch. Sind das nicht herausragende Eigenschaften eines echten Künstlers?

 

Ich erinnere mich sehr gut, wie ich Studierenden der Anton Bruckner Privatuniversität Linz Videoaufzeichnungen von Kresniks “Ulrike Meinhof”, “Macbeth” und anderen Stücken zeigte. Bei vorangegangenen Vorträgen hatte ich, etwa auf Wunsch der Goethe-Instituts-Leiter in Asien,die krassesten Elemente wie das Zunge-Abschneiden im Schlussteil von “Meinhof” geschwärzt, mutete aber nun gerade diese Szenen den Studierenden zu. Sie reagierten kaum irritiert. Rose Breuss, Leiterin der Studiengangs, erklärte diese hohe Toleranzschwelle mit der österreichischen Tradition des Aktionismus ab den 1960er-Jahren, wie ihn etwa Hermann Nitsch oder Otto Mühl vertraten. Sie verschoben die Grenze dessen, was in Kunst in punkto Gewalt und Obszönität darstellbar war. Für mich öffnete sich da eine neuer Blick auf meinen früheren Chef, Johann Kresnik, den gebürtigen Kärntner.

 

Wie zerrissen muss es sich wohl anfühlen, sich im noch immer feudalen Theatersystem wie eine antiker Titan oder Satyr auszuleben, um quasi im gleichen Atemzug das hohe Lied der Frau als Opfer in Stücken wie “Ulrike Meinhof”, “Sylvia Plath” oder “Frida Kahlo” anzustimmen und glaubwürdig zu beklagen? Kresnik passte gut ins Team des Bremer Theaters, das ab den späten 1970er-Jahren mit dem Regietheater triumphierte, gleichwohl war er auch dessen Antipode. Fokussierten Kollegen wie Peter Zadek, Peter Stein, Rainer Werner Fassbinde ihren Blick auf die innere Substanz eines vorhandenen Theatertextes, so ging es Kresnik in seinem “Choreografischen Theater” mehr um seinen genuin eigenen Kommentar zu gesellschaftsrelevanten Themen, politischen Missständen und daraus folgenden individuellen Katastrophen. Wir Tänzer durften mitgestalten, wenn er Brücken baute zwischen dem Elfenbeinturm Kunst und den politischen Bewegungen, den Studentenunruhen und Woodstock.

 

Kresnik blieb Urgestein und Solitär, seine Arbeit singulär, einem abgesehen von der Arbeit der Choreografin und ehemaligen Kresnik-Tänzerin Yoshiko Waki. Heute sehe ich Kresnik als Barockmenschen, der seine fantastischen inneren Bilder auf die Bühne des 20. Jahrhunderts warf. Die Spannweite seines Interesses glich dabei der Welt des Hieronymus Bosch – vom “Weltuntergangsgericht” über den “Garten der Lüste” bis zu den “Sieben Todsünden”.

 

Wäre dieses Bild nicht tröstlich? Hans sitzt mit dem Philosophen Ernst Bloch auf einem anderen Planeten, und sie spielen, wie zu Lebzeiten, wieder eine Partie Schach miteinander. Dabei diskutieren sie, dass Kunst nicht museal sein dar. Kunst, und damit auch Theater und Tanz, sollte von Anfang an auf eine späteren Tag dat, iert werden, als verberge sich in ihr ein utopischer Überschuss, eine Idee von einer besseren Welt. Ich würde ihnen gerne lauschen, unsere aktuelle politische Lage hätte es nötiger denn je.”

 

Heide-Marie Härtel
Tänzerin bei Hans Kresnik 1971-1978 in Bremen, Gründerin und Leiterin des Deutschen Tanzfilminstituts Bremen, Kulturwissenschaftlerin und Filmemacherin.

 

Veröffentlicht in tanz – Zeitschrift für Ballett, Tanz und Performance im Oktober 2019

Foto: Marianne Menke GEGENPOLE UND ZWISCHENWELT – steptext dance project im TANZLAND WINSEN
Gastpiel mit Einführung von Heide-Marie Härtel
Filmvortrag Kulturverein Winsen Winsen an der Luhe D 12.09.2019 um 19:30 Uhr

Seit seiner Uraufführung 2016 hat steptexts Ensemblestück ZWEI GIRAFFEN TANZEN TANGO – BREMER SCHRITTE, ein Tanzfonds Erbe Projekt, bereits vielerorts begeistert. Nun sind zwei adaptierte Varianten von Helge Letonjas Auseinandersetzung mit der Choreografie des Tanztheaterpioniers Gerhard Bohner von 1980 auswärts zu erleben.

 

Im Rahmen der Kooperation TANZLAND WINSEN hat Letonja Sequenzen aus der Produktion mit dem Ensemble zu einem neuen vielschichtigen Kosmos gefügt: Mit GEGENPOLE UND ZWISCHENWELTEN erwartet das Publikum am 12. September in der Stadthalle Winsen zeitgenössische Tanzkunst, die Alltagsgesten, Unterbewusstes und Humorvolles zu beeindruckenden bewegten Bildern verwebt.

 

Um 19:30 Uhr führt Expertin Heide-Marie Härtel, Leiterin des Deutschen Tanzfilminstituts Bremen, in das Stück und seine Hintergründe ein.

 

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Der Kulturverein Winsen und steptext dance project sehen in ihrer Kooperation eine Chance die zeitgenössische Tanzkunst vor Ort unterschied- lichsten Bevölkerungsschichten und Altersgruppen nahe zu bringen und darüber hinaus nachhaltige Strukturen für Tanzgastspiel, Tanzreflexion und Tanzpraxis zu schaffen. Steptext mit seinen Produktionen, die gesellschaftliche Diskurse tanzästhetisch aufgreifen sowie seinen Netzwerker- und Vermittlungs- kompetenzen, trifft dabei in Winsen auf einen engagierten Partner, der in der Stadt auf vielen Ebenen interagiert und offen ist für neue Impulse. Tanz als Kunstform, die über alle sprachlichen und altersindividuellen Unterschiede hinweg ihr Publikum anspricht steigert dabei als neues und erstmaliges Element im Kulturangebot der Stadt Winsens Attraktivität und trägt dazu bei, ihr Kulturprogramm über die Stadtgrenzen hinweg zu profilieren.

Für Vier. Foto: Theater Bremen Bremer Choreografin Birgit Freitag für FAUST-Preis 2019 nominiert

Tafi-Info Kassel/Bremen D 12.9.2019

Der “Faust” ist unbestritten der renommierteste Theaterpreis in Deutschland. Vergeben wird er unter anderem vom Deutschen Bühnenverein, dem Zusammenschluss aller Theater in Deutschland, und von der Kulturstiftung des Bundes. Jetzt wurden die Nominierungen für dieses Jahr veröffentlicht – und auf dieser Liste steht auch Birgit Freitag: Tänzerin, Choreographin, Festivalmacherin – freischaffende Künstlerin mit einer engen Verbindung zum Theater Bremen. Nominiert wurde sie in der Kategorie “Regie Kinder- und Jugendtheater” für die Produktion “Für Vier” am Theater Bremen; eine Produktion des Moks, also des Jungen Theaters und der Jungen Akteure Bremen.
Sie tritt am 9. November im Staatstheater Kassel gegen zwei weitere Nominierte in der Kategorie „Regie Kinder- und Jugendtheater“ an, teilte der Deutsche Bühnenverein mit.

 

Zur Berufsbiografie der nominierten Künstlerin berichtete der Weser-Kurier: “Birgit Freitag arbeitet seit 1992 als Performerin und Choreografin an der Schnittstelle von Tanz, Theater und weiteren Künsten. Von 1993 bis 2002 war sie Teil der künstlerischen Leitung des internationalen Tanzfestivals TANZ Bremen. Im Jahr 2000 gründete sie die „every friday | dance production“ für spartenübergreifende Projekte. „Eins zu Eins“, ihre erste Eigenproduktion für Bremens Jugendtheatersparte, wurde als eine von zehn herausragenden Inszenierungen zum Festival „Augenblick Mal! 2017“ nach Berlin eingeladen. Die Zeitschrift „Tanz“ benannte Freitag 2017 in ihrem Jahrbuch als Hoffnungsträgerin.” Weser-Kurier 12.10.2019 

 

Das Deutsche Tanzfilminstitut Bremen freut sich sehr mit Birgit Freitag und gratuliert ihr herzlich!

 

Reinhild Hoffmann und Ferenc Barbay. Foto: Pierre Le Page Johann Kresnik ist tot. Ein persönlicher Abschied von Heide-Marie Härtel [tanznetz.de "Schwergewichte"]
"Die traurigste Nachricht für die Tanzwelt kam völlig überraschend ganz am Ende dieser gerade vergangenen Spielzeit. Hans Kresnik, mit korrektem Vornamen Johann, verstarb ganz unerwartet im Alter von 79 Jahren ... Wir werden ihn vermissen, wie strapaziös und irritierend seine provokanten Bilderschlachten auch immer gewesen sein mögen." Nina Hümpel in ihrem Editorial zu "Schwergewichte", dem aktuellen Spielzeitheft Nr. 6 von tanznetz.de
Tafi-Info München D 02.09.2019

Ein persönlicher Abschied von Heide-Marie Härtel.

 

“Hans Kresnik flüchtete aus seinem Geburtsland Österreich, als ihn das Bundesheer einziehen wollte. “Den Körper in den Kampf werfen”,- sein späteres Motto, das wollte er auf den Schlachtplätzen der aktuellen Weltgeschichte nicht. Zu Beginn des Zweiten Weltkriegs als Bauernsohn geboren, war er früh ungewollt zum Zeitzeugen einer grausamen Kriegsmaschinerie geworden. Seinen Vater, Wehrmachtssoldat des schon angeschlossenen Hitlerreichs, erschossen Partisanen als Hans drei Jahre war.

Ob wir noch erfahren werden, warum ausgerechnet Bremen als Fluchtpunkt des jungen Tänzers galt? Im Theater war Bremen damals eher Provinz, auch im Tanzbereich. Es fehlten immer Männer im Ballett, er hätte es sich aussuchen können.

Das Zentrum der westdeutschen Tanzwelt war in den 1960er Jahren nicht Bremen, sondern Köln. Hier wollte man sich abnabeln vom Ruf des sogenannten “Deutschen Ballettwunders” in Stuttgart. Das gelang prächtig. Maurice Béjart, Martha Graham, alle Größen der internationalen modernen Szene gastierten hier und die Sommerakademie bot jedes Jahr 500 TänzerInnen die Chance, die TanzlehrerInnen der Welt kennenzulernen. Kresnik war da und blieb als Tänzer unter der Leitung von Aurel von Milloss, trainiert von Leon Woizikowsky und Peter Appel, der später auch die Kompanieleitung übernahm. In Köln hat das Naturtalent Kresnik seine eigentliche Tanzausbildung erhalten. Hier ist er mir, der Tanzstudentin der Kölner Tanzakademie, aufgefallen. Er war schnell, sprunggewaltig, risikobereit. Seine Double-Touren sollen gerüchteweise das Ergebnis einer Wette um einen Kasten Bier gewesen sein. …”

 

Den vollständigen persönlichen Abschied von Heide-Marie Härtel lesen Sie online mit einem Klick auf Spielzeitheft Nr. 6 “Schwergewichte”, tanznetz.de

QATSI RELOADED
Eine Tanz- Theater- Musik- Performance- Kino Show des theaterSCHLACHTHOF in Kooperation mit Tanz im Lichthaus und der Schule Schaumburgerstraße
Dreharbeiten BLG Forum Bremen D 16.8.2019

Dreizehn junge Bremer*innen erforschen den Film Koyaanisqatsi aus dem Jahr 1981. Der Regisseur Godfrey Reggio zeigt was mit einer Welt passiert in der Maschinen und Technik die Macht übernehmen und wir Menschen nur noch Teil eines außer Kontrolle geratenen Organismus sind.

 

Ohne Worte und begleitet von der Musik von Philipp Glas entstand ein Werk zwischen Dystopie, Zerstörung und unendlicher Schönheit. Was passiert wenn sich junge Menschen zwischen 13 und 18 Jahren diesem Werk aussetzen? Wie hat sich die Welt seitdem entstehen der Bilder des Films verändert? Wo finden wir Orientierungen in einer außer Kontrolle geratenen Welt? KOYAANISQATSI bedeutet in der Sprache der Hopi Indianer Crazy life oder Life out of balance. Damit beschreibt der Film ein gegenwärtiges Gefühl unserer Gesellschaft.

 

Der Tänzer und Choreograf Hakan Sonakalan und die Theater- und Tanzpädagogin Valerie Usov finden zusammen mit jungen Menschen und dem Musiker Riccardo Castagnola Zugänge zu den Themen unserer Gegenwart und übersetzen sie in eine monumentale Bildsprache.

 

Eine Tanz- Theater- Musik- Performance- Kino Show im legendären BLG Forum in der Überseestadt. Finster und hoffnungsvoll.

 

Ort: BLG-Forum, Am Speicher XI 11 28217 Bremen

 

Weitere Aufführungen: 17., 18., 19.08. jeweils um 19.00 Uhr

 

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Das Deutsche Tanzfilminstitut Bremen freut sich, die Premiere filmisch zu dokumentieren.

Hans Kresnik als Tänzer “Kresnik war weit mehr” – Reaktion auf einen Beitrag im Weser-Kurier
Mit ihrem Leserbrief reagiert Susan Barnett, die von 1985 bis 1993 Mitglied im Ensemble von Hans Kresnik war, auf den Artikel "Ist das noch Tanz oder kann das weg?", der anlässlich des Todes Kresniks im Weser-Kurier erschienen war.
Tafi-Info Bremen 13.8.2019

“Als Intendant Kurt Hübner im Jahr 1968 Johann Kresnik nach Bremen holte, suchte er eine neue Tanzrichtung. Im Theater inszenierten Regisseure wie Fassbinder, Gruber, Zadek und Stein wegweisend. Kresniks Idee eines politischen Tanztheaters passte dazu. Er führte das Bremer Tanztheater 1968 bis 1978 und 1989 bis 1994 und blieb dem Theater als Regisseur bis 2007 verbunden.

Künstlerische Virtuosität, direkte, bildreiche, intuitive, unkonventionelle Bewegungssprache, radikales Denken und inhaltliche Kompromisslosigkeit, aufregende Arbeitsweise und Charisma faszinierten und bewegten Darsteller, Publikum und Kritiker. Er beherrschte Komisches wie Tragisches, setzte genial Fragilität gegen Gewalt. Stücke wie “Macbeth”, “Familiendialog”, “Sylvia Plath”, “Ulrike Meinhof”, “Frida Kahlo” und “Wendewut” füllten das Bremer Theater sowie internationale Häuser. Auf dem Edinburgher Festival 1989 bejubelte die Kritik “Macbeth” als stärkste Produktion und Beispiel eines neuen “physical theatre”.

Kresniks Stücke forderten die Auseinandersetzung mit Machtmissbrauch und Korruption, thematisierten die deutsche Vergangenheitsbewältigung. Provokation und Skandale erzwangen den Diskurs. Auf seinem Schaffensgipfel zog er Kritiker aus der gesamten Republik an. In einem Beitrag des WDR 3 zu “Ulrike Meinhof” hieß es 1990: “Dieser Bremer Theater-Triumph gibt sich nur mit dem Äußersten zufrieden. Er ist daher mehr als eine ruppige Ruhestörung, mehr als eine extremistische Erregung.” Mag sich Bremen beim Namen Kresnik auch daran erinnern.”

 

Susan Barnett, Bremen, Ensemblemitglied 1985 bis 1993

Veröffentlicht im Weser-Kurier am 13. August 2019

 

Der Beitrag “Ist das noch Tanz oder kann das weg?” anlässlich des Todes von Hans Kresnik erschien am 29. Juli 2019 und ist im Weser-Kurier online hier verfügbar.

Johann Kresnik | Foto: Bettina Stöß “Er hatte eine irre Energie” – Interview anlässlich des Todes von Johann Kresnik [taz Nord/Bremen]
Johann Kresnik begründete in Bremen nach 1968 modernes Tanztheater. Ende Juli starb er. Zwei Tänzerinnen sprechen über sein Erbe
Interview taz-Nord - Jan Zier Bremen 3./4.7.2019 D

 

taz: Frau Härtel und Frau Davenport, der Tänzer, Theaterregisseur und Choreograf Johann Kresnik ist am 27. Juli gestorben. Ist damit auch das kämpferische, politische Tanztheater tot – oder war es das vorher schon?

 

Heide-Marie Härtel: Er hinterlässt auf jeden Fall eine große Lücke! Ich würde mir sehr wünschen, dass jemand uns als ZuschauerInnen mit dieser Direktheit anspricht, die seine Stücke hatten. Es gibt ja Anlässe und Themen genug! Ich hätte es gut gefunden, wenn er zum Beispiel noch ein Stück gemacht hätte mit den Kids, die bei „Fridays for Future“ auf die Straße gehen. Aber außer der Choreografin Yoshiko Waki sehe ich gerade niemanden, der in seiner Art und Weise arbeitet.

 

Hat sich das überlebt?

 

Jacqueline Davenport: Auf keinen Fall. Heute versuchen das zwar manche – doch bisweilen wirkt es dann plump. Kresnik dagegen hatte die Begabung, diese starken, beeindruckenden Bilder glaubwürdig herzustellen.

 

Kresnik hat im Bremen einst das moderne Tanztheater begründet – er nannte das „choreografisches Theater“. Was ist damit gemeint?

 

Härtel: Es ging ihm weniger darum, einen neuen tänzerischen Stil zu kreieren. Der Fokus lag vielmehr darauf, alle theatralen Mittel für den Tanz zu nutzen und den Tanz als eigenständige Sparte des Theaters zu etablieren.

 

Davenport: Damals sprach man immer noch vom Ballett. Wir waren uns einig: Irgendwann muss das aufhören! Diese Spannung bei Kresnik, bei dem ich mal in Spitzenschuhen und mal in Stiefeln oder barfuß getanzt habe, fand ich enorm gut. Bei der Namensgebung haben wir als Tänzer auch mitgewirkt.

 

War das klassische Ballett in der Krise, als Kresnik 1968 in die Tanzprovinz Bremen kam?

 

Davenport: Ich glaube nicht. Hans, der ein fantastischer Tänzer war und tolle Pirouetten drehen konnte, hatte es einfach satt, immer nur Frauen hochzuheben und über die Bühne tragen.

 

Für ihn war Ballett „handlungsfreier Mist“.

 

Härtel: Nach dem Zweiten Weltkrieg wollte niemand Probleme auf der Bühne sehen. Einige Vertreter des Ausdrucks­tanzes waren auch in den Faschismus eingebunden. Im Zuge der 68er-Bewegung gab es dann dieses Unwohlsein: Das kann nicht alles gewesen sein. Der Bremer Intendant Kurt Hübner hat mit dem Engagement von Zadek, Stein, Fassbinder etc. neue Wege gesucht, dem zu begegnen. Kresnik passte in dieses Konzept.

 

War es ein historischer Zufall, dass gerade hier das modernen Tanztheaters entstand?

 

Härtel: Auf keinen Fall. In Heidelberg, Köln oder Berlin könnte ich mir das in der damaligen Zeit nicht vorstellen. Zudem war Bremen wegen der „roten Uni“ reizvoll. Er hat sich das getraut – und kannte Bremen schon als Tänzer.

 

Mit 29 wurde er hier Ballettdirektor, da war das Theater Bremen etwa im Schauspiel schon voller Ikonen. Wie passte das zusammen?

 

Härtel: Es war nicht so einfach – er ist hier stark gefordert worden, etwas Spezielles zu machen. Er musste liefern. Im Gegensatz zu Pina Bausch, der Arno Wüstenhöfer mehrere Jahre Zeit gegeben hat, das Publikum zu erobern.

 

Davenport: Alle, die damals hier in Bremen am Theater waren, wollten in ihrem Bereich etwas ganz anderes machen.

 

Warum wollten Sie bei ihm tanzen?

 

Davenport: Für mich war spannend, was hier passierte. In Frankfurt, wo ich vorher war, hatte ich ohne Ende den „Nussknacker“ von Tschaikowski getanzt, Kresnik hatte ein großes Charisma. Er hat uns alle mit an unsere Grenzen genommen, schon beim Vortanzen.

 

Härtel: In Köln hatte er 1968 das Stück „Paradies“ gemacht, in dem er das Attentat auf Rudi Dutschke thematisierte. Das war für mich das Stichwort – wir gingen damals auf die Straße, fanden aber die Brücke nicht: Was können wir tun, damit sich der Tanz einmischen kann? Als ich sagte „Ich will zu Kresnik!“ sagten vor allem die eigenen Kommilitonen: „Wofür haben wir so viel klassischen Tanz gelernt?“

 

Damals hieß es „Ballett kann kämpfen!“. War das Ihr Wunsch?

 

Härtel: Meiner in jedem Fall. Aber das war nicht bei jedem so ausgeprägt. Ich ging in meinen Pausen an die Uni, zu Schulungen über Marx’ Kapital. Und nicht zu vergessen: Das war zu Beginn der 70er-Jahre. Mitbestimmungsmodelle hatten auch das Theater erreicht.

 

Er war klar marxistisch geprägt. Hat er diese Haltung auch von seinen TänzerInnen erwartet?

 

Härtel: Nein. Es gab das Gerücht, er hätte Leute nach dem Parteibuch engagiert – aber das glaube ich nicht. Seine Tänzer mussten vor allem ein gutes Handwerkszeug mitbringen.

 

Bergbauernsohn Kresnik war – anders als Sie – nie auf einer Ballettschule und sagte, er habe das nicht gebraucht. Stießen da nicht Welten aufeinander?

 

Davenport: Kresnik war als Tänzer ein Naturtalent und er hatte sehr gute Ballettlehrer. Mir hat er mal erzählt, er ging zum Ballett, weil er näher an den Frauen sein wollte.

 

Seine Stücke waren von großer Wut getragen, oft aggressiv und von Gewalt geprägt. Wie muss man sich da die Zusammenarbeit mit ihm vorstellen?

 

Härtel: Es war oft heftig und auch anspruchsvoll – er hat einem alles abverlangt, man musste viel Mut beweisen. Besonders überzeugend war, dass er die gefährlichen Sachen alle auch selbst vorgemacht hat. Er war unglaublich schnell in der Kreation, er war ein Magnet. Seine künstlerischen Bezugsfelder finden wir eher bei Kurt Jooss, dem Folkwang-Mitbegründer, bei dem sogenannten „roten Tänzer“ Jean Weidt und bei den Wiener Aktionisten wie Otto Mühl oder Hermann Nietsch, nicht in der Ballettentwicklung.

 

Hat er seine TänzerInnen nicht auch mal angeschrieen?

 

Davenport: Sein Fordern war ein Anfeuern. Es ging nicht darum, dabei unsere Grenzen zu überschreiten. Er hatte einfach eine irre Energie!

 

Wie war er privat?

 

Davenport: Er hatte ein riesiges Herz!

 

Härtel: Es hatte natürlich auch eine ganz weiche, zärtliche Seite, gerade mit seinen Kindern.

 

Wie hat das Bremer Publikum damals auf ihn reagiert?

 

Härtel: Es gab viel Buh-Rufe, und Leute, die das ganz schrecklich fanden. Wenn es ihm mal nicht genügend Buh-Rufe waren, wollte Kresnik nach der Premiere zum Applaus manchmal gar nicht noch mal auf die Bühne kommen.

 

Wie reagierten die TheaterkritikerInnen?

 

Härtel: Extrem unterschiedlich und sehr polarisierend. Eine Zeit lang waren wir stolz, wenn wir in ihren Umfragen als „das schlimmste Tanzereignis des Jahres“ geehrt wurden. Die Medienresonanz war groß.

 

Kresnik war der Auffassung: Wenn sich niemand aufregt, hat er was verkehrt gemacht. Wenn das der Maßstab ist, ist heute vieles langweilig.

 

Härtel: Danke! Das muss ich leider bestätigen. Natürlich kann man den heutigen Perfektionismus in der Tanztechnik-Entwicklung sehr genießen! Aber für mich ist es ein Problem, dass es keine Kontinuität in der inhaltlichen Arbeit gibt, wie er sie gemacht hat. Heute ist im Tanztheater vieles verblasst und orientiert sich meines Erachtens zu stark an der bildenden und der Performance-Kunst. Damit verliert der Tanz zu oft die Möglichkeit, den Körper in den Kampf zu werfen.

 

Waren Gewalt, Sex und Obszönitäten in den Stücken je ein Problem für Sie?

 

Härtel: Er hat auch akzeptiert, wenn man Nein gesagt hat. Wir haben zum Beispiel anfangs gesagt: Wir ziehen uns nicht aus auf der Bühne.

 

Davenport: Ich fühlte mich dabei nie benutzt. Es diente ja der Aussage des Stückes.

 

Heute gilt Pina Bausch vielen als Säulenheilige des modernen Tanztheaters, 1973 wurde sie Leiterin der Ballettsparte an den Wuppertaler Bühnen. Wie war das Verhältnis der beiden?

 

Davenport: Sie haben sich gegenseitig respektiert.

 

Härtel: Während Kresnik sich um Themen gekümmert hat, die in Deutschland aktuell waren, waren ihre Arbeiten unpolitischer, dafür anderswo in der Welt besser zu vermitteln.

 

Hat es für das Tanztheater in Bremen noch eine Bedeutung, an diesem Ort zu sein, an dem einst alles begann?

 

Härtel: Es könnte eine haben! Am städtischen Theater machen sie im Tanz zwar künstlerisch sicher wertvolle Dinge, aber es hat kaum noch überregionale Bedeutung für die Sparte. Auch die Kulturpolitik ist sehr zögerlich etwa bei der finanziellen Unterstützung der stark entwickelten freien Tanzszene. Man muss fast betteln, damit alle drei Jahre ein Tanz-Festival stattfindet, das es in Städten vergleichbarer Größe jedes Jahr gibt. Im Ausland wusste man früher viel besser, was hier passierte.

 

IM INTERVIEW

JAQUELINE DAVENPORT
69, erhielt ihre Ballett­ausbildung an der Royal Ballet School in London und kam 1970 als Tänzerin nach Bremen. Ihre erste Kresnik-Produktion war „Kriegsanleitung für jedermann“. 1986 wurde sie Ballettmeisterin am Theater Bremen.

 

HEIDE-MARIE HÄRTEL
69, absolvierte eine klassische Tanzausbildung in Köln – sie kam 1971 ans Theater Bremen – und ein Studium der Kulturwissenschaften. 1988 gründete sie das Deutsche Tanzfilminstitut.

 

Das Interview von Jan Zier lesen Sie in der taz NORD/Bremen “Er hatte eine irre Energie” – Tänzerinnen über Johann Kresnik

 

Foto: Marianne Menke TURBULENCE

Dreharbeiten steptext dance project Bremen / Schwankhalle D 27.6.2019 um 20.00 Uhr

“In der Physik sind Turbulenzen ein Verwirbelungsphänomen und im Gesellschaftlichen stehen sie für Aufruhr. Für Helge Letonjas jüngstes Ensemblestück ist beides Inspiration. Sinnlich vibrierend erforscht seine Choreografie die Kollisionen konträrer Strömungen, in denen sich soziale Dynamiken spiegeln. Im Privaten und Globalen, in großen oder kleinen Kosmen des Miteinanders – allerorts prallen widerstreitende Ideen aufeinander. Wie organisieren sich Gemeinschaften, wenn Gruppen mit unterschiedlichen Haltungen um Deutungshoheit ringen? Mit sieben Tänzer_innen durchleuchtet TURBULENCE die Strukturen solchen Geschehens, holt sie ins Sicht- und Spürbare. Wie wirken variierende Druckverhältnisse, Tempi, Sogkräfte auf die Beteiligten ein? Münden freigesetzte Energien in destruktives Chaos, zukunftsträchtige Mischungen, konstruktive Kompromisse oder schlicht die nächste Konfrontation?”

 

Helge Letonja TURBULENCE

Premiere (UA) am Donnerstag, 27.06.2019, um 20.00 Uhr in der Schwankhalle Bremen

 

Das Deutsche Tanzfilminstitut Bremen freut sich, die Uraufführung filmisch zu dokumentieren.

 

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Konzept I Choreografie: Helge Letonja
Wissenschaftliche Begleitung: Prof. Dr. Albert Baars, B-I-C HSB, und Studierende
Dramaturgie: Anke Euler
Tanz: Kossi Sebastien Aholou-Wokawui, Leila Bakhtali, Oh Chang Ik, Mariko Koh, Vincenzo Minervini, Sophie Flannery Prune Vergères,  Sergey Zhukov
Musik/Komposition: Simon Goff
Kostüme: Rike Schimitschek
Lichtdesign I Technische Leitung: Timo Reichenberger
Produktionsassistenz: Florentine Emigholz, Médoune Seck
ÖA-Text: Maja Maria Liebau

Produktion: steptext dance project 
In Kooperation mit: dem B-I-C Bionik-Innovations-Centrum Hochschule Bremen / Fluiddynamik 
Gefördert von: Fonds Darstellende Künste aus Mitteln der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien, Senator für Kultur Bremen 
Unterstützt von: Waldemar Koch Stiftung

 

Auszug aus dem Flyer zum Symposium "Folkwang Tanz" FOLKWANG TANZ – Video zum Symposium 2017

Veranstaltungs-Dokumentation Folkwang Universität der Künste Essen - Werden / Bremen D Juni 2019

Das Institut für Zeitgenössischen Tanz der Folkwang Universität der Künste lud im Oktober 2017 zum großen Symposium FOLKWANG TANZ – Technik, Haltung, Zukunft. Anlässlich des 90-jährigen Bestehens der Folkwang Universität der Künste zielte das anspruchsvolle Symposium auf eine Auseinandersetzung mit Tanzkunst, Tanztechnik und Tanztheorie.

 

Es wäre eine Sünde, über Bord zu werfen, was wir geerbt haben“, so Kurt Jooss. “Wir müssen es nicht praktizieren, aber wir sollten es in unser Wissen und in unsere Möglichkeiten einbeziehen. Dann können wir auswählen, was wir brauchen, was wir wollen.” Dieses Zitat leitet Idee und Konzeption dieses gelungenen Symposiums von Henrietta Horn und Professor Stephan Brinkmann.

 

Das Deutsche Tanzfilminstitut Bremen hat die gesamte Veranstaltung filmisch dokumentiert und aus dem Material gemeinsam mit Henrietta Horn und Professor Dr. Stephan Brinkmann dieses Video erstellt.

 

Arie Hartog. Foto K. Tiedemann Kulturjuwel Tanzhaus [Leserbrief zur Podiumsdiskussion]
Ein Leserbrief im Weser-Kurier zur Podiumsdiskussion "KULTUR PASSAGE BREMEN - Ein Tanzhaus für die Stadt".
Tafi-Info Bremen 27.5.2019

Ein Tanzhaus sei ein “Kulturjuwel” für Bremen, so sehen es die drei tanzbegeisterten Verfasserinnen eines Leserbriefes an den Weser-Kurier, in dem sie ihre Eindrücke der Podiumsdiskussion schildern und ihre Position zur Initiative für ein Tanzhaus für Bremen deutlich machen.


Kulturjuwel Tanzhaus

 

“Als tanzbegeistertes Publikum waren wir bei der Podiumsdiskussion “Kultur Passage Bremen – ein Tanzhaus für die Stadt” im Gerhard-Marcks-Haus. Auf dem Podium waren Expertinnen und Experten aus dem Bundesgebiet, die von den Erfahrungen mit den von ihnen initiierten Tanzhäusern berichteten. Diese großartige Vision auch in Bremen zu realisieren ist bei den kulturpolitischen Sprechern verschiedener Parteien leider nicht angekommen. Stattdessen favorisieren sie, trotz steigender Haushaltsmittel, weiter das Gießkannenprinzip und missachten so den großen Nachholbedarf der vielfältigen Bremer Tanzszene, die in der Vergangenheit nicht gleichberechtigt mit ihren Künsten gefördert wurde.
Dass eine über die Grenzen hinaus bekannte Tanzszene keine “sozialer Kitt” ist, sondern ein Kulturjuwel und ein wichtiger Wirtschaftsfaktor sein kann, machte Arie Hartog, der Museumsdirektor, in seiner Begrüßung schon deutlich. Als er 1996 in seiner Heimat Niederlande verkündete, nach Bremen zu gehen, hieß es: “Oh ja, Tanz!” Er sei sich nicht sicher, ob die Reaktion heute wieder so ausfiele.
Genau diese Entwicklung hat mit sich gebracht,. dass wir außerhalb von Bremen Tanz anschauen, zum Beispiel in Bremerhaven, Oldenburg, Osnabrück und Münster. Mit einem Tanzhaus in Bremen gäbe es die Möglichkeit, an das historische Erbe des großartigen, über die Stadt hinaus strahlenden Tanztheaters wieder anzuknüpfen. Das wünschen wir uns!”

 

Ulrike Kotthoff, Anka Ristau und Ulrike Garbade, Bremen

 

Der Leserbrief erschien am 27. Mai 2019 im Weser-Kurier.

Foto © M.Menke … das Feuer für den Tanz in Bremen schüren [Presse zur Podiumsdiskussion]
Über die Podiumsdiskussion am 13. Mai 2019 im Gerhard-Marcks-Haus berichtet Martina Burandt für tanznetz.de
Veranstaltung Deutsches Tanzfilminstitut Bremen - steptext dance project - tanzbar_bremen Gerhard-Marcks-Haus, Bremen D 13.05.2019

Über die Diskussion Kultur Passage Bremen – Ein Tanzhaus für Bremen im Gerhard-Marcks-Haus mit prominenten ExpertInnen und Bremer PolitikerInnen auf dem Podium berichtet die Tanzjournalistin Martina Burandt im online-Magazin/Forum tanznetz.de. Hier lesen Sie Auszüge aus ihrem Artikel.

 

TANZSTADT BREMEN!
Hochkarätig besetzte Podiumsdiskussion „RÄUME FÜR DEN TANZ“ will das Feuer für den Tanz in Bremen neu schüren

Martina Burnadt am 24.5.2019 auf tanznetz.de

 

“Die freie Tanzszene Bremen stellt unter der Initiative von Deutschem Tanzfilmsititut Bremen, steptext dance project und tanzbar_Bremen Pläne für ein Tanzzentrum vor.

 

Die freie Bremer Tanzszene träumt von einem Haus für den Tanz. Für die Hansestadt, die als Haushalt-Notlage-Bundesland gilt, mag sich das zunächst utopisch anhören. Doch können Träume wahr werden, wenn sie bedacht und mutig zugleich angegangen werden. Mit dem richtigen Konzept, engagierten ProjektleiterInnen und der passenden Unterstützung durch Politik und Wirtschaft hat sich schon manche kluge Idee zum Zugpferd für eine Stadt entwickelt. Und ist es nicht so, dass bereits die Gebrüder Grimm mit Esel, Hund, Katze und Hahn die Hansestadt für eine Hoffnungsträgerin hielten? Und ist es zudem nicht ein Fingerzeig, dass die ‚furchtlosen Vier‘ ausgerechnet in diesem Jahr ihren 200. Geburtstag feiern?

„Bremen ist eine große Tanzstadt“, stellte Heide-Marie Härtel vom Deutschen Tanzfilminstitut zum Anfang der Veranstaltung fest. „Hier ist das Tanztheater erfunden worden, nicht in Wuppertal.“ Seit Dezember 2018 entwickeln die LeiterInnen des Deutschen Tanzfilminstituts Bremen (das die weltweit größte Tanzvideosammlung betreibt), steptext dance project, (ein international eingebundener Tanzproduzent und Veranstalter) und tanzbar_bremen (anerkannter Vorreiter der Inklusion im Kunstbetrieb) mit weiteren Fachleuten das Konzept „KULTUR PASSAGE BREMEN – Ein Tanzhaus für die Stadt“. Das Projekt entstand als Reaktion auf den Kulturförderbericht der Stadt in Bezug auf den Bedarf von Räumen und Ressourcen für die freie Tanzszene. Dabei soll eine Gesamtstrategie zur Verbesserung der räumlichen Infrastruktur für den Tanz, seiner Sichtbarkeit, Anerkennung und Bedeutung innerhalb der Bremer Kulturlandschaft und weit darüber hinaus verfolgt werden.

Die Zusammenarbeit und Vernetzung zielt auf den gesamten Zyklus der Tanzproduktion von Recherche, Entwicklung, Tanzforschung, Produktion, Präsentation, Vermittlung, Vertrieb, Dokumentation und Archivierung. Langfristig soll dies zu neuen Arbeitsfeldern für Tanzschaffende in Bremen führen und die
gesamte Szene stärken – von Ensembles über EinzelkünstlerInnen, ProduzentInnen, VeranstalterInnen bis hin zu TanzvermittlerInnen. Mit 3600 Quadratmetern wird der Raumbedarf von den Initiatoren beziffert, wobei gemeinschaftlich genutzte Säle, ein Foyer, Backstage-Bereiche, Gästewohnung sowie ein Archiv, ein Vermittlungszentrum, Proben- und Lagerräume eingerechnet wurden. Dabei soll der Hauptteil der Fläche aus einer barrierefreien Bühne, samt tanzspezifischer Ausstattung bestehen.

Bisherige Idee ist es, den jetzigen Standort von steptext dance project und tanzbar_bremen, die Bremer Schwankhalle, um- und auszubauen. Die Kosten dafür werden in einem ersten Entwurf auf 14-18 Millionen Euro geschätzt. Die Personalkosten eines Tanzhauses, dazu gehören Posten wie Betriebsbüro, Hausmeister, Reinigung, berechnet das Entwurfspapier auf rund 180.000 Euro pro Jahr. Der Zeitplan des Projekts ist ehrgeizig; Helge Letonja von steptext sieht das Jahr 2024 als Wunschtermin für den Einzug und den Beginn der Arbeit.

 

Um die Sache professionell voranzutreiben, stellten die AkteurInnen – Heide-Marie Härtel und Hartmut Sebel vom Tanzfilminstitut, Helge Letonja von steptext und Günther Grollitsch von tanzbar_bremen – nun ein Podium mit nationalen ExpertInnen zusammen, das sich am 13. Mai 2019 im Bremer Gerhard-Marcks-Haus traf. Ziel des hochkarätig besetzten Podiums war, das Konzept kritisch auf seine Tragfähigkeit zu überprüfen und ergebnisoffen weiterzuentwickeln. In der Idee, die neben dem professionellen Tanz auch Arbeitsfelder wie Inklusion, forschende Tanzmedizin, Tanzausbildung, Tanz und Schule sowie Stadtteilarbeit beinhaltet, steckt nicht nur für Heide-Marie Härtel eine verheißungsvolle Möglichkeit, an die Bremer Tanztradition mit Namen wie Susanne Linke, Reinhild Hoffmann, Hans Kresnik und Urs Dietrich anzuknüpfen. Die Moderation der Podiumsdiskussion übernahm Michael Freundt, Geschäftsführer des Dachverband Tanz Deutschland. Es diskutierten Nele Hertling (Direktorin der Sektion Darstellende Kunst, Akademie der Künste Berlin), Ann-Cathrin Lessel (Geschäftsführung LOFFT – DAS THEATER Leipzig), Bertram Müller (Mitbegründer und langjähriger Leiter des tanzhaus nrw Düsseldorf), Dr. Elisabeth Nehring (Tanzkritikerin, Journalistin und Koordinatorin des Runden Tisches Tanz, TanzRaumBerlin) und Melanie Suchy (Tanzjournalistin, die an der Folkwang Hochschule Essen lehrt).

68 TeilnehmerInnen aus der Tanz- und Kulturszene sowie aus der Bremer Politik beteiligten sich an der Veranstaltung, der am Nachmittag unterschiedliche Fachgruppentreffen vorausgingen.

 

In der Diskussion mit der Bremer Politik, stellte die Arbeitsgruppe Tanzhaus zunächst fest, dass in Bremen für die freie Szene eine Bühne mit entsprechender Größe für den Tanz fehle. Erst eine Bühnengröße von 14 x 16 Meter entspräche dem Raumbedarf, um größere Arbeiten zu zeigen und eine Sitzplatzkapazität ab 350 Zuschauer sei Voraussetzung dafür, Tanzveranstaltungen kostendeckend und wirtschaftlich zu veranstalten. Die politischen Vertreter würdigten das Engagement der Initiativgruppe und der Tanzszene wie auch die Qualität der Veranstaltung. Auch dass tanzbar_bremen dringend barrierefreie Räume benötige und eine geeignete Bühne für größere Produktionen fehle, wurde als Defizit erkannt. Doch insgesamt tendierten die VertreterInnen von SPD, Grüne und Linke eher dazu, die Raumfrage für die Freie Szene insgesamt in den Blick zu nehmen, um interdisziplinär miteinander arbeiten zu können.

 

Bertram Müller vom tanzhaus nrw, der sich ein Tanzhaus, ähnlich wie die Initiativgruppe, als künstlerisches Powerhaus vorstellt, an dem TänzerInnen, ChoreografInnen und DozentInnen auch ihr Geld verdienen, positionierte sich deutlich gegen das „Gießkannenprinzip“ der Politik. Auch Heide-Marie Härtel schlug vor, einmal die Reihenfolge vor die Gleichbehandlung zu setzen. „Jetzt ist der Tanz mal dran!“, konstatierte sie, während Nele Hertling von der Akademie der Künste, Berlin, herausstellte, dass es dem Tanz leider „noch nicht gelungen ist, die entsprechende Anerkennung innerhalb der Künste wie auch in Gesellschaft und Politik zu bekommen, obwohl diese großartige Kunstform eine integrative und identitätsstiftende Kraft besäße. Und sie fragte weiter, ob Kulturpolitik nicht eine in die Zukunft gerichtete Aufgabe ist und ob es nicht für Bremen eine bessere kulturpolitische Aufgabe sei, den Tanz mit einem Tanzhaus zu stärken, anstatt „in der Breite erst mal Ruhe zu schaffen. [...]

 

Für Bertram Müller ist ein Tanzhaus „eine Antwort auf eine grundlegende Struktur in Deutschland.“ Anders als die subventionierten Staatstheater, seien die „Tanzhäuser fähig, internationale Koproduktionen über Städte hinweg, über Länder hinweg zu koproduzieren, und das ist der Trend in Europa.“ Abschließend bewerteten die geladenen ExpertInnen das vorgelegte Konzept der Initiativgruppe für Bremen positiv und verwiesen auf die Qualität und Dynamik der Bremer Tanzszene. Hier gäbe es gelebte Kooperationen und starke Akteure mit internationaler Vernetzung. Inwieweit sie die politischen VertreterInnen anregen konnten, über die bundesweit wirkungsvolle Kraft eines Tanzhauses nachzudenken, wird sich zeigen.
„Ich bin der Meinung, dass es Sinn macht, in die Zukunft zu denken“, sagte Tanzkritikerin Elisabeth Nehring. „Welches Profil will ich kulturell als Stadt zeigen? Gibt es eine bestimmte Exzellenz, etwas, das über Bremen hinaus strahlt? Und da hat Bremen natürlich eine Menge Vorlage für den Tanz.“
[...] ”

 

Den vollständige Artikel von Martina Burandt lesen Sie auf tanznetz.de – dazu klicken sie hier.