Archiv

Sammlung von Audio- und visuellen Tanzdokumenten
Das Archiv des Deutschen Tanzfilminstituts gibt einen repräsentativen Überblick über den Tanz in Deutschland seit Anfang der 70er Jahre.


Die Begegnung von Tanz und Film – Ein Praktikumsbericht

 

 

Das Tanzfilminstitut: Es ist eigentlich ganz nah und doch so fern, so scheint es. Denn als ich das erste Mal von dem Institut hörte, kam mir nicht in den Sinn, dass es hier in Bremen und dann auch noch direkt nebenan, an einem der vielbesuchtesten Orte der Stadt, liegen würde. Das Deutsche Tanzfilminstitut Bremen befindet sich nämlich im ehemaligen Polizeigebäude, direkt gegenüber der Stadtbibliothek, über den kleinen Restaurants des Wall-Forums im ersten Stock.

Der eine oder andere mag es vielleicht während seines Bibliothekbesuchs bemerkt haben, denn die Glasfront der Bücherhalle zeigt Richtung Institut, das ebenfalls mit Glas versehen ist und somit dazu einlädt, mal einen Blick hinein zu erhaschen. Von außen weist nur die Aufschrift mit Name und Logo auf der Tür neben der Bäckerei darauf hin, dass hier das Institut liegt, das die größten dokumentarischen Filmbestände im Bereich Tanz in Deutschland besitzt.

Den Boden des Instituts betrat ich im Rahmen eines universitären Seminars zum Thema „Tanztheater in Bremen“ das erste Mal. Neben der familiären Atmosphäre, die durch den übersichtlichen Kreis an Mitarbeitern sofort erkennbar wurde, gefielen mir auf Anhieb die verwinkelten Räume und natürlich das Thema des Archivs. Es ist einerseits ein Archiv, andererseits eine Produktionsfirma, sodass ich während meines Praktikums, das ich ein halbes Jahr nach meinem ersten Besuch machte, in beide Arbeitsfelder hineinschnuppern durfte. Ich hatte hier das Glück verschiedene Phasen einer Produktion kennenzulernen, da in meiner Praktikumszeit ein Portrait der bekannten Choreographin und Tänzerin, Susanne Linke, und eine weiteres der Tanzpädagogin, Gisela Peters-Rohse, angefertigt wurden. Interviews transkribieren, Recherchieren, Synchronisieren von Bild und Ton sowie die Begleitung des endgültigen Schnitts waren Aufgaben während der Postproduktion. Doch auch das Rausgehen und selber Drehen gehörte zu meinen Tätigkeiten. In dieser Zeit fand das Festival Tanz Bremen statt, währenddessen wir Generalproben und Aufführungen filmten und ich das eigene Material sogar selbst zusammenschnitt. Dazu unterstützte ich das Archiv, indem ich Datenbankpflege betrieb, bei der Digitalisierung sowie Neusortierung einzelner Mediatheken half und bei der Aufnahme neuer Bestände mitwirkte. Die Tätigkeiten im Tanzfilminstitut sind äußerst vielseitig, wodurch der Lerneffekt sehr hoch ist.

Das Schöne ist, dass das Institut der Bremer Tanzszene offen gegenübersteht, wodurch es keine Seltenheit ist Tanzschaffenden persönlich zu begegnen. Der Tanzsalon, ein monatliches Treffen, bietet eine besonders gute Plattform, um aktuelle Projekte vorzustellen und auch, um in der Vergangenheit schwelgend an bekannte Tanzpersönlichkeiten zu erinnern. Die kreative Leiterin, Filmproduzentin und Gründerin des Tanzfilminstituts, Heide-Marie Härtel, war selber einmal Tänzerin, sodass sie ihre Erfahrungen und ihr Wissen im Bereich Tanz mit dem des Films ideal verbinden kann. Hartmut Sebel ist studierter Kameramann und somit ein guter Ansprechpartner, wenn es um Kameraführung und Schnitt geht. Auch Mirko Sparmann war mir als Praktikantin in Sachen Organisation und Durchführung der Archivarbeit immer offen gegenüber. Die Aufrichtigkeit und Herzlichkeit der festen Mitarbeiter sowie der ehrenamtlichen Kollegen macht es einem letztendlich sehr leicht, eine schöne Praktikumszeit im sogenannten „Tafi“ zu verbringen. „Tanzt, tanzt sonst sind wir verloren“, sagte einst die Tanztheaterpionierin Pina Bausch, dessen Filmplakat von Wim Wenders im Institut natürlich nicht fehlen darf. Die vielen Tanzbilder – Werbeplakate von Premieren, Fotografien verschiedener Tanzszenen oder Portraits unterschiedlichster Tänzer – unterstreichen beim Gang durch die Räumlichkeiten, um was es hier immer gehen soll: Um das Bewahren und Weiterentwickeln von tänzerischen Meisterwerken. Von Marie-Claire Schmarsow

 

 

Marie-Claire Schmarsow machte im März und April 2017 ein Praktikum im Deutschen Tanzfilminstitut Bremen. Nach ihrem Bachelor in “Spanisch” und “Lateinamerika” und verschiedenen journalistischen Praktika studiert sie derzeit “Transnationale Literaturwissenschaft: Literatur, Theater, Film” an der Universität Bremen. “Tanz im Film” wird sie während ihrer Masterarbeit beschäftigen, in der sie die intermediale Beziehung der beiden Künste in den Fokus ihrer Betrachtung stellt. 

Sigurd Leeder TANZSALON 15: Sigurd Leeder/Tanzgeschichte im Verborgenen

Filmvortrag Deutsches Tanzfilminstitut Bremen Bremen D 10. Mai 2017, 20 Uhr

 Tanzgeschichte im Verborgenen – 70 Jahre Sigurd Leeder School of Dance

 

 Obgleich Sigurd Leeder auf tanzgeschichtlich wichtige Tanzschaffende wie Jean Cébron, Hans Züllig, Joan Turner oder Patricio Bunster – und durch die Jooss-Leeder Methode auch auf die Geschichte des Tanztheaters – entscheidenden Einfluss hatte, ist er heute kaum in den künstlerischen und wissenschaftlichen Tanzdiskursen präsent.

Am letzten Wochenende (5. und 6. Mai) fand in Bremen an mehreren Orten ein Symposium über die Arbeit von Sigurd Leeder statt. Die künstlerischen und wissenschaftlichen Beiträge des Symposiums standen im Zeichen einer zeitgemäßen und zukünftigen Auseinandersetzung mit dem Erbe Sigurd Leeders. Dabei lag der Fokus nicht auf historischen Rekonstruktionen von Choreografien Sigurd Leeders, sondern in einem Echo auf den Kern seiner choreografischen Methode. 

 

Rée de Smit, Meisterschülerin von Sigurd Leeder und künstlerische Leitung des Studiengangs Tanz an der Hochschule für Kunst im Sozialen in Ottersberg, hat sich bereit erklärt, Kernbereiche dieses Symposiums den Besuchern des Tanzzsalons in Bremen noch einmal zugänglich zu machen. Sehen Sie erst vor wenigen Tagen für das Symposium freigegebene Videomaterialien aus dem Schweizer Tanzarchiv und erfahren Sie mehr zu den ästhetischen Backgrounds der Geschichte des deutschen modernen Tanzes.

http://www.reedesmit.com/news.htm

 

Beginn um 20:00 Uhr    533_Last-minute-Logo quadratisch

Der Eintritt ist frei.

 

 

 Die Veranstaltung findet im Deutschen Tanzfilminstitut Bremen im Forum am Wall (ehemaliges Polizeihaus), Am Wall 201, 28195 Bremen statt. Der Eingang befindet sich seitlich des Gebäudes in der Ostertorstraße links neben Bäckerei.

                                         Telefon 0421 240 550

 

Logins zu Online-Datenbanken
mit passwortgeschützter Zugangsberechtigung

Das Deutsche Tanzfilminstitut stellt zur Zeit 3 datenbankgestützte Online-Archive mit benutzerdefinierten Zugangsberechtigungen zur Verfügung:


Die online recherchierbaren Inhalte der Datenbank des Deutschen Tanzfilminstituts Bremen


Die Datenbank versteht sich als Instituts-interner Informationspool für Recherchen zu dokumentierten Choreographen, Theatern, Werken und Stilrichtungen. Sie erfasst die vollständige Verwaltung von über 30.000 Einzelelementen, ist aber aus Gründen der Arbeitsüberlastung zur Veröffentlichung unzureichend ausdokumentiert und zur Zeit extern nicht entschlüsselbar. Für Forschungsprojekte und wissenschaftliche Tanz-, Kultur-  und Medienprojekte kann eine zeitlich begrenzte Einsicht vereinbart werden.


    Passwortgeschützer Login zur Datenbank des Deutschen Tanzfilminstituts Bremen

Das Intranet-Portal der National Library DANCE ON DEMAND (DOD) wurde bis 2006 für die größte Bibliothek Asiens in Singapur vom Deutschen Tanzfilminstitut Bremen entwickelt. Es wird darüber hinaus Bibliotheksbesuchern in Singapur (nicht öffentlich)  nur als Einzelnutzer zur Verfügung gestellt.


    Passwortgeschützer Login zu DOD (Dance on Demand)

Die Offline-Version der Internetpräsenz der Choreographin und Tänzerin Susanne Linke wurde (im Gegensatz zur Online-Version) mit einhundert, von der Künstlerin selbst ausgewählten und ausgearbeiteten Videodokumenten ihres Werkes ergänzt.


    Passwortgeschützer Login zum Susanne Linke Archiv

Aus urheberrechtlichen Gründen sind diese Zugangsberechtigungen nur in Ausnahmefällen für Nutzer außerhalb des Mitgliederkreises des Deutschen Tanzfilminstituts Bremen möglich. Ausnahmeregeln werden im Laufe der nächsten Monate, bzw. aufgrund der Komplexität des deutschen Urheberrechts im Laufe der nächste Jahre entwickelt werden.

 

 

 

© Ivan Kmit - Fotolia Datenbank

Sammlung von Audiovisuellen Tanzdokumenten Universität Bremen Bremen D ab 1996

Die Datenbank des Instituts wurde in Kooperation mit der Universität Bremen entwickelt und ist speziell auf die Bedürfnisse der Forschungsarbeit im Bereich des Tanzes zugeschnitten.

Sie enthält Informationen zu den archivierten Bändern, über Choreografen und deren Werke, zu einzelnen Aufführungen, den Theatern und anderen Tanzinstitutionen.

Publizierte tanzspezifische Daten anderer Archive werden laufend in die Datenbank des Instituts integriert.

Aus urheberrechtlichen Gründen ist es den individuellen Nutzern nur gestattet, das Material vor Ort zu sichten.

Für bestimmte Aufzeichnungen, die im Archiv enthalten sind, ist eine vorherige Einwilligung der Autoren oder der Choreografen notwendig.

2705_Erweiterung-Sammlung_02 Erweiterung der Sammlung
Vom klassischen Ballett bis zu den Strömungen der Gegenwart
Sammlung von Audiovisuellen Tanzdokumenten Deutsches Tanzfilminstitut Bremen Bremen D seit 1989

Im Laufe der Jahre öffnete sich die Sammlung der gesamten Bandbreite tänzerischer Formen.

Heute sind hier vom Klassischen Ballett bis zu den aktuellen Strömungen verschiedenste Ausrichtungen und Stile, auch über die deutschen Grenzen hinaus, vertreten.

Sammlungsschwerpunkt: Tanzpädagogik Zusätzlich enthält das Archiv umfassende audiovisuelle Dokumente über Tanzpädagogik, Tanz-Akademien und verschiedene Ausbildungsstätten. Sammlungsschwerpunkt: institutionelle und Privat-Archive und deren Rekonstruktion. Ein weiterer Teil der Sammlung besteht aus den privaten Archivbeständen von Choreografen, Filmemachern und Festivals die dem Deutschen Tanfilminstitut Bremen  zur Aufbereitung und Archivierung überlassen wurden. Parallel zu den Materialien, die im Kontext der Institutsarbeit entstanden sind, wächst die Privatsammlung von Heide-Marie Härtel noch heute weiter. Sammlungsschwerpunkt: Belegexemplare Theater und Choreografen stellen dem Institut Belegexemplare ihrer Videodokumentationen zur Verfügung. Sammlungsschwerpunkt: Stückdokumentationen. Die Sammlung besteht etwa zur Hälfte aus sendefähigem Videomaterial. Das Tanzfilminstitut zeichnet selbst jährlich 40-60 aktuelle Vorstellungen mit TV-Kameras auf. Dadurch werden die Bestände jährlich erweitert und mit den aktuellen Werken ergänzt.

2700_Sammlung-70iger_06 Anfang der Sammlung
Die 70er, das Bremer Tanztheater
Sammlung von Audiovisuellen Tanzdokumenten Deutsches Tanzfilminstitut Bremen Bremen D seit 1989

Die Anfänge dieser Videosammlung gingen zunächst vom Bremer Tanztheater aus. Die Werke der Tanztheaterprotagonisten der ersten Stunde wie Johann Kresnik, Reinhild Hoffmann und Gerhard Bohner sind im Archiv weitgehend lückenlos dokumentiert. Mit der Aufbruchszeit des Tanzes Ende der 60er und Anfang der 70er Jahre und Johann Kresnik als künstlerischem Leiter der Tanzkompanie am Bremer Theater ist die Entstehung des Deutschen Tanzfilminstituts Bremen eng verbunden. Amateurfilmaufnahmen im Doppel-8 -Format wurden von Heide-Marie Härtel und Pierre LePage bereits für das Stück „Kriegsanleitung für Jedermann“ (1970) erstellt. Mit der damals entstehenden Videotechnik, wurde es möglich, die audiovisuelle Dokumentation zu intensivieren und zum integralen Bestandteil der Probenarbeit zu machen. Die technische Betreuung durch das neu aufgebaute Medienzentrum der Bremer Universität ermöglichte einfache Mitschnitte der Stücke des Bremer Tanztheaters und anderer Kompanien. Eine private Sammlung entstand, die Ende der 80er Jahre den Grundstock für die Gründung des Deutschen Tanzfilminstituts Bremen bildete.

Die Mitarbeiter des Instituts verfolgten die Arbeit von Reinheild Hoffmann seit ihren choreografischen Anfängen in den 70er Jahren im Folkwang Tanzstudio. Die intensive Zusammenarbeit führte zu den ersten Fernsehproduktionen („Solo mit Sofa“, “Callas , NDR 1984) sowie zu einem 100minütigen Portrait über die Arbeit der Choreografin („Die Sinnlichkeit des Boxhandschuhs“, ZDF 1986).

Alle Stücke des Bremer Tanztheaters, die unter Reinhild Hoffmanns Leitung entstanden, wurden, meist im Auftrag des Bremer Theaters, dokumentiert und archiviert, ebenso die Retrospektive ihrer Bochumer Ära.

Die Dokumentation von Susanne Linkes Arbeiten begann, zeitgleich mit der Video-Begleitung von Reinhild Hoffmann, Anfang der 70er Jahre am Folkwang Tanzstudio in Essen. So sind einfache Schwarz-Weiß-Aufzeichnungen ihrer ersten Stücke erstellt worden (z.B. „Puppe“, 1975, „Der Tod und das Mädchen“, 1976).

Die regelmäßige Zusammenarbeit intensivierte sich insbesondere durch Susanne Linkes Präsenz als Leiterin des Bremer Tanztheaters in der Zeit von 1994-2000.

Das Deutsche Tanzfliminstitut Bremen dokumentiert seither alle neuen Werke der Choreografin in der Bundesrepublik. Dokumentationslücken, insbesondere ihrer Auslandstätigkeit, wurden dadurch ausgeglichen, dass Susanne Linke die von ihr selbst zusammengetragenen Videoaufzeichnungen durch das Institut betreuen, kopieren und archivieren lässt.

Ein Beispiel: Das Institut verfügt über 11 Aufzeichnungen des Stückes “Im Bade wannen  von 1980. Das bedeutet die Dokumentation von über 25 Jahren Aufführungspraxis an neun verschiedenen Aufführungsstätten im In- und Ausland.