TANZSALON 11: Sonderedition – “Der zerbrochene Spiegel”. Tanzpantomime nach einem Libretto von Klaus Mann

 

Dr. phil. Nele Lipp, Tanzwissenschaftlerin und Regisseurin, realisierte eine Reihe von Tanzproduktionen und publiziert über Verbindungen des Tanzes mit anderen Künsten. Im Zentrum ihrer Präsentation im Rahmen des Tanzsalons steht ihre Arbeit zu Klaus Mann. 

Klaus Mann war schon früh von neuen Formen des Tanzes fasziniert, wie er sie von Nijinski und Harald Kreutzberg kannte. Schon als Schüler äußerte er den Wunsch Tänzer zu werden. Er entwarf 1926 das Libretto „Die zerbrochenen Spiegel“, in dessen Mittelpunkt „Prinz Narzissus“ steht, der gern vor seinen drei Spiegeln posiert. Daneben treten ein tanzender Hofstaat, Kinder und Arbeiter auf, die ihm seine geliebten Spiegel zerschlagen. Dieser Akt reflektiert sowohl die persönliche Verfassung des damals 20-Jährigen als auch die sozialen und politischen Umstände der ausgehenden Zwanziger Jahre.

Tanzpantomimen, eine heute nahezu vergessene Hybridform zwischen Tanz und Theater, waren damals das „non plus ultra“, das Klaus Mann einige Monate zuvor in Berlin bei Max Reinhardt kennen gelernt hatte. Die Szenen seiner expressionistischen Tanzpantomime wurden zu Klaus Mann Lebzeiten nie aufgeführt. Nele Lipp entdeckte das Manuskript 2010 im Deutschen Tanzarchiv Köln und brachte es in Hamburg, der Stadt in der das Libretto entstanden war, zur Uraufführung.

Im Ausblick spricht Nele Lipp auch über ihre Arbeit zu Jean Weidt, dem sog. “Roten Tänzer”, dessen Stück “Die Zelle” von 1947 im Oktober dieses Jahres ebenfalls von ihr wieder in Hamburg auf die Bühne gebracht werden konnte. Beide Arbeiten wurden inklusive der jeweils dazugehörenden Ausstellungen zu Klaus Mann und Jean Weidt vom Deutschen Tanzfilminstitut dokumentiert und in Ausschnitten im Tanzsalon präsentiert. 

 

Im Deutschen Tanzfilminstitut Bremen im Forum am Wall, Am Wall 201, 28195 Bremen. Eingang von der Ostertorstraße aus, links neben Bäckerei. Tel. 0421 240 550