Alle Termine | Filmvortrag | Dreharbeiten

Seite 1 von 1412345...10...Letzte »

Hier finden Sie eine Chronologie über die bisher online erfassten Termine des Instituts.

In Memoriam - Gedenkveranstaltung im Kulturni Dom Bleiburg/Pliberk. Foto: Kirsten Tiedemann In Memoriam JOHANN KRESNIK (1939-2019)
Beisetzung und Gedenkveranstaltung in Bleiburg/Kärnten am 4. und 5. Oktober
Veranstaltung Bleiburg, Kärnten Österreich 3. und 4. Oktober 2019

 

Am 27. Juli 2019 ist der weltbekannte Choreograph Johann Kresnik verstorben.

 

“Johann Kresnik hat mit seinem Choreographischen Theater Tanzgeschichte geschrieben und damit auch das Theater insgesamt verändert. Immer fühlte er sich dem Auftrag  des politischen Künstlers verpflichtet, aus dem dieser – um es mit Heiner Müller zu sagen: solange es Herren und Sklaven gibt, nicht entlassen ist. In Kärnten geboren zog er wie ein Peer Gynt in die Theaterwelt hinaus. 2009 setzte Hans Kresnik in seiner Heimat Bleiburg ein Zeichen: “Auf uns kommt es an!” ist der Titel unseres Stücke und Auftrag an uns weiterhin.”

Christoph Klimke

 

Am Samstag, 5. Oktober 2019 findet in Kresniks Heimat Bleiburg/Pliberk die Gedenkveranstaltung „In Memoriam-Johann Kresnik“ statt.

 

Um 16.00 Uhr wird im Werner Berg Museum im ersten Obergeschoss eine Kabinett-Ausstellung mit zahlreichen Zeichnungen und choreographischen Skizzen von Johann Kresnik, sowie eine Dokumentation des 2009 in Bleiburg uraufgeführten Kresnik-Stückes „Jura Soyfer – Auf uns kommt es an“ eröffnet.

 

Der in der Ausstellung gezeigte Kurzfilm von Lisa Huber portraitiert Johann Kresnik in seinem Heimatort St. Margarethen bei Bleiburg.

 

Zur Ausstellungseröffnung spricht Gottfried Helnwein, langjähriger künstlerischer Wegbegleiter und Freund von Hans Kresnik.

 

Musik: Janez Gregorič / Arthur Ottowitz
Moderation: Raimund Grilc

Eröffnet wird die Ausstellung von Landeshauptmann Dr. Peter Kaiser.

 

Im direkten Anschluss an die Ausstellungseröffnung findet ab 18 Uhr in Zusammenarbeit mit dem CCB – Center for Choreography im Kulturni Dom Bleiburg/Pliberk  die offizielle Gedenkfeier mit einer Tanzperformance von Ismael Ivo sowie Beiträgen u.a. von Anna Hein, Christoph Klimke, Zdravko Haderlap, MoPZ Foltej Hartman, Thomas Nečemer  sowie ImpulsTanz Festival Wien statt.

 

Das Deutsche Tanzfilminstitut Bremen nimmt gemeinsam mit WegbegleiterInnen aus Bremen in Gedenken an den herausragenden Theatermann Hans Kresnik an der Gedenkveranstaltung teil.

 

Foto: Marianne Menke GEGENPOLE UND ZWISCHENWELT – steptext dance project im TANZLAND WINSEN
Gastpiel mit Einführung von Heide-Marie Härtel
Filmvortrag Kulturverein Winsen Winsen an der Luhe D 12.09.2019 um 19:30 Uhr

Seit seiner Uraufführung 2016 hat steptexts Ensemblestück ZWEI GIRAFFEN TANZEN TANGO – BREMER SCHRITTE, ein Tanzfonds Erbe Projekt, bereits vielerorts begeistert. Nun sind zwei adaptierte Varianten von Helge Letonjas Auseinandersetzung mit der Choreografie des Tanztheaterpioniers Gerhard Bohner von 1980 auswärts zu erleben.

 

Im Rahmen der Kooperation TANZLAND WINSEN hat Letonja Sequenzen aus der Produktion mit dem Ensemble zu einem neuen vielschichtigen Kosmos gefügt: Mit GEGENPOLE UND ZWISCHENWELTEN erwartet das Publikum am 12. September in der Stadthalle Winsen zeitgenössische Tanzkunst, die Alltagsgesten, Unterbewusstes und Humorvolles zu beeindruckenden bewegten Bildern verwebt.

 

Um 19:30 Uhr führt Expertin Heide-Marie Härtel, Leiterin des Deutschen Tanzfilminstituts Bremen, in das Stück und seine Hintergründe ein.

 

***

 

Der Kulturverein Winsen und steptext dance project sehen in ihrer Kooperation eine Chance die zeitgenössische Tanzkunst vor Ort unterschied- lichsten Bevölkerungsschichten und Altersgruppen nahe zu bringen und darüber hinaus nachhaltige Strukturen für Tanzgastspiel, Tanzreflexion und Tanzpraxis zu schaffen. Steptext mit seinen Produktionen, die gesellschaftliche Diskurse tanzästhetisch aufgreifen sowie seinen Netzwerker- und Vermittlungs- kompetenzen, trifft dabei in Winsen auf einen engagierten Partner, der in der Stadt auf vielen Ebenen interagiert und offen ist für neue Impulse. Tanz als Kunstform, die über alle sprachlichen und altersindividuellen Unterschiede hinweg ihr Publikum anspricht steigert dabei als neues und erstmaliges Element im Kulturangebot der Stadt Winsens Attraktivität und trägt dazu bei, ihr Kulturprogramm über die Stadtgrenzen hinweg zu profilieren.

Für Vier. Foto: Theater Bremen Bremer Choreografin Birgit Freitag für FAUST-Preis 2019 nominiert

Tafi-Info Kassel/Bremen D 12.9.2019

Der “Faust” ist unbestritten der renommierteste Theaterpreis in Deutschland. Vergeben wird er unter anderem vom Deutschen Bühnenverein, dem Zusammenschluss aller Theater in Deutschland, und von der Kulturstiftung des Bundes. Jetzt wurden die Nominierungen für dieses Jahr veröffentlicht – und auf dieser Liste steht auch Birgit Freitag: Tänzerin, Choreographin, Festivalmacherin – freischaffende Künstlerin mit einer engen Verbindung zum Theater Bremen. Nominiert wurde sie in der Kategorie “Regie Kinder- und Jugendtheater” für die Produktion “Für Vier” am Theater Bremen; eine Produktion des Moks, also des Jungen Theaters und der Jungen Akteure Bremen.
Sie tritt am 9. November im Staatstheater Kassel gegen zwei weitere Nominierte in der Kategorie „Regie Kinder- und Jugendtheater“ an, teilte der Deutsche Bühnenverein mit.

 

Zur Berufsbiografie der nominierten Künstlerin berichtete der Weser-Kurier: “Birgit Freitag arbeitet seit 1992 als Performerin und Choreografin an der Schnittstelle von Tanz, Theater und weiteren Künsten. Von 1993 bis 2002 war sie Teil der künstlerischen Leitung des internationalen Tanzfestivals TANZ Bremen. Im Jahr 2000 gründete sie die „every friday | dance production“ für spartenübergreifende Projekte. „Eins zu Eins“, ihre erste Eigenproduktion für Bremens Jugendtheatersparte, wurde als eine von zehn herausragenden Inszenierungen zum Festival „Augenblick Mal! 2017“ nach Berlin eingeladen. Die Zeitschrift „Tanz“ benannte Freitag 2017 in ihrem Jahrbuch als Hoffnungsträgerin.” Weser-Kurier 12.10.2019 

 

Das Deutsche Tanzfilminstitut Bremen freut sich sehr mit Birgit Freitag und gratuliert ihr herzlich!

 

Reinhild Hoffmann und Ferenc Barbay. Foto: Pierre Le Page Johann Kresnik ist tot. Ein persönlicher Abschied von Heide-Marie Härtel [tanznetz.de "Schwergewichte"]
"Die traurigste Nachricht für die Tanzwelt kam völlig überraschend ganz am Ende dieser gerade vergangenen Spielzeit. Hans Kresnik, mit korrektem Vornamen Johann, verstarb ganz unerwartet im Alter von 79 Jahren ... Wir werden ihn vermissen, wie strapaziös und irritierend seine provokanten Bilderschlachten auch immer gewesen sein mögen." Nina Hümpel in ihrem Editorial zu "Schwergewichte", dem aktuellen Spielzeitheft Nr. 6 von tanznetz.de
Tafi-Info München D 02.09.2019

Ein persönlicher Abschied von Heide-Marie Härtel.

 

“Hans Kresnik flüchtete aus seinem Geburtsland Österreich, als ihn das Bundesheer einziehen wollte. “Den Körper in den Kampf werfen”,- sein späteres Motto, das wollte er auf den Schlachtplätzen der aktuellen Weltgeschichte nicht. Zu Beginn des Zweiten Weltkriegs als Bauernsohn geboren, war er früh ungewollt zum Zeitzeugen einer grausamen Kriegsmaschinerie geworden. Seinen Vater, Wehrmachtssoldat des schon angeschlossenen Hitlerreichs, erschossen Partisanen als Hans drei Jahre war.

Ob wir noch erfahren werden, warum ausgerechnet Bremen als Fluchtpunkt des jungen Tänzers galt? Im Theater war Bremen damals eher Provinz, auch im Tanzbereich. Es fehlten immer Männer im Ballett, er hätte es sich aussuchen können.

Das Zentrum der westdeutschen Tanzwelt war in den 1960er Jahren nicht Bremen, sondern Köln. Hier wollte man sich abnabeln vom Ruf des sogenannten “Deutschen Ballettwunders” in Stuttgart. Das gelang prächtig. Maurice Béjart, Martha Graham, alle Größen der internationalen modernen Szene gastierten hier und die Sommerakademie bot jedes Jahr 500 TänzerInnen die Chance, die TanzlehrerInnen der Welt kennenzulernen. Kresnik war da und blieb als Tänzer unter der Leitung von Aurel von Milloss, trainiert von Leon Woizikowsky und Peter Appel, der später auch die Kompanieleitung übernahm. In Köln hat das Naturtalent Kresnik seine eigentliche Tanzausbildung erhalten. Hier ist er mir, der Tanzstudentin der Kölner Tanzakademie, aufgefallen. Er war schnell, sprunggewaltig, risikobereit. Seine Double-Touren sollen gerüchteweise das Ergebnis einer Wette um einen Kasten Bier gewesen sein. …”
Den vollständigen persönlichen Abschied von Heide-Marie Härtel lesen Sie online mit einem Klick auf Spielzeitheft Nr. 6 “Schwergewichte”, tanznetz.de
,

QATSI RELOADED
Eine Tanz- Theater- Musik- Performance- Kino Show des theaterSCHLACHTHOF in Kooperation mit Tanz im Lichthaus und der Schule Schaumburgerstraße
Dreharbeiten BLG Forum Bremen D 16.8.2019

Dreizehn junge Bremer*innen erforschen den Film Koyaanisqatsi aus dem Jahr 1981. Der Regisseur Godfrey Reggio zeigt was mit einer Welt passiert in der Maschinen und Technik die Macht übernehmen und wir Menschen nur noch Teil eines außer Kontrolle geratenen Organismus sind.

 

Ohne Worte und begleitet von der Musik von Philipp Glas entstand ein Werk zwischen Dystopie, Zerstörung und unendlicher Schönheit. Was passiert wenn sich junge Menschen zwischen 13 und 18 Jahren diesem Werk aussetzen? Wie hat sich die Welt seitdem entstehen der Bilder des Films verändert? Wo finden wir Orientierungen in einer außer Kontrolle geratenen Welt? KOYAANISQATSI bedeutet in der Sprache der Hopi Indianer Crazy life oder Life out of balance. Damit beschreibt der Film ein gegenwärtiges Gefühl unserer Gesellschaft.

 

Der Tänzer und Choreograf Hakan Sonakalan und die Theater- und Tanzpädagogin Valerie Usov finden zusammen mit jungen Menschen und dem Musiker Riccardo Castagnola Zugänge zu den Themen unserer Gegenwart und übersetzen sie in eine monumentale Bildsprache.

 

Eine Tanz- Theater- Musik- Performance- Kino Show im legendären BLG Forum in der Überseestadt. Finster und hoffnungsvoll.

 

Ort: BLG-Forum, Am Speicher XI 11 28217 Bremen

 

Weitere Aufführungen: 17., 18., 19.08. jeweils um 19.00 Uhr

 

***

 

Das Deutsche Tanzfilminstitut Bremen freut sich, die Premiere filmisch zu dokumentieren.

Hans Kresnik als Tänzer “Kresnik war weit mehr” – Reaktion auf einen Beitrag im Weser-Kurier
Mit ihrem Leserbrief reagiert Susan Barnett, die von 1985 bis 1993 Mitglied im Ensemble von Hans Kresnik war, auf den Artikel "Ist das noch Tanz oder kann das weg?", der anlässlich des Todes Kresniks im Weser-Kurier erschienen war.
Tafi-Info Bremen 13.8.2019

“Als Intendant Kurt Hübner im Jahr 1968 Johann Kresnik nach Bremen holte, suchte er eine neue Tanzrichtung. Im Theater inszenierten Regisseure wie Fassbinder, Gruber, Zadek und Stein wegweisend. Kresniks Idee eines politischen Tanztheaters passte dazu. Er führte das Bremer Tanztheater 1968 bis 1978 und 1989 bis 1994 und blieb dem Theater als Regisseur bis 2007 verbunden.

Künstlerische Virtuosität, direkte, bildreiche, intuitive, unkonventionelle Bewegungssprache, radikales Denken und inhaltliche Kompromisslosigkeit, aufregende Arbeitsweise und Charisma faszinierten und bewegten Darsteller, Publikum und Kritiker. Er beherrschte Komisches wie Tragisches, setzte genial Fragilität gegen Gewalt. Stücke wie “Macbeth”, “Familiendialog”, “Sylvia Plath”, “Ulrike Meinhof”, “Frida Kahlo” und “Wendewut” füllten das Bremer Theater sowie internationale Häuser. Auf dem Edinburgher Festival 1989 bejubelte die Kritik “Macbeth” als stärkste Produktion und Beispiel eines neuen “physical theatre”.

Kresniks Stücke forderten die Auseinandersetzung mit Machtmissbrauch und Korruption, thematisierten die deutsche Vergangenheitsbewältigung. Provokation und Skandale erzwangen den Diskurs. Auf seinem Schaffensgipfel zog er Kritiker aus der gesamten Republik an. In einem Beitrag des WDR 3 zu “Ulrike Meinhof” hieß es 1990: “Dieser Bremer Theater-Triumph gibt sich nur mit dem Äußersten zufrieden. Er ist daher mehr als eine ruppige Ruhestörung, mehr als eine extremistische Erregung.” Mag sich Bremen beim Namen Kresnik auch daran erinnern.”

 

Susan Barnett, Bremen, Ensemblemitglied 1985 bis 1993

Veröffentlicht im Weser-Kurier am 13. August 2019

 

Der Beitrag “Ist das noch Tanz oder kann das weg?” anlässlich des Todes von Hans Kresnik erschien am 29. Juli 2019 und ist im Weser-Kurier online hier verfügbar.

Johann Kresnik | Foto: Bettina Stöß “Er hatte eine irre Energie” – Interview anlässlich des Todes von Johann Kresnik [taz Nord/Bremen]
Johann Kresnik begründete in Bremen nach 1968 modernes Tanztheater. Ende Juli starb er. Zwei Tänzerinnen sprechen über sein Erbe
Interview taz-Nord - Jan Zier Bremen 3./4.7.2019 D

 

taz: Frau Härtel und Frau Davenport, der Tänzer, Theaterregisseur und Choreograf Johann Kresnik ist am 27. Juli gestorben. Ist damit auch das kämpferische, politische Tanztheater tot – oder war es das vorher schon?

 

Heide-Marie Härtel: Er hinterlässt auf jeden Fall eine große Lücke! Ich würde mir sehr wünschen, dass jemand uns als ZuschauerInnen mit dieser Direktheit anspricht, die seine Stücke hatten. Es gibt ja Anlässe und Themen genug! Ich hätte es gut gefunden, wenn er zum Beispiel noch ein Stück gemacht hätte mit den Kids, die bei „Fridays for Future“ auf die Straße gehen. Aber außer der Choreografin Yoshiko Waki sehe ich gerade niemanden, der in seiner Art und Weise arbeitet.

 

Hat sich das überlebt?

 

Jacqueline Davenport: Auf keinen Fall. Heute versuchen das zwar manche – doch bisweilen wirkt es dann plump. Kresnik dagegen hatte die Begabung, diese starken, beeindruckenden Bilder glaubwürdig herzustellen.

 

Kresnik hat im Bremen einst das moderne Tanztheater begründet – er nannte das „choreografisches Theater“. Was ist damit gemeint?

 

Härtel: Es ging ihm weniger darum, einen neuen tänzerischen Stil zu kreieren. Der Fokus lag vielmehr darauf, alle theatralen Mittel für den Tanz zu nutzen und den Tanz als eigenständige Sparte des Theaters zu etablieren.

 

Davenport: Damals sprach man immer noch vom Ballett. Wir waren uns einig: Irgendwann muss das aufhören! Diese Spannung bei Kresnik, bei dem ich mal in Spitzenschuhen und mal in Stiefeln oder barfuß getanzt habe, fand ich enorm gut. Bei der Namensgebung haben wir als Tänzer auch mitgewirkt.

 

War das klassische Ballett in der Krise, als Kresnik 1968 in die Tanzprovinz Bremen kam?

 

Davenport: Ich glaube nicht. Hans, der ein fantastischer Tänzer war und tolle Pirouetten drehen konnte, hatte es einfach satt, immer nur Frauen hochzuheben und über die Bühne tragen.

 

Für ihn war Ballett „handlungsfreier Mist“.

 

Härtel: Nach dem Zweiten Weltkrieg wollte niemand Probleme auf der Bühne sehen. Einige Vertreter des Ausdrucks­tanzes waren auch in den Faschismus eingebunden. Im Zuge der 68er-Bewegung gab es dann dieses Unwohlsein: Das kann nicht alles gewesen sein. Der Bremer Intendant Kurt Hübner hat mit dem Engagement von Zadek, Stein, Fassbinder etc. neue Wege gesucht, dem zu begegnen. Kresnik passte in dieses Konzept.

 

War es ein historischer Zufall, dass gerade hier das modernen Tanztheaters entstand?

 

Härtel: Auf keinen Fall. In Heidelberg, Köln oder Berlin könnte ich mir das in der damaligen Zeit nicht vorstellen. Zudem war Bremen wegen der „roten Uni“ reizvoll. Er hat sich das getraut – und kannte Bremen schon als Tänzer.

 

Mit 29 wurde er hier Ballettdirektor, da war das Theater Bremen etwa im Schauspiel schon voller Ikonen. Wie passte das zusammen?

 

Härtel: Es war nicht so einfach – er ist hier stark gefordert worden, etwas Spezielles zu machen. Er musste liefern. Im Gegensatz zu Pina Bausch, der Arno Wüstenhöfer mehrere Jahre Zeit gegeben hat, das Publikum zu erobern.

 

Davenport: Alle, die damals hier in Bremen am Theater waren, wollten in ihrem Bereich etwas ganz anderes machen.

 

Warum wollten Sie bei ihm tanzen?

 

Davenport: Für mich war spannend, was hier passierte. In Frankfurt, wo ich vorher war, hatte ich ohne Ende den „Nussknacker“ von Tschaikowski getanzt, Kresnik hatte ein großes Charisma. Er hat uns alle mit an unsere Grenzen genommen, schon beim Vortanzen.

 

Härtel: In Köln hatte er 1968 das Stück „Paradies“ gemacht, in dem er das Attentat auf Rudi Dutschke thematisierte. Das war für mich das Stichwort – wir gingen damals auf die Straße, fanden aber die Brücke nicht: Was können wir tun, damit sich der Tanz einmischen kann? Als ich sagte „Ich will zu Kresnik!“ sagten vor allem die eigenen Kommilitonen: „Wofür haben wir so viel klassischen Tanz gelernt?“

 

Damals hieß es „Ballett kann kämpfen!“. War das Ihr Wunsch?

 

Härtel: Meiner in jedem Fall. Aber das war nicht bei jedem so ausgeprägt. Ich ging in meinen Pausen an die Uni, zu Schulungen über Marx’ Kapital. Und nicht zu vergessen: Das war zu Beginn der 70er-Jahre. Mitbestimmungsmodelle hatten auch das Theater erreicht.

 

Er war klar marxistisch geprägt. Hat er diese Haltung auch von seinen TänzerInnen erwartet?

 

Härtel: Nein. Es gab das Gerücht, er hätte Leute nach dem Parteibuch engagiert – aber das glaube ich nicht. Seine Tänzer mussten vor allem ein gutes Handwerkszeug mitbringen.

 

Bergbauernsohn Kresnik war – anders als Sie – nie auf einer Ballettschule und sagte, er habe das nicht gebraucht. Stießen da nicht Welten aufeinander?

 

Davenport: Kresnik war als Tänzer ein Naturtalent und er hatte sehr gute Ballettlehrer. Mir hat er mal erzählt, er ging zum Ballett, weil er näher an den Frauen sein wollte.

 

Seine Stücke waren von großer Wut getragen, oft aggressiv und von Gewalt geprägt. Wie muss man sich da die Zusammenarbeit mit ihm vorstellen?

 

Härtel: Es war oft heftig und auch anspruchsvoll – er hat einem alles abverlangt, man musste viel Mut beweisen. Besonders überzeugend war, dass er die gefährlichen Sachen alle auch selbst vorgemacht hat. Er war unglaublich schnell in der Kreation, er war ein Magnet. Seine künstlerischen Bezugsfelder finden wir eher bei Kurt Jooss, dem Folkwang-Mitbegründer, bei dem sogenannten „roten Tänzer“ Jean Weidt und bei den Wiener Aktionisten wie Otto Mühl oder Hermann Nietsch, nicht in der Ballettentwicklung.

 

Hat er seine TänzerInnen nicht auch mal angeschrieen?

 

Davenport: Sein Fordern war ein Anfeuern. Es ging nicht darum, dabei unsere Grenzen zu überschreiten. Er hatte einfach eine irre Energie!

 

Wie war er privat?

 

Davenport: Er hatte ein riesiges Herz!

 

Härtel: Es hatte natürlich auch eine ganz weiche, zärtliche Seite, gerade mit seinen Kindern.

 

Wie hat das Bremer Publikum damals auf ihn reagiert?

 

Härtel: Es gab viel Buh-Rufe, und Leute, die das ganz schrecklich fanden. Wenn es ihm mal nicht genügend Buh-Rufe waren, wollte Kresnik nach der Premiere zum Applaus manchmal gar nicht noch mal auf die Bühne kommen.

 

Wie reagierten die TheaterkritikerInnen?

 

Härtel: Extrem unterschiedlich und sehr polarisierend. Eine Zeit lang waren wir stolz, wenn wir in ihren Umfragen als „das schlimmste Tanzereignis des Jahres“ geehrt wurden. Die Medienresonanz war groß.

 

Kresnik war der Auffassung: Wenn sich niemand aufregt, hat er was verkehrt gemacht. Wenn das der Maßstab ist, ist heute vieles langweilig.

 

Härtel: Danke! Das muss ich leider bestätigen. Natürlich kann man den heutigen Perfektionismus in der Tanztechnik-Entwicklung sehr genießen! Aber für mich ist es ein Problem, dass es keine Kontinuität in der inhaltlichen Arbeit gibt, wie er sie gemacht hat. Heute ist im Tanztheater vieles verblasst und orientiert sich meines Erachtens zu stark an der bildenden und der Performance-Kunst. Damit verliert der Tanz zu oft die Möglichkeit, den Körper in den Kampf zu werfen.

 

Waren Gewalt, Sex und Obszönitäten in den Stücken je ein Problem für Sie?

 

Härtel: Er hat auch akzeptiert, wenn man Nein gesagt hat. Wir haben zum Beispiel anfangs gesagt: Wir ziehen uns nicht aus auf der Bühne.

 

Davenport: Ich fühlte mich dabei nie benutzt. Es diente ja der Aussage des Stückes.

 

Heute gilt Pina Bausch vielen als Säulenheilige des modernen Tanztheaters, 1973 wurde sie Leiterin der Ballettsparte an den Wuppertaler Bühnen. Wie war das Verhältnis der beiden?

 

Davenport: Sie haben sich gegenseitig respektiert.

 

Härtel: Während Kresnik sich um Themen gekümmert hat, die in Deutschland aktuell waren, waren ihre Arbeiten unpolitischer, dafür anderswo in der Welt besser zu vermitteln.

 

Hat es für das Tanztheater in Bremen noch eine Bedeutung, an diesem Ort zu sein, an dem einst alles begann?

 

Härtel: Es könnte eine haben! Am städtischen Theater machen sie im Tanz zwar künstlerisch sicher wertvolle Dinge, aber es hat kaum noch überregionale Bedeutung für die Sparte. Auch die Kulturpolitik ist sehr zögerlich etwa bei der finanziellen Unterstützung der stark entwickelten freien Tanzszene. Man muss fast betteln, damit alle drei Jahre ein Tanz-Festival stattfindet, das es in Städten vergleichbarer Größe jedes Jahr gibt. Im Ausland wusste man früher viel besser, was hier passierte.

 

IM INTERVIEW

JAQUELINE DAVENPORT
69, erhielt ihre Ballett­ausbildung an der Royal Ballet School in London und kam 1970 als Tänzerin nach Bremen. Ihre erste Kresnik-Produktion war „Kriegsanleitung für jedermann“. 1986 wurde sie Ballettmeisterin am Theater Bremen.

 

HEIDE-MARIE HÄRTEL
69, absolvierte eine klassische Tanzausbildung in Köln – sie kam 1971 ans Theater Bremen – und ein Studium der Kulturwissenschaften. 1988 gründete sie das Deutsche Tanzfilminstitut.

 

Das Interview von Jan Zier lesen Sie in der taz NORD/Bremen “Er hatte eine irre Energie” – Tänzerinnen über Johann Kresnik

 

Foto: Marianne Menke TURBULENCE

Dreharbeiten steptext dance project Bremen / Schwankhalle D 27.6.2019 um 20.00 Uhr

“In der Physik sind Turbulenzen ein Verwirbelungsphänomen und im Gesellschaftlichen stehen sie für Aufruhr. Für Helge Letonjas jüngstes Ensemblestück ist beides Inspiration. Sinnlich vibrierend erforscht seine Choreografie die Kollisionen konträrer Strömungen, in denen sich soziale Dynamiken spiegeln. Im Privaten und Globalen, in großen oder kleinen Kosmen des Miteinanders – allerorts prallen widerstreitende Ideen aufeinander. Wie organisieren sich Gemeinschaften, wenn Gruppen mit unterschiedlichen Haltungen um Deutungshoheit ringen? Mit sieben Tänzer_innen durchleuchtet TURBULENCE die Strukturen solchen Geschehens, holt sie ins Sicht- und Spürbare. Wie wirken variierende Druckverhältnisse, Tempi, Sogkräfte auf die Beteiligten ein? Münden freigesetzte Energien in destruktives Chaos, zukunftsträchtige Mischungen, konstruktive Kompromisse oder schlicht die nächste Konfrontation?”

 

Helge Letonja TURBULENCE

Premiere (UA) am Donnerstag, 27.06.2019, um 20.00 Uhr in der Schwankhalle Bremen

 

Das Deutsche Tanzfilminstitut Bremen freut sich, die Uraufführung filmisch zu dokumentieren.

 

***

 

Konzept I Choreografie: Helge Letonja
Wissenschaftliche Begleitung: Prof. Dr. Albert Baars, B-I-C HSB, und Studierende
Dramaturgie: Anke Euler
Tanz: Kossi Sebastien Aholou-Wokawui, Leila Bakhtali, Oh Chang Ik, Mariko Koh, Vincenzo Minervini, Sophie Flannery Prune Vergères,  Sergey Zhukov
Musik/Komposition: Simon Goff
Kostüme: Rike Schimitschek
Lichtdesign I Technische Leitung: Timo Reichenberger
Produktionsassistenz: Florentine Emigholz, Médoune Seck
ÖA-Text: Maja Maria Liebau

Produktion: steptext dance project 
In Kooperation mit: dem B-I-C Bionik-Innovations-Centrum Hochschule Bremen / Fluiddynamik 
Gefördert von: Fonds Darstellende Künste aus Mitteln der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien, Senator für Kultur Bremen 
Unterstützt von: Waldemar Koch Stiftung

 

Auszug aus dem Flyer zum Symposium "Folkwang Tanz" FOLKWANG TANZ – Video zum Symposium 2017

Veranstaltungs-Dokumentation Folkwang Universität der Künste Essen - Werden / Bremen D

Das Institut für Zeitgenössischen Tanz der Folkwang Universität der Künste lud im Oktober 2017 zum großen Symposium FOLKWANG TANZ – Technik, Haltung, Zukunft. Anlässlich des 90-jährigen Bestehens der Folkwang Universität der Künste zielte das anspruchsvolle Symposium auf eine Auseinandersetzung mit Tanzkunst, Tanztechnik und Tanztheorie.

 

Es wäre eine Sünde, über Bord zu werfen, was wir geerbt haben“, so Kurt Jooss. “Wir müssen es nicht praktizieren, aber wir sollten es in unser Wissen und in unsere Möglichkeiten einbeziehen. Dann können wir auswählen, was wir brauchen, was wir wollen.” Dieses Zitat leitet Idee und Konzeption dieses gelungenen Symposiums von Henrietta Horn und Professor Stephan Brinkmann.

 

Das Deutsche Tanzfilminstitut Bremen hat die gesamte Veranstaltung filmisch dokumentiert und aus dem Material gemeinsam mit Henrietta Horn und Professor Dr. Stephan Brinkmann dieses Video erstellt.

 

Arie Hartog. Foto K. Tiedemann Kulturjuwel Tanzhaus [Leserbrief zur Podiumsdiskussion]
Ein Leserbrief im Weser-Kurier zur Podiumsdiskussion "KULTUR PASSAGE BREMEN - Ein Tanzhaus für die Stadt".
Tafi-Info

Ein Tanzhaus sei ein “Kulturjuwel” für Bremen, so sehen es die drei tanzbegeisterten Verfasserinnen eines Leserbriefes an den Weser-Kurier, in dem sie ihre Eindrücke der Podiumsdiskussion schildern und ihre Position zur Initiative für ein Tanzhaus für Bremen deutlich machen.


Kulturjuwel Tanzhaus

 

“Als tanzbegeistertes Publikum waren wir bei der Podiumsdiskussion “Kultur Passage Bremen – ein Tanzhaus für die Stadt” im Gerhard-Marcks-Haus. Auf dem Podium waren Expertinnen und Experten aus dem Bundesgebiet, die von den Erfahrungen mit den von ihnen initiierten Tanzhäusern berichteten. Diese großartige Vision auch in Bremen zu realisieren ist bei den kulturpolitischen Sprechern verschiedener Parteien leider nicht angekommen. Stattdessen favorisieren sie, trotz steigender Haushaltsmittel, weiter das Gießkannenprinzip und missachten so den großen Nachholbedarf der vielfältigen Bremer Tanzszene, die in der Vergangenheit nicht gleichberechtigt mit ihren Künsten gefördert wurde.
Dass eine über die Grenzen hinaus bekannte Tanzszene keine “sozialer Kitt” ist, sondern ein Kulturjuwel und ein wichtiger Wirtschaftsfaktor sein kann, machte Arie Hartog, der Museumsdirektor, in seiner Begrüßung schon deutlich. Als er 1996 in seiner Heimat Niederlande verkündete, nach Bremen zu gehen, hieß es: “Oh ja, Tanz!” Er sei sich nicht sicher, ob die Reaktion heute wieder so ausfiele.
Genau diese Entwicklung hat mit sich gebracht,. dass wir außerhalb von Bremen Tanz anschauen, zum Beispiel in Bremerhaven, Oldenburg, Osnabrück und Münster. Mit einem Tanzhaus in Bremen gäbe es die Möglichkeit, an das historische Erbe des großartigen, über die Stadt hinaus strahlenden Tanztheaters wieder anzuknüpfen. Das wünschen wir uns!”

 

Ulrike Kotthoff, Anka Ristau und Ulrike Garbade, Bremen

 

Der Leserbrief erschien am 27. Mai 2019 im Weser-Kurier.

Foto © M.Menke … das Feuer für den Tanz in Bremen schüren [Presse zur Podiumsdiskussion]
Über die Podiumsdiskussion am 13. Mai 2019 im Gerhard-Marcks-Haus berichtet Martina Burandt für tanznetz.de
Veranstaltung Deutsches Tanzfilminstitut Bremen - steptext dance project - tanzbar_bremen Gerhard-Marcks-Haus, Bremen D 13.05.2019

Über die Diskussion Kultur Passage Bremen – Ein Tanzhaus für Bremen im Gerhard-Marcks-Haus mit prominenten ExpertInnen und Bremer PolitikerInnen auf dem Podium berichtet die Tanzjournalistin Martina Burandt im online-Magazin/Forum tanznetz.de. Hier lesen Sie Auszüge aus ihrem Artikel.

 

TANZSTADT BREMEN!
Hochkarätig besetzte Podiumsdiskussion „RÄUME FÜR DEN TANZ“ will das Feuer für den Tanz in Bremen neu schüren

Martina Burnadt am 24.5.2019 auf tanznetz.de

 

“Die freie Tanzszene Bremen stellt unter der Initiative von Deutschem Tanzfilmsititut Bremen, steptext dance project und tanzbar_Bremen Pläne für ein Tanzzentrum vor.

 

Die freie Bremer Tanzszene träumt von einem Haus für den Tanz. Für die Hansestadt, die als Haushalt-Notlage-Bundesland gilt, mag sich das zunächst utopisch anhören. Doch können Träume wahr werden, wenn sie bedacht und mutig zugleich angegangen werden. Mit dem richtigen Konzept, engagierten ProjektleiterInnen und der passenden Unterstützung durch Politik und Wirtschaft hat sich schon manche kluge Idee zum Zugpferd für eine Stadt entwickelt. Und ist es nicht so, dass bereits die Gebrüder Grimm mit Esel, Hund, Katze und Hahn die Hansestadt für eine Hoffnungsträgerin hielten? Und ist es zudem nicht ein Fingerzeig, dass die ‚furchtlosen Vier‘ ausgerechnet in diesem Jahr ihren 200. Geburtstag feiern?

„Bremen ist eine große Tanzstadt“, stellte Heide-Marie Härtel vom Deutschen Tanzfilminstitut zum Anfang der Veranstaltung fest. „Hier ist das Tanztheater erfunden worden, nicht in Wuppertal.“ Seit Dezember 2018 entwickeln die LeiterInnen des Deutschen Tanzfilminstituts Bremen (das die weltweit größte Tanzvideosammlung betreibt), steptext dance project, (ein international eingebundener Tanzproduzent und Veranstalter) und tanzbar_bremen (anerkannter Vorreiter der Inklusion im Kunstbetrieb) mit weiteren Fachleuten das Konzept „KULTUR PASSAGE BREMEN – Ein Tanzhaus für die Stadt“. Das Projekt entstand als Reaktion auf den Kulturförderbericht der Stadt in Bezug auf den Bedarf von Räumen und Ressourcen für die freie Tanzszene. Dabei soll eine Gesamtstrategie zur Verbesserung der räumlichen Infrastruktur für den Tanz, seiner Sichtbarkeit, Anerkennung und Bedeutung innerhalb der Bremer Kulturlandschaft und weit darüber hinaus verfolgt werden.

Die Zusammenarbeit und Vernetzung zielt auf den gesamten Zyklus der Tanzproduktion von Recherche, Entwicklung, Tanzforschung, Produktion, Präsentation, Vermittlung, Vertrieb, Dokumentation und Archivierung. Langfristig soll dies zu neuen Arbeitsfeldern für Tanzschaffende in Bremen führen und die
gesamte Szene stärken – von Ensembles über EinzelkünstlerInnen, ProduzentInnen, VeranstalterInnen bis hin zu TanzvermittlerInnen. Mit 3600 Quadratmetern wird der Raumbedarf von den Initiatoren beziffert, wobei gemeinschaftlich genutzte Säle, ein Foyer, Backstage-Bereiche, Gästewohnung sowie ein Archiv, ein Vermittlungszentrum, Proben- und Lagerräume eingerechnet wurden. Dabei soll der Hauptteil der Fläche aus einer barrierefreien Bühne, samt tanzspezifischer Ausstattung bestehen.

Bisherige Idee ist es, den jetzigen Standort von steptext dance project und tanzbar_bremen, die Bremer Schwankhalle, um- und auszubauen. Die Kosten dafür werden in einem ersten Entwurf auf 14-18 Millionen Euro geschätzt. Die Personalkosten eines Tanzhauses, dazu gehören Posten wie Betriebsbüro, Hausmeister, Reinigung, berechnet das Entwurfspapier auf rund 180.000 Euro pro Jahr. Der Zeitplan des Projekts ist ehrgeizig; Helge Letonja von steptext sieht das Jahr 2024 als Wunschtermin für den Einzug und den Beginn der Arbeit.

 

Um die Sache professionell voranzutreiben, stellten die AkteurInnen – Heide-Marie Härtel und Hartmut Sebel vom Tanzfilminstitut, Helge Letonja von steptext und Günther Grollitsch von tanzbar_bremen – nun ein Podium mit nationalen ExpertInnen zusammen, das sich am 13. Mai 2019 im Bremer Gerhard-Marcks-Haus traf. Ziel des hochkarätig besetzten Podiums war, das Konzept kritisch auf seine Tragfähigkeit zu überprüfen und ergebnisoffen weiterzuentwickeln. In der Idee, die neben dem professionellen Tanz auch Arbeitsfelder wie Inklusion, forschende Tanzmedizin, Tanzausbildung, Tanz und Schule sowie Stadtteilarbeit beinhaltet, steckt nicht nur für Heide-Marie Härtel eine verheißungsvolle Möglichkeit, an die Bremer Tanztradition mit Namen wie Susanne Linke, Reinhild Hoffmann, Hans Kresnik und Urs Dietrich anzuknüpfen. Die Moderation der Podiumsdiskussion übernahm Michael Freundt, Geschäftsführer des Dachverband Tanz Deutschland. Es diskutierten Nele Hertling (Direktorin der Sektion Darstellende Kunst, Akademie der Künste Berlin), Ann-Cathrin Lessel (Geschäftsführung LOFFT – DAS THEATER Leipzig), Bertram Müller (Mitbegründer und langjähriger Leiter des tanzhaus nrw Düsseldorf), Dr. Elisabeth Nehring (Tanzkritikerin, Journalistin und Koordinatorin des Runden Tisches Tanz, TanzRaumBerlin) und Melanie Suchy (Tanzjournalistin, die an der Folkwang Hochschule Essen lehrt).

68 TeilnehmerInnen aus der Tanz- und Kulturszene sowie aus der Bremer Politik beteiligten sich an der Veranstaltung, der am Nachmittag unterschiedliche Fachgruppentreffen vorausgingen.

 

In der Diskussion mit der Bremer Politik, stellte die Arbeitsgruppe Tanzhaus zunächst fest, dass in Bremen für die freie Szene eine Bühne mit entsprechender Größe für den Tanz fehle. Erst eine Bühnengröße von 14 x 16 Meter entspräche dem Raumbedarf, um größere Arbeiten zu zeigen und eine Sitzplatzkapazität ab 350 Zuschauer sei Voraussetzung dafür, Tanzveranstaltungen kostendeckend und wirtschaftlich zu veranstalten. Die politischen Vertreter würdigten das Engagement der Initiativgruppe und der Tanzszene wie auch die Qualität der Veranstaltung. Auch dass tanzbar_bremen dringend barrierefreie Räume benötige und eine geeignete Bühne für größere Produktionen fehle, wurde als Defizit erkannt. Doch insgesamt tendierten die VertreterInnen von SPD, Grüne und Linke eher dazu, die Raumfrage für die Freie Szene insgesamt in den Blick zu nehmen, um interdisziplinär miteinander arbeiten zu können.

 

Bertram Müller vom tanzhaus nrw, der sich ein Tanzhaus, ähnlich wie die Initiativgruppe, als künstlerisches Powerhaus vorstellt, an dem TänzerInnen, ChoreografInnen und DozentInnen auch ihr Geld verdienen, positionierte sich deutlich gegen das „Gießkannenprinzip“ der Politik. Auch Heide-Marie Härtel schlug vor, einmal die Reihenfolge vor die Gleichbehandlung zu setzen. „Jetzt ist der Tanz mal dran!“, konstatierte sie, während Nele Hertling von der Akademie der Künste, Berlin, herausstellte, dass es dem Tanz leider „noch nicht gelungen ist, die entsprechende Anerkennung innerhalb der Künste wie auch in Gesellschaft und Politik zu bekommen, obwohl diese großartige Kunstform eine integrative und identitätsstiftende Kraft besäße. Und sie fragte weiter, ob Kulturpolitik nicht eine in die Zukunft gerichtete Aufgabe ist und ob es nicht für Bremen eine bessere kulturpolitische Aufgabe sei, den Tanz mit einem Tanzhaus zu stärken, anstatt „in der Breite erst mal Ruhe zu schaffen. [...]

 

Für Bertram Müller ist ein Tanzhaus „eine Antwort auf eine grundlegende Struktur in Deutschland.“ Anders als die subventionierten Staatstheater, seien die „Tanzhäuser fähig, internationale Koproduktionen über Städte hinweg, über Länder hinweg zu koproduzieren, und das ist der Trend in Europa.“ Abschließend bewerteten die geladenen ExpertInnen das vorgelegte Konzept der Initiativgruppe für Bremen positiv und verwiesen auf die Qualität und Dynamik der Bremer Tanzszene. Hier gäbe es gelebte Kooperationen und starke Akteure mit internationaler Vernetzung. Inwieweit sie die politischen VertreterInnen anregen konnten, über die bundesweit wirkungsvolle Kraft eines Tanzhauses nachzudenken, wird sich zeigen.
„Ich bin der Meinung, dass es Sinn macht, in die Zukunft zu denken“, sagte Tanzkritikerin Elisabeth Nehring. „Welches Profil will ich kulturell als Stadt zeigen? Gibt es eine bestimmte Exzellenz, etwas, das über Bremen hinaus strahlt? Und da hat Bremen natürlich eine Menge Vorlage für den Tanz.“
[...] ”

 

Den vollständige Artikel von Martina Burandt lesen Sie auf tanznetz.de – dazu klicken sie hier.

Grafik Helene Maus KULTUR PASSAGE BREMEN – Ein Tanzhaus für die Stadt. Podiumsdiskussion
"Räume für den Tanz"
Veranstaltung Deutsches Tanzfilminstitut Bremen / steptext dance project / tanzbar _bremen Gerhard-Marcks-Haus, Am Wall 208, Bremen D 13.05.2019 um 18.00 Uhr / Arbeitsgruppen von 15.00 bis 17.30 Uhr - Alle Angebote finden im Gerhard-Marcks-Haus statt.

Eine Initiative, gebildet von den Akteur*innen Heide-Marie Härtel, Hartmut Sebel (Deutsches Tanzfilminstitut Bremen), Helge Letonja (steptext dance project) und Günther Grollitsch (tanzbar_bremen), entwickelt seit Dezember 2018 mit weiteren Fachleuten ein Konzept als Reaktion auf den Kulturförderbericht Bremen und relevante Fragen zum Bedarf von Räumen und Ressourcen für die freie Tanzszene: KULTUR PASSAGE BREMEN – Ein Tanzhaus für die Stadt

 

Das Zusammenspiel von Tanzgeschichte und Tanzproduktion, die Verknüpfung mit den Arbeitsfeldern Inklusion, forschender Tanzmedizin, Tanz und Schule, Forschung und Wissenschaft sowie Stadtteilarbeit soll in einem Pilotprojekt gebündelt realisiert werden. Im Fokus der Initiative steht die Schaffung von neuen Räumen für die Kunst.

 

Die Leiter*innen des Deutschen Tanzfilminstituts Bremen, das die weltweit größte Tanzvideosammlung betreibt, steptext dance project, international eingebundener Tanzproduzent und Veranstalter und tanzbar_bremen, bundesweit anerkannter Vorreiter der Inklusion im Kunstbetrieb haben Mitte März das Projekt „KULTUR PASSAGE BREMEN – Ein Tanzhaus für die Stadt“ der Öffentlichkeit vorgestellt.

 

Nun möchten wir das Konzept in einer Expertenrunde kritisch auf seine Tragfähigkeit überprüfen und ergebnisoffen weiterentwickeln.

 

Die Expertenrunde und geladene Gäste werden in Bezug auf das Konzept KULTUR PASSAGE BREMEN unter anderem die Themenbereiche Tanzhaus-Betrieb, Medienkompetenz, Inklusion im professionellen Tanz, Tanzausbildung, Tanzmedizin, Kooperationen von Tanz und Wissenschaft, Bauen für den Tanz und Synergien in der Kulturarbeit vertreten.

 

Die Teilnahme an der Podiumsdiskussion haben zugesagt:

• für die Moderation: Michael Freundt (Geschäftsführer des Dachverband Tanz Deutschland)
• Nele Hertling (Direktorin der Sektion Darstellende Kunst, Akademie der Künste Berlin)
• Ann-Cathrin Lessel (Geschäftsführung LOFFT – DAS THEATER Leipzig)
• Bertram Müller (Mitbegründer und langjähriger Leiter des Tanzhaus NRW Düsseldorf)

• Daria Holme (Künstlerische Leitung EinTanzHaus Mannheim)
• Melanie Suchy (Tanzjournalistin, lehrt an der Folkwang Hochschule Essen)
• Dr. Elisabeth Nehring ( (Tanzkritikerin, Journalistin und Mitkoordinatorin des Runden Tisches Tanz, TanzRaumBerlin)

 

Zum Programmablauf:
• 15.00 bis 17.30 Uhr Arbeitsgruppen rund um das Thema Tanzhaus

• 18:00 bis ca. 20:00 Uhr Öffentliche Podiumsdiskussion
o 18:00 – 18:30 Vorstellung der Expertenrunde und kurze Zusammenfassung der Ergebnisse der Fachgruppen (s.u.)
o 18:30 – 19:15 Expertenrunde „Räume für den Tanz“
o 19:15 – ca. 20:00 Öffnung der Runde für die anwesenden politischen Vertreter. Im Anschluss Beiträge aus dem Publikum.

 

Die Expertenrunde wird folgende Fragestellungen erörtern:

• Wo liegen heute die künstlerischen Potenziale der Tanzszene in Bremen?

• Welche Rolle spielt die Kunstsparte Tanz als gesellschaftsbildende Kraft?

• Herausforderungen und Chancen durch Digitalisierung und mediale Vermittlung für die Bewegungskunst

• Wie kann das künstlerische Potenzial der Tanzszene in Bremen weiter gestärkt und ausgebaut werden?

• Räume für den Tanz: Ist das Konzept eines mit anderen Kunstsparten räumlich verbundenen Tanzhauses dabei eine folgerichtige und tragfähige Option?

• Welche Stärkung wäre von einem Tanzhaus für die einzelnen Player und die Szene als Netzwerk in der Stadt zu erwarten?

• Welche internationalen Kooperationsmöglichkeiten und Vernetzungen ergeben sich durch ein Tanzhaus im Rahmen des European Dancehouse Network – EDN?

 

Von 15.00 bis 17.00 Uhr sind der Podiumsdiskussion Facharbeitsgruppen vorangestellt, in denen zu Themen wie „Gleichstellung der Kunstsparte Tanz“, „Kultur als sozialer Kitt, Wirkung des Tanzes in der Stadt“, „Medizin / Körper / Bewegung / Tanz“, „Inklusion im Berufsbild des Tanzenden“ miteinander gearbeitet wird.

 

Heide-Marie Härtel, Hartmut Sebel, Helge Letonja und Günther Grollitsch freuen sich auf einen anregenden Abend und laden auch herzlich zur aktiven Teilnahme an den Fachgruppen zwischen 15 und 17 Uhr ein.

 

533_Last-minute-Logo quadratisch

 


 

Objekt/Foto: Simon Waßermann "Handle with Care" Valises et Passages. KOÏNZI-Kaffeehaus IV
Temporärer Raum für Wechselwirkungen der Künste_2019
Veranstaltung KOÏNZI-DANCE e.V. Fabrik der Künste Hamburg, Kreuzbrook 10-12 D 23. – 27. April 2019, jeweils 18 bis 22 Uhr

Gerne machen wir auf die Kulturwoche mit Ausstellung / Diskussionen / TanzPerformances / Filmen / Gesprächen am Tisch / Preisverleihung des diesjährigen KOÏNZI-Kaffeehauses, das unter dem Motto Valises et Passages steht, aufmerksam – auch weil der künstlerischen Leitung des Deutschen Tanzfilminstituts Bremen in diesem Rahmen die Ehrenmitgliedschaft verliehen wird.

 

Zur Vernissage am 23. April 2019 um 18 Uhr lädt KOÏNZI-DANCE e.V. in die Fabrik der Künste. Nach einer Einführung nebst Verleihung des 5. BlauLaut-Preises für interdisziplinäre Kunst an Jasmin Schaitl mit Laudation von Dr. Nele Lipp erhält der Geist weitere Anregung durch eine Podiumsdiskussion.

 

In der Ausstellung werden Arbeiten von Anna Lena Grau (Packstücke), Nele & Lauritz Lipp (Jean Weidts Exilfahrten), Wittwulf Y Malik (5 voyages), Burkhard Scheller (o.T., o.J.), Marina Siena / Marlis Brinkmann (cum radices vidulus), Simon Waßermann (genii / loci) gezeigt. Zeitbasierte Elemente werden mit musikalischen Intermezzi von Wittwulf Y Malik angekündigt.

 

Auszug aus dem Programm

 

Donnerstag, 25. April

19.00 Maskenvignetten / Tanzperformance (25’)

Anatelier / Gilles Viandier (Tanz): Dodomonde pour „Valises et Passages“ (2019)

20.00 Tanzfilm (50’) Nele Lipp: O TEMPORA O MORES – Grand Défilé des Masques (2017, eine Produktion von KOÏNZI-DANCE e. V., Filmversion Heidi Härtel)

21.00 Kleine Feier zur Ehrenmitgliedschaft

für Heidi Härtel (Deutsches Tanzfilminstitut Bremen), die die Arbeit von KOÏNZI-DANCE e. V. seit 20 Jahren begleitet.

 

Das umfangreiche Programm finden Sie unter KOÏNZI-DANCE e.V.

Foto: Anja Beutler O Tempora O Mores. Grand Défilé des Masques
Premiere einer Filmversion im Rahmen des KOÏNZI-Kaffeehaus IV
Veranstaltung KOÏNZI-DANCE e.V. Fabrik der Künste Hamburg, Kreuzbrook 10-12 D 29.09.2017

Zur Performance “O Tempora O Mores – Grand Défilé des Masques” (2017) von Nele Lipp / KOÏNZI-DANCE e. V. sind im Deutschen Tanzfilminstitut Bremen in enger Zusammenarbeit der künstlerischen Leitung, Heide-Marie Härtel, mit Nele Lipp die zentralen Aussagen des Stücks auf filmischer Ebene kreativ weiter vorangetrieben worden. Entstanden ist eine sehenswerte Filmversion.

 

“O TEMPORA O MORES – Grand Défilé des Masques” ist Ariane Mnouchkine gewidmet. Das Stück ist eine Passage durch einige Arbeiten von Nele Lipp – immer wieder aufgeschreckt vom neuen Geist der Zeit. Die Masken und Objekte für O TEMPORA O MORES … stammen aus anderen Aufführungen von KOÏNZI-DANCE. Einige entstanden im Zusammenhang von Kooperationen mit Christiane Meyer-Rogge-Turner. Sie landeten im Depot – einer Art Orkus. Von dort und damals (O Tempora) steigen sie als Wiedergänger hervor, um angesichts der neuen Sitten (O MORES) Wirrungen offenbar zu machen.”

 

Die Filmversion “O TEMPORA O MORES” wird im Rahmen des KOÏNZI-Kaffeehaus IV anlässlich der Verleihung der Ehrenmitgliedschaft an Heide-Marie Härtel bei KOÏNZI-DANCE e. V. am 25. April 2019 um 20.00 Uhr in der Fabrik der Künste in Hamburg Kreuzbrook uraufgeführt.

Annelie Keil, Gesundheitswissenschaftlerin Was für eine wunderbare und vorwärtstreibende Idee: Kultur Passage Bremen – ein Tanzhaus für die Stadt

Tafi-Info

“Was für eine wunderbare und vorwärtstreibende Idee: Kultur Passage Bremen – ein Tanzhaus für die Stadt”. Diese Überschrift trägt ein Schreiben an die Initiative für die Kultur Passage Bremen von Professor Doktor Annelie Keil, das hier im Wortlaut wiedergeben wird.

 

“Ein alter Freund, der Philosoph Rudolf zur Lippe, wollte mit seinem letzten Buch mit dem Titel: „ Das Denken zum Tanzen bringen“ und dabei erneut für eine neue Kunst der Aufmerksamkeit eintreten. In einer Rezension heißt es: Wandel und Bewegung sind Grundphänomene – nicht nur des menschlichen Lebens -, doch erstaunlicherweise sind sie nur selten philosophisch eingehend erörtert worden. Rudolf zur Lippes “radikale Phänomenologie” widmet sich höchst verschiedenen Bewegungsformen: Die Beobachtungen reichen von Vogelschwärmen über Wolkenbilder bis hin zu Tanz und Kampfkunst. Nicht zuletzt anhand von Figuren aus anderen Kulturen gelingt es ihm zu zeigen, wie wir einen Wandel in unserem Sehen und Erleben in Gang setzen können.

Das Projekt „ Kultur Passage Bremen“ will nicht nur das Denken, sondern vor allem die Stadt zum Tanzen bringen, will verbinden, was schon da ist und vorantreiben, was sich in Bremen auf vielerlei Weise schon in Bewegung gebracht hat, will teilen, womit man gemeinsam stärker werden kann. Wohin man schaut, haben der Tanz und das Tanzen in den letzten Jahren den „öffentlichen Raum“ erobert, haben Menschen in Bewegung versetzt, alte und behinderte Menschen wieder aufs Parkett gelockt. Sieht man sich die Angebote, Akteure und Visionen in Bremen an, so ist Bremen bereits ein virtuelles Tanzhaus, den wirklichen Ort für den Tanz und eine bewegte Kunst müssen wir schaffen. Wir müssen die Puzzelteile zu einem Ganzen fügen und diesem Ganzen nicht nur neues, sondern lebendiges Leben einhauchen, das nicht gleich im Kesseltreiben von Konkurrenz, knappen Mitteln oder „ da könnte ja jeder kommen“ untergeht ..Zum Jahr der Bremer Stadtmusikanten eine herrliche Idee: wer immer die Rollen von Esel, Hund, Katze und Hahn am Ende übernimmt, alle Beteiligten an einem Tanzhaus für Bremen gewinnen auf jeden Fall mehr als den Tod. „Darf ich bitten“ zum Tanz der Tänze.”

 

Annelie Keil

Bremen, im März 2019

 

Das Original-Schreiben von Annelie Keil ist hier zu lesen.

Modell mit Entwurfscharakter für einen möglichen Standort Initiative Kultur Passage Bremen – Ein Haus für den Tanz [Beitrag im Weser-Kurier]
"Eine Initiative will Tanzeinrichtungen und deren Schlagkraft bündeln. Im Gespräch ist ein Ausbau der Schwankhalle in der Neustadt zur Schaffung einer neuen (und barrierefreien) Spielfläche.
Zu Gast im TAFI

Ein Beitrag von Hendrik Werner im Weser-Kurier am 15. März 2019

 

“Mit einem ambitionierten Projekt sind am Freitag Vertreter der hiesigen freien Tanzszene an die Öffentlichkeit gegangen: Bei einem Pressegespräch im Deutschen Tanzfilminstitut Bremen stellten sie Pläne für ein Tanzhaus in der Stadt vor, das unter dem Namen „Kultur Passage Bremen“ die Arbeit verschiedener Institutionen und Akteure bündeln soll. Im Gespräch für den Standort ist die Neustadt, genauer: Erweiterungsbauten für die Schwankhalle.

Mit 3600 Quadratmetern bezifferten die drei Initiatoren – Tanzfilminstitut, step dance project und tanzbar_bremen – den Raumbedarf. In Rede stehen sowohl Anbauten und Aufstockungen. Gedacht ist zum einen an einen Nutzflächenausbau gemeinschaftlich genutzter Räume, darunter Säle, Foyer, Backstagebereiche, Gästewohnung sowie Proben- und Lagerräume, von derzeit 1300 auf gut 2500 Quadratmeter.

Der Hauptzuwachs an Fläche soll sich aus einer zusätzlichen barrierefreien Bühne (samt tanzspezifischer Ausstattung), diese „umgebende Betriebsflächen“ und „vergrößerte Probebühnen“ ergeben, heißt es in einem Entwurf, den die Leiterin des Deutschen Tanzfilminstituts, Heide-Marie Härtel, steptext-dance-project-Leiter Helge Letonja und Günther Grollitsch, künstlerischer Leiter des inklusiven Kollektivs tanzbar_bremen, gemeinsam vorstellten.

Wert legten sie auf die Feststellung, dass besagte Schwankhallen-Option nur und immerhin einen „beispielhaften Standort“ betreffe, dessen Eignung erst durch eine Machbarkeitsstudie verbindlich zu ergründen sei. Die Kosten für einen etwaigen Umbau der Schwankhalle bezifferte der Städteplaner und Architekt Jürgen Koch mit 14 bis 18 Millionen Euro. Die Personalkosten eines Tanzhauses als Bestandteil einer „Kultur Passage Bremen“, darunter Posten wie Betriebsbüro, Hausmeister und Reinigung, veranschlagt das Entwurfspapier auf 180.000 Euro pro Jahr; nicht eingerechnet sind eventuelle Mietkosten.

 

“Das neue Tanztheater ist nicht in Wuppertal, sondern in Bremen erfunden worden.” Tanzfilminstitutsleiterin Heide-Marie Härtel

 

Der Zeitplan zur Realisierung des Projekts ist ehrgeizig. Als weitere Wegmarke machte Helge Letonja den Welttanztag am 29. April namhaft. An diesem Termin ist ein Podium mit einem nationalen Expertengremium geplant, um das Vorhaben mit Tanzschaffenden und Kulturpolitikern zu diskutieren. Im Anschluss an die Bürgerschaftswahl vom 26. Mai soll die Vision nach dem Willen der Initiative in ein erstes Planungsstadium münden. Ziel sei die Eröffnung des Tanzhauses zum Ende der kommenden Legislaturperiode. Letonja nannte die Jahreszahl 2024 als Wunschtermin für Einzug und Arbeitsbeginn.

 

Ein wesentlicher Impuls für die Initiative sei vom Förderbericht 2018 des Bremer Senators für Kultur ausgegangen, sagte Härtel. Die darin versammelten Aussagen zur Vernetzung von Akteuren, zur Schaffung von Synergieeffekten und zur „Bereitstellung von Produktionsstätten“ würden Mut machen, ja seien beflügelnd.

Heide-Marie Härtel sieht in dem Konzept, das auch Arbeitsfelder wie Inklusion, forschende Tanzmedizin, Tanz und Schule sowie Stadtteilarbeit beinhaltet, eine verheißungsvolle Möglichkeit, an wirkungsmächtige Bremer Tanztraditionen anzuschließen, für die Namen wie Susanne Linke, Reinhild Hoffmann, Urs Dietrich und Johann Kresnik einstünden. „Das neue Tanztheater ist nicht in Wuppertal, sondern in Bremen erfunden worden“, sagte Härtel weiter.

 
Hiesige Tanzsparte auf einem Level mit kleineren Städten
An diese Traditionslinien am Theater Bremen anzuknüpfen, sei schon im Blick auf die Anzahl der Tänzer schwierig. Mit einer Compagniestärke von acht Akteuren bewege sich die hiesige Tanzsparte auf einem Level mit kleineren Städten wie Cottbus und Halberstadt; dagegen habe das Niedersächsische Staatstheater in Hannover 29, die städtische Bühne in Nürnberg sogar 79 Tänzer.

„Der Aus- und Aufbau eines zweiten Standbeins erscheint dringend geboten“, sagte Härtel abschließend. Ziel sei eine sinnvolle Ergänzung des städtischen Theaterbetriebes hinsichtlich des Tanzsegments. Dazu zählen auch die Anbindung von Einrichtungen und Personen, die sich um Ausbildungs- und Gesundheitsaspekte kümmern. Für die entsprechenden Bereiche hat sich die Initiative der Mitwirkung der Tanzpädagogin Jacqueline Davenport und der Gesundheitswissenschaftlerin Annelie Keil versichert.

 

Die künstlerischen Möglichkeiten, die eine Ballung von interdisziplinärem Sachverstand an einem Ort haben könnten, skizzierte Helge Letonja. Es gehe darum, „Tanzproduktionen in ihrer Entstehung und Vernetzung neu zu denken“. Zur Namensgebung merkte er an, dass „Kultur Passage“ – notabene: (noch) ohne Kopplungsstrich – für jenes Prinzip der Durchlässigkeit stehe, das sich die Initiative von dem Projekt verspreche.

 

“Tanzproduktionen in Entstehung und Vernetzung neu zu denken, ist das Ziel

steptext-dance-project-Leiter Helge Letonja

 

Das gelte nicht nur für den Tanz, sondern auch für andere Bühnenspielarten wie das Schauspiel. Von der Schaffung zusätzlicher Aufführungsflächen könne nicht zuletzt auch das Theater Bremen profitieren, das ebenfalls einen Mangel an Spielstätten, an Probebühnen zumal, beklage. Weitere Andock-Pläne der Tanzinitiative betreffen die vis-à-vis gelegene Städtische Galerie. Nach punktuellen Kooperationen mit der Kunsthalle sind die Aktivisten offenbar zum stadtweiten Schulterschluss entschlossen.” Hendrik Werner

Fotos: Sebastian Wolf Schlafwandler 1999 / 2019

Dreharbeiten steptext dance project Bremen D 13.03.2019 um 20.00 Uhr

“So humorvoll vital wie besonnen fragil entführt das Tanzduett SCHLAFWANDLER 1999/2019 in die schwebenden Sphären zwischen Schlafen, Träumen und Wachen. Des alltäglichen Gerangels und Gerennes müde taucht ein Paar in seine unbewussten Welten ein – und findet sich in einem Strudel eigenwilliger Reminiszenzen wieder. Kaum Erinnertes und längst Verdrängtes münden in skurrile Ausbrüche, fliegende Federn, bebenden Unmut und kippende Balancen. 20 Jahre nachdem Helge Letonja diesen surrealen Bilderbogen für Anne Minetti und Ziv Frenkel kreierte, nehmen die beiden die Choreografie wieder auf und führen sie mit neuen Fragen fort.
Wie speichern Körper Erlebtes? Der lange Taumel zweier Menschen ums Finden und Verlieren, welche Essenzen birgt er für den Tanz? Zu Schuberts „unvollendeter“ Sinfonie in h-Moll zeichnet das Duo ein entschleunigtes Ringen um Gleichgewichte in die fließende Zeit. “

***

Choreografie 2019, Tanz: Anne Minetti, Ziv Frenkel
Choreografie 1999: Helge Letonja

Musik/Collage: J.B. Lully, Henry Purcell, Israel Bright, Franz Schubert

Bühne: Jurin Wendelstein, Student der Architektur an der Hochschule Bremen

Lichtdesign, Technische Leitung: Timo Reichenberger

Produktionsassistenz: Florentine Emigholz

ÖA-Text: Maja Maria Liebau

Fotos: Sebastian Wolf

Produktion: steptext dance project

Gefördert vom Senator für Kultur Bremen

Unterstützt von: Deutsches Tanzfilminstitut Bremen, Uferstudios Berlin und Compagnie A180°

 

***

Das Deutsche Tanzfilminstitut Bremen freut sich, die Premiere filmisch zu dokumentieren.

Jean Cebron TANZSALON 26: Abschied von Jean Cébron

Filmvortrag Deutsches Tanzfilminstitut Bremen Bremen D Sonntag, 10.03.2019, um 20.00 Uhr

Der Tänzer, Choreograf und Pädagoge Jean Cébron verstarb am 1. Februar im Alter von 94 Jahren. Er war nach Kurt Jooss über Jahrzehnte der wohl stilprägendste Tanzpädagoge der Folkwangschule. Zu seinen Schülern zählen so bekannte Tanzpersönlichkeiten wie Reinhild Hoffmann, Susanne Linke, Urs Dietrich und Lutz Förster.

 

Jean Cébron war als Tänzer z.B. in berühmten Ballettstücken von Kurt Jooss tätig und als Choreograf, der in den 70iger Jahren u.a. mit Pina Bausch auftrat. Das Deutsche Tanzfilminstitut verfügt über bisher nicht publiziertes Videomaterial aus dem Unterricht von Jean Cébron, aus Vorstellungen der Folkwangschule aus den 90-er Jahren und aus seiner Arbeit mit dem Bremer Tanztheater aus den 80-er Jahren unter Reinhild Hoffmann.

Wir zeigen Ausschnitte aus den Dreharbeiten und sprechen mit einem seiner Schüler aus den 90-ern, mit Professor Doktor STEPHAN BRINKMANN, der seit Ende letzten Jahres Leiter der Tanzabteilung der Folkwang Universität der Künste ist.

 

Im Anschluss an die Präsentation machen wir Sie gerne mit einer Premiere bekannt, die in der darauf kommenden Woche, am 13.3. in der Schwankhalle zu sehen sein wird: SCHLAFWANDLER 1999 / 2019. Das 1999 von Helge Letonja choreographierte Stück führen die gleichen TänzerInnen 20 Jahre später in einem zweiten Teil fort. Ziv Frenkel und Anne Minetti sind im Tanzsalon anwesend. (Premiere 13.3., weitere Vorstellungen 14. und 16.3.)

 

Der TANZSALON 26 beginnt am Sonntag, 10. März 2019, um 20:00 Uhr im Deutschen Tanzfilminstitut Bremen, Forum am Wall, Am Wall 201, 28195 Bremen. Eingang von der Ostertorstraße aus, links neben Bäckerei. Tel. 0421 240 550   

 

 

 

 

 

Foto: Marianne Menke LOS DESAPARECIDOS – Vom Erdboden verschluckt

Dreharbeiten steptext dance project Schwankhalle Bremen D 31.01.2019 um 20.00 Uhr

“Das Tanzsolo LOS DESAPARECIDOS ist eine physische Auseinandersetzung mit den Folgen eines jahrzehntelang in Lateinamerika verübten Verbrechens: dem gewaltsamen Verschwindenlassen. Bis heute sind tausende Opfer wie vom Erdboden verschluckt. Ungewiss ist, was mit ihnen geschah. Ihre Schicksale schwelen als traumatische Wunden in familiären und gesellschaftlichen Gefügen. So auch in Kuba und Kolumbien, den Herkunftsländern der vielfach prämierten Choreografin Maura Morales und des Tänzers/Schauspielers Augusto Jaramillo-Pineda, die ihre erste künstlerische Zusammenarbeit diesem gemeinsamen Thema widmen – und zugleich dessen universelle Dimension erforschen: Wie wirkt sich eine ewige Leerstelle auf das Leben aus? Was gibt Kraft, wenn jede Hoffnung neue Verzweiflung nährt und umgekehrt? Zu eigens geschaffener elektronischer Musik des etablierten Tanztheaterkomponisten Michio Woirgardt vermisst das Solo die Verknüpfungen zwischen Trauma und Gewalt ebenso, wie die Potenziale von Mitgefühl und Gemeinschaft.”

***

Choreografie, Regie, Kostüme, Bühne:
Maura Morales
Konzept/Idee, Tanz/Schauspiel, Kostüme, Bühne:
Augusto Jaramillo Pineda
Komposition: Michio Woirgardt
Dramaturgie: Anke Euler
Technische Leitung / Lichtdesign: Timo Reichenberger
Produktionsassistenz: Florentine Emigholz
ÖA-Text: Maja Maria Liebau
Fotos: Marianne Menke

***

Das Deutsche Tanzfilminstitut Bremen freut sich, die Uraufführung zu dokumentieren.

Gisela Peters-Rohse mit Günther-Grollitsch. Foto: Daniela Tanzarchiv Köln ehrt Tanzpädagogin Gisela Peters-Rohse
Filmpräsentation "Der Eintänzer" und "ZEUGEN DES TANZES: Katja Schneider trifft Gisela Peters-Rohse"
Veranstaltung Deutsches Tanzarchiv Köln Mediapark, Tanzmuseum 16.12.2018 um 19:30 Uhr

“Alles ist Tanz”, sagt Gisela Peters-Rohse. “Und alles kann Tanz werden: die Menschen, ihre Geschichten, die Stadt in der wir leben.” Anlässlich ihres 80. Geburtstags präsentiert das Deutsche Tanzarchiv Köln zwei Dokumentarfilme über ihr Wirken.

 

Erst jüngst, zu Beginn ihres achtzigsten Lebensjahres, stellte Gisela Peters-Rohse ihr tänzerisches Können in einem Duo mit dem um viele Jahre jüngeren Tänzer Günther Grollitsch in dem Stück “Der Eintänzer” noch einmal unter Beweis: Unbändige Lebenslust, sinnliche Freizügigkeit und künstlerische Experimentierfreude einerseits, Kriegserfahrungen, Inflation, eine erstarkende Rechte und politisch hochbedrohliche Lage anderseits – diese ambivalente Stimmung fängt das Bühnenduo so leichtfüßig wie trennscharf ein. Und es fragt: Was bedeutet es, den eigenen tanzenden Leib zu Markte zu tragen? Wann kompromittiert derartige Dienstbarkeit die persönliche Integrität?

 

Gisela Rohse-Peters wurde 1938 geboren und erhielt ihre tänzerische Berufsausbildung in der modern ausgerichteten Tanzschule Lola Rogge in Hamburg. Sie tanzte in mehreren deutschen Staatstheatern und bildete sich parallel dazu in ganz Europa in den verschiedenen Tanztechniken weiter. Ab 1970 leitete sie die Abteilung Kinderballett und das Pädagogik-Seminar für Kindertanz an der Rheinischen Musikschule, Konservatorium der Stadt Köln. Von 1986 bis 2001 war Gisela Peters-Rohse Dozentin für Labans Raum- und Bewegungslehre, Improvisation und Folkloretanz sowie Kindertanz-Pädagogik am Institut für Bühnentanz der Hochschule für Musik und Tanz Köln. Über ihre pädagogische Tätigkeit hinaus wurde sie mit einer Vielzahl bemerkenswerter Choreografien für Kinder international bekannt. Frau Rohse-Peters entwickelte eine eigene Unterrichtskonzeption und -methodik, die sie seit über zehn Jahren auf Einladung verschiedener Unterrichtsstätten wie Peking, Moskau, Leningrad, Singapur, Brasilien, in der Schweiz und auch in Deutschland bis heute lehrt.

 

Zu Ehren dieser aktiven Persönlichkeit des Tanzes zeigt das Deutsche Tanzarchiv Köln das Filmporträt “ZEUGEN DES TANZES: Karin Schneider trifft Gisela Peters-Rohse” und die Dokumentation “Der Eintänzer”. Beide Filme sind Produktionen des Deutschen Tanzfilmarchivs Bremen, das sich der Künstlerin und Pädagogin besonders verbunden fühlt. Ein Gespräch mit der Jubilarin und der Filmemacherin Heide-Marie Härtel führt Thomas Thorausch.

TANZSALON 25: Kresniks “Macbeth” (Rekonstruktion) aus Linz

Veranstaltung Deutsches Tanzfilminstitut Bremen Bremen D Montag, 10.12.2018 um 20 Uhr

 Wiedereinstudierung des Stückes von 1988 (Theater Heidelberg) mit dem Ensemble des Landestheaters Linz.

Mit Ausschnitten aus der Aufzeichnung des Deutschen Tanzfilminstituts Bremen.

 

Ein Klassiker des Theaterberserkers Johann Kresnik aus dem Jahr 1988. Grell und gleichzeitig hoch ästhetisch beschreiben die Arbeiten des österreichischen „Enfant terrible“ der Tanzwelt gesellschaftliche und politische Fehlentwicklungen. Kresniks Macbeth entstand auf dem Höhepunkt der bundesrepublikanischen Barschel-Pfeiffer-Affäre und zeigt den mörderischen Kampf um die Macht. (Pressetext Theater Linz)

 

Die ZEIT titelt 1988: “Die Kieler Affäre – in mörderischen Tänzen” und weiter: “Es ist in Tanzwut, Präzision und Einfallskraft wohl das beste der Tanzdramen, die Kresnik – mit kritischem Blick auf die Familienverhältnisse seiner Titelhelden – in den letzten Jahren geschaffen hat.“ 40 Jahre später hat das Stück noch nichts an Aktualität verloren. “So ist die Rekonstruktion von Kresniks Macbeth eine zeitgemäße Entscheidung. Deren Umsetzung bewältigt das Ballett des Linzer Landestheaters mit leidenschaftlicher Bravour. “, so Helmut Ploebst im österreichischen “Der Standard”.

 

Im Tanzsalon 25 wird die Dokumentation der Premiere am Theater Linz gezeigt.

 

Der Eintritt ist frei.

 

Filmveranstaltung im Deutschen Tanzfilminstitut Bremen, Am Wall 201, Forum am Wall. (Eingang Osterstraße, links neben der Bäckerei)

 

577_Techn-Support_07 IASA zu Gast im Deutschen Tanzfilminstitut Bremen
Exkursion der Internationalen Vereinigung der Schall- und audiovisuellen Medien - Ländergruppe Deutschland / Schweiz
Veranstaltung Deutsches Tanzfilminstitut Bremen Bremen D 24.11.2018 um 15.00 Uhr

Die Jahrestagung der IASA-Ländergruppe Deutschland/Schweiz e.V. findet in Zusammenarbeit mit dem Klaus-Kuhnke-Archiv für Populäre Musik und der Günter Grass Stiftung am 23. und 24. November 2018 im Studienzentrum Künstlerpublikationen / Weserburg statt und bietet eine Exkursion in das Medienarchiv des Deutschen Tanzfilminstituts Bremen an.

 

Im Zentrum der Tagung stehen die Perspektiven institutioneller Archivierung audiovisueller Medien besonders unter dem Aspekt der Digitalisierung und der Langzeitarchivierung dieser Mediengattung. Hier knüpft die Führung durch das Deutsche Tanzfilminstitut Bremen, speziell durch die technische Abteilung, an. Wir freuen uns besonders über das Interesse der Kollegen aus der Schweiz / Memoriav. Der Rundgang durch unsere Räume folgt den zahlreichen Arbeitsphasen, die ein Medium bis zur vollständigen Aufnahme in unser umfangreiches Tanzfilmarchiv, dem größten Europas, durchläuft. Vielschichtige, zeitaufwendige Arbeitsprozesse zur Digitalisierung von Videobändern unterschiedlicher Formate werden sichtbar. Besondere Aufmerksamkeit gilt den Möglichkeiten der Restaurierung von Bändern. Die Verarbeitung der Digitalisate, ihre Aufnahme in eine individuell auf die Bedürfnisse unseres Instituts abgestimmte Datenbank, die Erschließung der Filme und die anschließende Langzeitdigitalisierung werden von unseren Mitarbeitern plastisch vorgestellt. Der ausführliche fachliche Austausch mit der Leiterin Heide-Marie Härtel knüpft neue Verbindungen und beschließt die Exkursion.

Songs from the neighborhood. Foto Marianne Menke YOUNG ARTISTS: Songs from the Neighborhood

Dreharbeiten Young Artists / steptext dance project Bremen D 23.11.2018 um 20 Uhr

Der eine schnackt im Treppenflur mit jedem, die andere verschwindet grußlos hinter ihrer Tür. Manche feiern zusammen und einige rufen die Polizei, sobald es laut wird: So vielfältig wie die Menschen ist ihr nachbarschaftliches Miteinander. Für ihr neues Bühnenstück sind die young artists in mehrere Stadtteile ausgeschwärmt und haben sich dort mit Bewohner_innen ausgetauscht. Die Impulse aus diesen Begegnungen verwandeln sie auf der Bühne in eine so humorvoll freche wie besonnene Tanztheatercollage. Wer wünscht sich was von den Nächsten nebenan? Warum? Wie wichtig ist Individuelles, welche Rolle spielt Gemeinschaft? Antworten aus unterschiedlichsten Lebensentwürfen, Kulturkreisen und Generationen verflicht das mit jungen Bremer_innen aus Syrien, Ägypten, dem Iran und einem Mutter-Tochter-Duo aus Deutschland besetzte Ensemble zu expressiven Tableaus.

 

CREDITS
Künstlerische Leitung / Choreografie / Tanz- und Theatertraining: Augusto Jaramillo-Pineda
Choreografische Mitarbeit / Tanztraining: Kossi Sebastien Aholou-Wokawui
Tänzer_innen / Darsteller_innen young artists: Mariama Jobe, Azad Kour, John Nessim, Josephine Pavlak, Marie-Luise Pavlak, Ali Zarabi
Kostüme: Rike Schimitschek
Technische Leitung / Licht: Timo Reichenberger
ÖA-Text: Maja Maria Liebau
Produktion: steptext dance project
Gefördert durch: start JUGEND KUNST STIFTUNG BREMEN

 

Das Deutsche Tanzfilminstitut Bremen freut sich, die Premiere filmisch zu dokumentieren.

Foto Marianne Menke TANZSALON 24_anders: tRanz

Veranstaltung steptext dance project Schwankhalle Bremen D 04.11.2018 um 19.00 Uhr

Dokumentarfilm von Marie-Claire Schmarsow – work in progress präsentiert von steptext dance project
 
Am kommenden Sonntag gibt Marie-Claire Schmarsow einen Einblick in ihre Masterarbeit an der Universität Bremen, bei der sich die vielfältige internationale Arbeit der Compagnie STEPTEXT DANCE COMPANY mit den Thesen von Transkulturalität treffen. Sie zeigt diese Arbeit als work in progress, aus dem hervorgeht, wie subtil sich berufliche, menschliche und alltägliche Aktionen der einzelnen Akteure mit- und ineinander vermischen, – eine Arbeitsweise, die dem künstlerischen Ergebnis im Tanztheater sehr zugute kommt. 

 

Aus dem Pressetext von steptext dance company:

Für ihren Dokumentarfilm „tRanz“ hat Marie-Claire Schmarsow die Aktivitäten von steptext dance project ein halbes Jahr lang mit der Kamera begleitet. Einblicke in Proben, Aufführungen und Arbeitsalltag, ergänzt durch die eigene Wahrnehmung der Künstler_innen, fügen sich zu einem vitalen Porträt transkulturellen Tanztheaters.

Eine Masterarbeit im Studiengang Transnationale Literaturwissenschaft der Uni Bremen. Einführung: Prof. Dr. phil. Elisabeth Arend, Leitung des Studiengangs Transnationale Literaturwissenschaft: Literatur, Theater, Film. Unterstützt vom Deutschen Tanzfilminstitut Bremen.

 

Der Eintritt ist frei.

Sonntag um 17.00 Uhr

 Ort: Schwankhalle Bremen Buntentorsteinweg 112/ 116